Münster wächst weiter: Stadt erwartet 15.000 zusätzliche Einwohner bis 2035

Entdecken Sie, wie das Münsterland und Münster beim verfügbaren Einkommen in NRW abschneidet und welche Städte besonders hohe Werte erreichen. Münsters Einwohnerzahl erreicht Rekordwert! Die Stadt wächst weiter und zählt Ende 2024 über 322.700 Menschen. Erfahre hier alle Zahlen und Trends.
Foto: KarinKarin

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Münster steht vor einem weiteren Wachstumsschub, doch die neue Bevölkerungsprognose zeigt mehr als nur steigende Einwohnerzahlen. Während die Stadt bis 2035 mit rund 15.000 zusätzlichen Menschen rechnet, verändert sich zugleich die Altersstruktur deutlich. Besonders die Zahl älterer Menschen nimmt stark zu, während mehrere jüngere Altersgruppen kleiner werden. Für die Stadt bedeutet das neue Anforderungen an Pflege, Kitas, Schulen, Verkehr, Wohnungsbau und die Entwicklung einzelner Stadtteile. Grundlage ist die kleinräumige Bevölkerungsprognose, die die Stadt Münster am Mittwoch, 20. Mai, in den Rat eingebracht hat.

Nach der Auswertung soll die wohnberechtigte Bevölkerung von 320.728 Menschen Ende 2025 auf 335.781 Menschen Ende 2035 steigen. Das entspricht einem Zuwachs von 15.053 Personen oder 4,7 Prozent. Rechnerisch würde Münster damit pro Jahr um rund 1.505 Einwohnerinnen und Einwohner wachsen.

Zuzug bleibt der entscheidende Faktor

Der erwartete Bevölkerungszuwachs hängt vor allem mit Wanderungsbewegungen zusammen. Die Stadt geht davon aus, dass weiterhin mehr Menschen nach Münster ziehen als die Stadt verlassen. Dieser positive Wanderungssaldo ist entscheidend, weil die natürliche Bevölkerungsentwicklung inzwischen in die andere Richtung weist. Seit 2022 liegt die Zahl der Sterbefälle in Münster jährlich über der Zahl der Geburten.

Für die Stadtplanung ist diese Entwicklung zentral. Die Prognose dient nicht nur der statistischen Beobachtung, sondern als Grundlage für mittelfristige Entscheidungen. Sie fließt unter anderem in Planungen für Kindertagesbetreuung, Schulentwicklung, Alten- und Pflegehilfe, Sportentwicklung und Verkehr ein. Besonders wichtig ist dabei, dass die Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft. Die Stadt hat die Zahlen für 13 Altersgruppen und 45 Stadtteile ausgewertet.

Münster wird älter

Besonders deutlich fällt das Wachstum bei den älteren Altersgruppen aus. Die Zahl der 65- bis 79-Jährigen soll bis 2035 um 25,4 Prozent steigen. Das entspricht einem Plus von 10.472 Personen. Auch die Gruppe der Menschen ab 80 Jahren wächst laut Prognose deutlich, nämlich um 11,3 Prozent oder 2.157 Personen.

Damit zeigt sich der demografische Wandel in Münster sehr klar. Eine wachsende ältere Bevölkerung bedeutet langfristig steigende Anforderungen an Pflegeangebote, barrierearme Wege, medizinische Versorgung, Nahversorgung und altersgerechte Mobilität. Die Zahlen sind deshalb vor allem für die Alten- und Pflegehilfeplanung von Bedeutung.

Unterschiedliche Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen ergibt sich ein gemischtes Bild. Für die unter Dreijährigen erwartet die Stadt bis 2035 ein Plus von 15,7 Prozent. Das wären 1.130 zusätzliche Kinder. Die Prognose geht davon aus, dass die derzeit niedrigen Geburtenzahlen zunächst stagnieren und sich ab 2028 langsam erholen.

Andere junge Altersgruppen werden dagegen kleiner. Die Zahl der Drei- bis Fünfjährigen soll um 2,7 Prozent sinken. Bei den Grundschulkindern zwischen sechs und neun Jahren rechnet die Stadt sogar mit einem Rückgang um 9,5 Prozent. Auch die Gruppe der Zehn- bis 15-Jährigen soll leicht schrumpfen. Für Kitas und Schulen bedeutet das keine einfache Entlastung, sondern sehr unterschiedliche Entwicklungen je nach Alter und Stadtteil.

Hafen und Gremmendorf-West wachsen besonders stark

Das stärkste Wachstum erwartet die Stadt dort, wo neue Quartiere und größere Wohnbauprojekte geplant oder bereits absehbar sind. Besonders auffällig ist der Hafen. Dort prognostiziert die Stadt ein Plus von 141,2 Prozent, was 1.598 zusätzlichen Personen entspricht. In Gremmendorf-West fällt der absolute Zuwachs noch größer aus. Dort soll die Bevölkerung um 4.243 Personen steigen, ein Plus von 60,2 Prozent.

Insgesamt geht die Stadt in 28 von 45 Stadtteilen von einem Bevölkerungszuwachs aus. Für 17 Stadtteile wird dagegen ein Rückgang erwartet. Besonders deutlich fällt dieser in Gremmendorf-Ost, Hiltrup-West, Kreuz und Hiltrup-Mitte aus. Dort liegen die prognostizierten Verluste jeweils bei mehr als 500 Personen. Als Gründe nennt die Stadt unter anderem fehlende oder geringe Neubautätigkeit sowie demografische Faktoren.

Außenbezirke legen stärker zu als die Mitte

Die Prognose zeigt ein klares räumliches Muster. Die Außenbezirke wachsen deutlich stärker als der Stadtbezirk Mitte. Für die Außenbezirke rechnet die Stadt mit einem Plus von 7,4 Prozent oder 14.101 Personen. Für den Stadtbezirk Mitte liegt der erwartete Zuwachs dagegen nur bei 0,7 Prozent beziehungsweise 951 Personen.

Diese Verschiebung ist für die Infrastrukturplanung wichtig. Wenn vor allem äußere Stadtteile wachsen, müssen dort auch Verkehrsangebote, Schul- und Kitaplätze, soziale Einrichtungen, Sportflächen und Nahversorgung mitgedacht werden. Die Prognose liefert dafür eine Orientierung, ersetzt aber keine politischen Entscheidungen über konkrete Investitionen oder Bauprojekte.

Warum die städtische Prognose höher ausfällt als IT.NRW

Die Zahlen der Stadt unterscheiden sich deutlich von der Bevölkerungsprognose, die IT.NRW im Jahr 2024 veröffentlicht hat. Während Münster selbst für den Zeitraum 2025 bis 2035 ein Wachstum von 4,7 Prozent erwartet, kam IT.NRW für den Zeitraum 2024 bis 2035 auf ein Plus von lediglich 1,7 Prozent.

Ein wesentlicher Grund ist die unterschiedliche Datengrundlage. Die Stadt rechnet mit der wohnberechtigten Bevölkerung. Dazu zählen alle Personen, die im Melderegister mit Erst- oder Zweitwohnsitz eingetragen sind. IT.NRW verwendet dagegen die Ergebnisse des Zensus 2022 als Ausgangswert. Dort werden nur Personen mit Hauptwohnsitz berücksichtigt. Hinzu kommt, dass städtische Meldedaten laufend aktualisiert werden, während Zensusergebnisse zwischen den Erhebungen rechnerisch fortgeschrieben werden.

Prognose bleibt eine Planungsgrundlage

Die Stadt weist darauf hin, dass Bevölkerungsprognosen immer von Annahmen abhängen. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen können Zuzug, Fortzüge, Geburten, Sterbefälle oder Bautätigkeit verändern. Deshalb soll die kleinräumige Bevölkerungsprognose in zwei Jahren fortgeschrieben werden. Der nächste Zielhorizont reicht dann bis 2037.

Münster erwartet bis 2035 rund 15.000 zusätzliche Einwohner. Besonders stark wachsen ältere Altersgruppen und einzelne Außenstadtteile.
Die Grafik zeigt, wie sich 13 Altersgruppen laut der kleinräumigen Bevölkerungsprognose von 2025 bis 2035 entwickeln. ©Stadt Münster

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