
Münster. Im Allwetterzoo Münster gibt es einen außergewöhnlichen Bruterfolg bei den Weißstörchen. Bei der aktuellen Zählung wurden 54 Horstpaare und 114 Jungvögel erfasst. So viele junge Störche gab es dort noch nie. In den kommenden Tagen beginnen die Jungvögel mit ihren ersten Flugübungen.
Die Weißstörche gehören nicht zu den offiziellen Zootieren des Allwetterzoos. Sie leben wild, nutzen das Gelände aber seit vielen Jahren als Brutplatz. Das erste freifliegende Storchenpaar siedelte sich 1996 im Zoo an. „Das erste freifliegende Paar hat sich 1996, also vor genau 30 Jahren, im Allwetterzoo angesiedelt. Mittlerweile sind es bedeutend mehr“, sagt Janine Wendels, Kuratorin im Allwetterzoo Münster.
Seitdem ist die Storchenkolonie deutlich gewachsen. 2026 wurde mit 54 Horstpaaren und 114 Jungvögeln ein neuer Höchststand erreicht.
Ein besonderer Fall wurde in einem Nest nahe der Afrika-Anlage beobachtet. Dort sitzen drei junge Störche. Ihr Vater ist ein außergewöhnlich alter Weißstorch. Nach Angaben der Vogelwarte wurde er bereits vor 30 Jahren in Nordbaden beringt. Seit 25 Jahren besetzt der Storch dasselbe Nest auf dem Gelände des Allwetterzoos.
Michael Tillmann, Experte für Weißstörche und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch NRW, spricht von einer großen Seltenheit. „Sein Alter ist vergleichbar mit einem 100 Jahre alten Menschen und eine absolute Seltenheit“, sagt Tillmann.
Die Störche im Allwetterzoo Münster werden seit 2015 nicht mehr zugefüttert. Damals gab es Sorgen, dass sich diese Entscheidung negativ auf die Population auswirken könnte. Das Gegenteil ist eingetreten. Nach Angaben von Michael Tillmann ist die Storchenkolonie seitdem Jahr für Jahr größer geworden. Heute gehört sie zu den größten Kolonien in Nordrhein-Westfalen.
Ein Grund dafür ist das veränderte Zugverhalten der Weißstörche. Viele Tiere fliegen im Winter nicht mehr bis nach Westafrika, sondern nur noch bis zur iberischen Halbinsel. Der kürzere Weg erhöht die Überlebenschancen.
Rund um den Allwetterzoo finden die Weißstörche ausreichend Nahrung. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Umgebung bieten gute Voraussetzungen. Besonders in diesem Jahr war das Nahrungsangebot offenbar günstig. Laut Tillmann gab es 2026 viele Mäuse. Solche Jahre gelten häufig als besonders gute Storchenjahre.
Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Jungvögel im Allwetterzoo Münster so erfolgreich großgezogen wurden.
Die Zählung der Weißstörche und die Kontrolle des Bruterfolgs sind arbeitsintensiv. Michael Tillmann war in den vergangenen Monaten regelmäßig im Allwetterzoo unterwegs, teilweise sogar zweimal pro Woche. Unterstützt wurde er von der Biologiestudentin Emely Hirschmann. Sie hatte zuvor ein freiwilliges ökologisches Jahr auf dem Storchenhof Loburg bei Magdeburg absolviert und brachte entsprechende Erfahrung mit.
Mit dem Herbstzug werden sich die jungen und älteren Störche gemeinsam auf den Weg in wärmere Regionen machen. Im kommenden Jahr könnten noch mehr Weißstörche zum Allwetterzoo Münster zurückkehren.
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