Italo als neue Bahn-Alternative: Warum Münster trotzdem verlieren könnte

Warum der Italo-Streit Münster beim Fernverkehr hart treffen könnte
Foto von Charles Forerunner auf Unsplas

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Münster. Eine mögliche Schwächung beim Fernverkehr würde Münster empfindlich treffen. Die Stadt wird in aktuellen Berichten zu einer EVG-Analyse als einer von 16 Standorten genannt, bei denen ICE- und IC-Halte unter Druck geraten könnten, falls der italienische Anbieter Italo ab 2028 vor allem auf besonders lukrativen Hauptstrecken in Deutschland fährt.

Beschlossen ist eine Streichung nicht. Dennoch ist die Warnung für Münster heikel, weil der Hauptbahnhof nicht nur für die Stadt selbst wichtig ist. Er ist auch die zentrale Bahndrehscheibe für große Teile des Münsterlands. Wer aus der Region in den Fernverkehr will, nutzt häufig Münster als Einstiegspunkt.

EVG warnt vor Druck auf weniger lukrative Fernverkehrshalte

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnt vor einem Wettbewerb, der sich vor allem auf profitable Hauptstrecken konzentriert. Aus Sicht der Gewerkschaft könnte dadurch ein Problem entstehen, das viele Reisende zunächst nicht sehen. Wenn neue Anbieter besonders ertragreiche Verbindungen bedienen, könnten der Deutschen Bahn Einnahmen fehlen, mit denen bislang weniger rentable Fernverkehrshalte mitgetragen werden.

Genau an dieser Stelle wird Münster relevant. Die Stadt liegt zwar nicht abseits des Bahnnetzes, gehört aber auch nicht zu den großen Metropolenachsen, auf denen neue Anbieter zuerst Geld verdienen wollen. Deshalb könnte Münster aus Sicht der EVG zu den Standorten zählen, die bei Sparzwang schneller hinterfragt werden. Es geht also nicht darum, dass Italo selbst Münster meiden würde. Entscheidend wäre vielmehr, ob die Deutsche Bahn auf Dauer alle bisherigen Fernverkehrsangebote halten kann, wenn lukrative Strecken stärker umkämpft sind.

Für Fahrgäste wäre das mehr als eine abstrakte Branchendebatte. Wenn ICE- oder IC-Verbindungen in Münster seltener würden, müssten Reisende häufiger über größere Knoten ausweichen. Dadurch würden Fahrten länger, und Anschlüsse würden anfälliger für Verspätungen.

Warum Bahn Münster für die ganze Region wichtig ist

Der Hauptbahnhof Münster ist die wichtigste Mobilitätsdrehscheibe der Stadt und des Münsterlands. Nach Angaben der Stadt Münster nutzen täglich mehr als 60.000 Reisende den Schienenverkehr am Hauptbahnhof. Hinzu kommen zehntausende Ein-, Aus- und Umsteiger im Busverkehr. Damit ist der Bahnhof weit mehr als ein Haltepunkt für Fernzüge.

Gerade deshalb könnte ein Rückgang im Fernverkehr Münster hart treffen. Die Stadt ist Universitätsstandort, Verwaltungszentrum, Einkaufsort und Arbeitsplatzstandort. Viele Menschen reisen regelmäßig nach Münster oder von Münster aus weiter. Dazu gehören Studierende, Berufspendler, Geschäftsreisende, Besucher von Kliniken, Kongressen und Veranstaltungen. Wenn direkte Fernzüge wegfallen oder seltener fahren, betrifft das deshalb nicht nur einzelne Reisende.

Auch das Münsterland wäre betroffen. Viele Orte in der Region haben keinen eigenen ICE- oder IC-Halt. Sie sind darauf angewiesen, dass Münster gut an den Fernverkehr angeschlossen bleibt. Wenn Fahrgäste künftig zuerst mit Regionalzügen nach Dortmund, Hamm oder Osnabrück fahren müssten, würde sich die Reise für viele deutlich verlängern. Außerdem würde jeder zusätzliche Umstieg das Risiko erhöhen, Anschlüsse zu verpassen.

Italo-Streit zeigt ein grundsätzliches Problem im Fernverkehr NRW

Auslöser der Debatte ist der geplante Einstieg von Italo in den deutschen Fernverkehr. Der italienische Anbieter will ab 2028 mit Hochgeschwindigkeitszügen in Deutschland fahren. Nach bisher bekannten Angaben geht es vor allem um stark nachgefragte Achsen wie München, Frankfurt, Köln und Dortmund sowie München, Berlin und Hamburg.

Für solche Angebote braucht Italo verlässliche Trassen. Damit sind Zeitfenster gemeint, in denen Züge bestimmte Strecken nutzen dürfen. Dazu läuft ein Verfahren bei der Bundesnetzagentur. Italo hat sich wegen Vorrangregeln für die Trassenvergabe in den Infrastrukturnutzungsbedingungen der DB InfraGO beschwert. Die Infrastrukturtochter der Bahn verweist dagegen auf knappe Kapazitäten, überlastete Knoten und Regeln, die für alle Unternehmen gleich gelten müssten.

Für Münster ist dieser Streit deshalb wichtig, weil der deutsche Fernverkehr eigenwirtschaftlich organisiert ist. Anders als viele Regionalzüge wird er nicht einfach von den Ländern bestellt. Unternehmen entscheiden selbst, welche Fernverkehrsverbindungen sie anbieten. Wenn sich bestimmte Halte wirtschaftlich schlechter rechnen, können sie deshalb schneller unter Druck geraten. Genau davor warnt die EVG.

Für Münster gibt es noch keine Streichung, aber ein klares Risiko

Für Reisende in Münster ändert sich durch die EVG-Warnung zunächst nichts unmittelbar. Es gibt keine veröffentlichte Entscheidung der Deutschen Bahn, eine bestimmte ICE- oder IC-Verbindung von oder nach Münster zu streichen. Auch ein konkreter Fahrplanbeschluss liegt bislang nicht vor. Die Liste beschreibt eine Risikoeinschätzung der Gewerkschaft, keine bestätigte Streichliste.

Trotzdem sollte Münster die Debatte ernst nehmen. Denn der mögliche Schaden wäre hier größer als in Städten, die mehrere große Fernverkehrsknoten direkt vor der Tür haben. Münster ist für viele Menschen im nördlichen NRW der wichtigste Zugang zum Fernverkehr. Eine Ausdünnung würde daher nicht nur Komfort kosten. Sie könnte Reisezeiten verlängern, Umstiege erzwingen und die überregionale Erreichbarkeit der Stadt schwächen.

Damit wird der Italo-Streit auch zu einer Münster-Frage. Es geht nicht allein um Wettbewerb auf der Schiene. Es geht darum, ob Fernverkehr in der Fläche gesichert bleibt, während neue Anbieter vor allem auf den stärksten Hauptachsen fahren. Für Münster wäre entscheidend, dass Wettbewerb nicht am Ende zu weniger Direktverbindungen führt.

Quellen: EVG, Bundesnetzagentur, DB InfraGO, Stadt Münster.

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