Munition im Boden macht Baumfällungen am Alten Pulverschuppen nötig

Die Stadt Münster plant eine neue Zentrale Flüchtlingsunterkunft mit 500 Plätzen am Pulverschuppen – Baubeginn ist für 2026 vorgesehen.
Foto: Stadt Münster

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Münster. Für den Bau der neuen Zentralen Unterbringungseinrichtung für Geflüchtete an der Warendorfer Straße werden in dieser Woche drei Bäume gefällt. Die Arbeiten erfolgen auf dem Gelände des Alten Pulverschuppens. Dort sollen die Vorbereitungen für den späteren Aushub des Bodens weitergehen.

Der Grund für die kurzfristigen Fällungen liegt unter der Erde. Auf dem Gelände befindet sich nach Angaben der Stadt Münster noch Kleinmunition im Boden. Sie muss fachgerecht beseitigt werden, bevor weitere Arbeiten beginnen können. Dafür ist ein Aushub notwendig. Damit dieser durchgeführt werden kann, müssen die drei betroffenen Bäume entfernt werden.

Nach derzeitigem Stand sind für die Kampfmittelbeseitigung keine Evakuierung der Umgebung und keine Straßensperrungen erforderlich. Die Stadt verweist darauf, dass die Maßnahme vorbereitet und begleitet werde.

Gelände wurde früher militärisch genutzt

Das Areal des Alten Pulverschuppens hat eine besondere Vorgeschichte. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Gelände zur Munitionsproduktion und zur Lagerung genutzt. Diese frühere Nutzung erklärt, warum im Untergrund noch Reste von Kleinmunition liegen können.

Damit rückt ein Punkt erneut in den Mittelpunkt, der bei den Planungen für die neue ZUE bereits zuvor eine Rolle spielte. Die Bodenverhältnisse am Alten Pulverschuppen waren schon früher Thema politischer Nachfragen und öffentlicher Diskussionen. Dabei ging es unter anderem um mögliche Belastungen im Untergrund, die Vorbereitung des Geländes und die Frage, welche Folgen diese Altlasten für Zeitplan und Kosten des Projekts haben könnten.

Die aktuelle Mitteilung der Stadt zeigt nun, dass die frühere militärische Nutzung nicht nur eine planerische Randnotiz ist. Sie hat konkrete Folgen für die laufenden Vorbereitungen auf dem Gelände.

Fällungen erfolgen während der Schonzeit

Besonders sensibel ist die Maßnahme, weil die Bäume während der naturschutzrechtlichen Schonzeit gefällt werden. Diese Zeit dient dem Schutz von brütenden Vögeln und anderen Tieren. Nach Angaben der Stadt wurden deshalb alle erforderlichen Vorprüfungen durchgeführt.

Die Fällarbeiten sollen engmaschig begleitet werden. Damit will die Stadt sicherstellen, dass die Maßnahme trotz des Zeitpunkts naturschutzrechtlich abgesichert ist. Für die drei entfernten Bäume sind Ersatzpflanzungen vorgesehen. Diese sollen nach der städtischen Baumschutzsatzung erfolgen.

Neue ZUE soll bis zu 500 Geflüchtete aufnehmen

Am Alten Pulverschuppen entsteht die neue Zentrale Unterbringungseinrichtung für Geflüchtete. Sie soll die bisherige ZUE auf dem Gelände der ehemaligen York-Kaserne ersetzen. Die Einrichtung wird von der Bezirksregierung Münster im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen betrieben.

Geplant ist eine Unterkunft für bis zu 500 Geflüchtete. Sie sollen dort vorübergehend untergebracht werden, bis ihre Asylverfahren abgeschlossen sind oder sie einer Kommune zugewiesen werden. Der Neubau ist Teil eines größeren Vorhabens auf dem ehemaligen Kasernengelände nördlich der Warendorfer Straße.

Nach den bisherigen Planungen umfasst die neue Anlage mehrere Gebäude. Ein Teil der vorhandenen Gebäude soll saniert und weiter genutzt werden. Zusätzlich sind Neubauten vorgesehen, darunter Wohngebäude, Sanitärbereiche und ein Versorgungsgebäude.

Politischer Streit um Kosten und Standort begleitet das Projekt

Der ZUE-Neubau am Alten Pulverschuppen wird seit längerer Zeit politisch diskutiert. Die CDU hatte im Zusammenhang mit dem Projekt wiederholt die Kostenfrage aufgeworfen und die Verlagerung der Einrichtung kritisch bewertet. Auch die besonderen Bedingungen des Geländes standen dabei im Raum.

Die Stadt hatte den Neubau im Mai 2025 politisch auf den Weg gebracht. Die Kosten wurden damals mit rund 37,9 Millionen Euro angegeben. Der Baustart war für Anfang 2026 vorgesehen, die Fertigstellung für Ende 2027. Ob und in welchem Umfang die nun anstehenden Kampfmittelarbeiten Auswirkungen auf Zeitplan oder Kosten haben, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht hervor.

Klar ist: Die neue Nachricht gibt dem Thema zusätzlichen Nachrichtenwert. Denn die Fällung von drei Bäumen ist nicht nur eine vorbereitende Baumaßnahme. Sie verweist zugleich auf das zentrale Problem des Standorts: Auf dem ehemaligen Militärgelände müssen vor dem eigentlichen Bau zunächst Altlasten aus dem Untergrund entfernt werden.

Keine Evakuierung und keine Straßensperrungen geplant

Für Anwohnerinnen und Anwohner im Umfeld der Warendorfer Straße ist vor allem relevant, dass die Stadt aktuell nicht von größeren Einschränkungen ausgeht. Weder eine Evakuierung noch Straßensperrungen seien nach derzeitigem Stand für die Kampfmittelbeseitigung notwendig.

Die Arbeiten bleiben dennoch ein weiterer Schritt in einem komplexen Bauvorhaben. Bevor auf dem Gelände die neue ZUE entstehen kann, müssen die Altlasten beseitigt, der Boden vorbereitet und die Voraussetzungen für den eigentlichen Hochbau geschaffen werden.

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