
Münster. Der St.-Paulus-Dom war voll, auf dem Domplatz warteten zahlreiche Menschen, und im Mittelpunkt stand ein Amtswechsel mit großer Bedeutung für die katholische Kirche in Münster: Heiner Wilmer ist neuer Bischof von Münster. Am 21. Juni wurde der bisherige Bischof von Hildesheim offiziell in sein neues Amt eingeführt.
Wilmer ist der 77. Bischof von Münster und der 76. Nachfolger des heiligen Liudger, der im Jahr 805 erster Bischof von Münster wurde. Das Bistum Münster ist mit knapp 1,6 Millionen Katholiken die mitgliederstärkste Diözese in Deutschland. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse an der Amtseinführung, zu der Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft nach Münster gekommen waren.
Den Gottesdienst leitete Bischof Heiner Wilmer selbst. Zu den Konzelebranten gehörten unter anderem der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof Hubertus van Megen, der Fuldaer Bischof Michael Gerber, der emeritierte Münsteraner Bischof Felix Genn, die Weihbischöfe des Bistums Münster sowie der bisherige Diözesanadministrator Antonius Hamers.
Auch Vertreter der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester, der Wilmer angehört, wirkten an der Feier mit. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Chöre der Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Alexander Lauer und Domkantorin Verena Schürmann. Domorganist Thomas Schmitz spielte die Orgel, begleitet vom Orchester STRINGent & Freunde.
In seiner Predigt griff Wilmer die Pilgerwege auf, die er in den Tagen vor seiner Amtseinführung mit verschiedenen Gruppen im Bistum gegangen war. Dabei habe der Austausch über persönliche Glaubenserfahrungen im Mittelpunkt gestanden. Die Teilnehmenden hätten über Vertrauen, Enttäuschung, Hoffnung, Zweifel und Brüche gesprochen.
Am Ende dieser Pilgertage seien Sätze geblieben, die Wilmer in seiner Predigt aufgriff: „Seid nicht bange! Seid standhaft! Haltet fest am Glauben!“ Diese Worte verband er mit dem Tagesevangelium, in dem Jesus seine Jünger aussendet. Für Wilmer ging es dabei vor allem um die Frage, was Bekennen heute bedeutet. „Bekennen heißt, mit Gott übereinstimmen – und es sichtbar werden lassen“, sagte der neue Bischof von Münster.
Ein Schwerpunkt der Predigt lag auf drei Frauen aus der Geschichte des Bistums Münster. Wilmer erinnerte an Annette von Droste-Hülshoff, Maria Droste zu Vischering und Schwester Maria Euthymia. Alle drei stellte er als Beispiele für Menschen vor, die aus ihrem Glauben heraus Verantwortung übernommen hätten.
Annette von Droste-Hülshoff habe auf Schuld, Gewalt und Ausgrenzung geschaut und damit auch Themen berührt, die bis heute aktuell seien. Wilmer zog dabei eine Verbindung zu Menschen, die Gewalt und Machtmissbrauch erlebt haben. Maria Droste zu Vischering würdigte er als Ordensfrau, die in Porto mit Mädchen und Frauen arbeitete, die von Armut und Ausgrenzung betroffen waren. Schwester Maria Euthymia stellte er als Beispiel für konkrete Hilfe in schwieriger Zeit dar, weil sie sich im Kriegsgefangenenlager Dinslaken um Hilfsbedürftige kümmerte.
Nach dem Gottesdienst würdigten mehrere Redner den neuen Bischof. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte die Bedeutung der Kirche für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade in Zeiten des Wandels brauche es Orientierung und Brückenbauer zwischen Generationen, sozialen Gruppen, Religionen und Kulturen. Wüst sagte: „Lassen Sie uns gemeinsam Mutmacher sein und den Angstmachern an den politischen Rändern entgegenstehen!“
Für die Deutsche Bischofskonferenz sprach der Fuldaer Bischof Michael Gerber. Er beschrieb Wilmer als einen Bischof, der geistlich, theologisch und kollegial arbeite. Mit Blick auf die neue Aufgabe in Münster sagte Gerber, Wilmer werde für viele Menschen ein „Pilger der Hoffnung“ werden.
Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs hieß Wilmer im Namen der Stadt willkommen. Er verwies auf die gemeinsame Verantwortung von Stadt und Bistum für die Menschen in Münster. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten härter geführt würden, seien Persönlichkeiten wichtig, die zuhören und verbinden.
In seinem Dankwort wandte sich Wilmer auch an seinen Vorgänger Felix Genn, der das Bistum Münster 16 Jahre lang geleitet hatte. Wilmer dankte ihm für sein Wirken und sprach von großem Respekt vor seiner Arbeit. Außerdem dankte er dem bisherigen Diözesanadministrator Antonius Hamers, den Weihbischöfen, dem Domkapitel sowie allen, die die Amtseinführung vorbereitet hatten.
Auch die Mitarbeitenden im Bistum, Ehrenamtliche, Vertreter kirchlicher Gremien, Gäste aus der Ökumene, Vertreter anderer Religionen und internationale Gäste wurden von Wilmer begrüßt. Mehrfach sprach er die Anwesenden in unterschiedlichen Sprachen an. Damit griff er auch die internationale Verbindung des Bistums und seiner bisherigen Stationen auf.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand auf dem Domplatz ein Fest der Begegnung statt. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, den neuen Bischof persönlich zu begrüßen. In den Stimmen der Gäste wurde vor allem die große Beteiligung hervorgehoben. Mehrere Besucher beschrieben den Tag als freundlich, offen und gut besucht.
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