
Münster. Kein Ticket mehr ziehen, keine Schranke, kein Kleingeld suchen: Was bislang nur in einzelnen Parkhäusern möglich ist, soll in Münster zum Standard werden. Die Westfälische Bauindustrie (WBI) baut ihr digitales Parksystem weiter aus. Bahnhofstraße und Engelenschanze sind bereits umgestellt, auch am Hafenmarkt arbeitet die WBI mit Kennzeichenerfassung. 2027 sollen drei weitere große Standorte folgen. Damit verändert sich das Parken in der Innenstadt grundlegend: Das Papierticket verschwindet, das Kennzeichen übernimmt dessen Funktion und bezahlt wird bargeldlos. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen allerdings, dass für Diskussionen oft weniger die Kamera sorgt als die Frage, ob Bargeld weiterhin möglich bleibt.
Nach der aktuellen WBI-Planung soll zunächst das Parkhaus Alter Steinweg voraussichtlich im Februar 2027 umgestellt werden. Im April soll das Parkhaus Theater folgen, im Juli der Aegidiimarkt. Bis 2028 soll die Technik nach Angaben des Unternehmens in allen acht klassischen WBI-Parkhäusern eingesetzt werden. Nach Hafenmarkt und Bahnhofstraße wurde zum 1. September 2026 auch die Engelenschanze auf das ticketlose System umgestellt. Das Kennzeichen wird bei der Einfahrt erfasst, ein Papierticket ist nicht mehr nötig, bezahlt wird bargeldlos.
Osnabrück ging schrittweise vor. Die kommunale OPG hatte mehrere Anlagen bereits seit 2024 mit bargeldlosen Automaten ausgestattet, Bargeld aber zunächst weiter akzeptiert. Erst 2026 wurden an mehreren Standorten die verbliebenen Bargeldautomaten entfernt. Zu diesem Zeitpunkt zahlten dort nach Angaben der OPG bereits annähernd 90 Prozent der Kunden bargeldlos. Für Münster wäre eine vergleichbare Zahl interessant. Wie groß der Anteil bargeldloser Zahlungen vor der Umstellung war, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Heidelberg hat sich für einen anderen Weg entschieden. Im Parkhaus Henschel wurde im April 2026 ebenfalls ein ticketloses System mit Kennzeichenerfassung eingeführt, ein Bargeldautomat blieb jedoch erhalten. Die Stadtwerke bezeichnen ihn als Übergangslösung, um unterschiedliche Nutzergruppen beim Wechsel auf das neue System mitzunehmen. Das Beispiel zeigt: Kennzeichenerfassung und Bargeldabschaffung müssen nicht zwingend zusammengehören. Münster setzt bei den modernisierten Anlagen auf die vollständig bargeldlose Variante.
Passau hat mehrere Parkhäuser bereits 2025 auf ein ticket- und schrankenloses System umgestellt. Bezahlt wird per Karte, Smartphone oder online. Wer die Zahlung vor der Ausfahrt vergisst, kann das Parkentgelt noch bis zu 48 Stunden später online begleichen. Erst danach kann ein Verfahren zur Halterermittlung eingeleitet werden. Solche Nachzahlungsoptionen können vor allem dann hilfreich sein, wenn eine Karte nicht funktioniert oder der Bezahlvorgang schlicht vergessen wurde.
Ähnlich funktioniert das System in Biberach. Auch dort wird ohne Schranke und Bargeld geparkt. Kameras erfassen das Kennzeichen, bezahlt wird digital. Bis zu 48 Stunden nach dem Parkvorgang kann die Gebühr noch online beglichen werden. Mit den geplanten Umstellungen in Münster dürfte deshalb auch die Frage wichtiger werden, welche Möglichkeiten es dort bei vergessenen oder gescheiterten Zahlungen gibt.
Mit dem neuen System rückt auch der Datenschutz stärker in den Fokus. Ein Autokennzeichen ist personenbezogen und darf nicht unbegrenzt gespeichert werden. Datenschutzbehörden halten ticket- und schrankenlose Systeme grundsätzlich für zulässig, wenn klare Regeln eingehalten werden. Nutzer müssen über die Erfassung informiert werden, unnötige Aufnahmen sind zu vermeiden und Kennzeichendaten müssen nach Abschluss des Parkvorgangs zeitnah gelöscht werden. Wie konkret das aussehen kann, zeigt Biberach: Dort werden Daten bei bezahlten Parkvorgängen nach Unternehmensangaben 24 Stunden nach der letzten Aufzeichnung gelöscht. Bei offenen Forderungen können sie länger gespeichert bleiben.
Die Digitalisierung senkt zugleich den Aufwand im Betrieb. Bargeld muss eingesammelt, transportiert und abgerechnet werden. Nach Angaben der WBI hat sich der Aufwand durch die bisherigen Umstellungen bereits reduziert. Parallel investiert das Unternehmen weiter in seine Gebäude. Bis 2030 sollen nach WBI-Angaben rund 23,5 Millionen Euro in Instandhaltung, technische Ertüchtigung und Modernisierung fließen. An der Engelenschanze werden etwa Sensoren eingesetzt, die Feuchtigkeit im Beton überwachen.
Bislang betrifft die neue Technik nur einen Teil der WBI-Parkhäuser. Das dürfte sich 2027 ändern. Mit Alter Steinweg, Theater und Aegidiimarkt kommen drei stark frequentierte Anlagen hinzu. Andere Städte zeigen dabei unterschiedliche Wege: Osnabrück schaffte Bargeld erst ab, nachdem es kaum noch genutzt wurde. Heidelberg hält einen Bargeldautomaten vor, Passau und Biberach setzen auf eine 48-Stunden-Nachzahlung. Münster setzt dagegen auf die vollständig bargeldlose Lösung. Spätestens mit den nächsten Umbauten wird sich zeigen, wie gut dieses Modell auch im Alltag funktioniert, wenn einmal nicht alles nach Plan läuft.
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