
Übergewicht betrifft in Nordrhein-Westfalen längst nicht mehr nur einzelne Risikogruppen, sondern einen großen Teil der erwachsenen Bevölkerung. Neue Zahlen zeigen, dass 2025 bereits mehr als jeder zweite Erwachsene im Land übergewichtig war. Besonders auffällig ist dabei nicht nur die hohe Verbreitung insgesamt, sondern auch die Entwicklung bei den schweren Fällen: In den Krankenhäusern ist die Zahl der stationären Behandlungen wegen Adipositas innerhalb von zehn Jahren massiv gestiegen. Damit wird immer deutlicher, dass hinter der Statistik nicht nur ein verbreitetes Gesundheitsproblem steht, sondern auch eine wachsende Belastung für das Versorgungssystem.
Übergewicht ist in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet. Nach ersten Ergebnissen des Mikrozensus waren 2025 rund 54,9 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren übergewichtig. Davon galten 35,6 Prozent als präadipös, 19,2 Prozent als adipös. Maßstab ist der Body-Mass-Index, kurz BMI: Ab 25 gilt ein Erwachsener als übergewichtig, ab 30 als adipös.
Damit liegt NRW leicht über dem zuletzt bekannten Bundesniveau. Die Zahlen zeigen vor allem, dass Übergewicht längst kein Randphänomen mehr ist, sondern breite Teile der Bevölkerung betrifft.
Am stärksten betroffen waren 2025 die 45- bis 64-Jährigen. In dieser Altersgruppe waren 61,4 Prozent übergewichtig. 38,1 Prozent galten als präadipös, 23,3 Prozent als adipös. Deutlich niedriger fiel der Anteil bei den 18- bis 29-Jährigen aus. Dort waren 35,9 Prozent übergewichtig, davon 24,6 Prozent präadipös und 11,3 Prozent adipös.
Der Unterschied zeigt, dass Übergewicht mit zunehmendem Alter deutlich häufiger wird und sich gesundheitliche Risiken oft über Jahre aufbauen.
Wie stark sich die Entwicklung zuspitzt, zeigt der Blick in die Krankenhäuser. 2024 wurden in NRW 11.065 Menschen wegen Adipositas vollstationär behandelt. Das waren 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als zweieinhalbmal so viele Fälle wie 2014.
Die Krankenhauszahlen stehen nicht für alle Betroffenen in NRW. Sie zeigen aber, dass Adipositas immer häufiger so schwerwiegend wird, dass eine stationäre Behandlung nötig ist.
Mehr als 70 Prozent der stationären Behandlungsfälle entfielen 2024 auf Frauen. Der aktuelle Anstieg kam sogar ausschließlich aus dieser Gruppe: Während die Zahl bei Männern leicht um 0,3 Prozent sank, stieg sie bei Frauen um 3,8 Prozent. Die meisten stationär behandelten Patientinnen und Patienten waren zwischen 30 und 59 Jahre alt. Minderjährige machten nur 1,7 Prozent der Fälle aus.
Auch in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen wurden 2024 mehr Menschen mit Adipositas behandelt. Dort lag die Zahl bei 3.145 Fällen und damit 5,4 Prozent höher als 2023. Auffällig ist: In der Reha war der Anteil Minderjähriger mit 22,3 Prozent deutlich höher als im Krankenhaus.
Der Body-Mass-Index ist seit Jahren die gebräuchlichste Kennzahl, wenn Übergewicht und Adipositas statistisch erfasst werden. Gerade für große Studien und Bevölkerungsvergleiche ist das Verfahren praktisch, weil sich der Wert schnell berechnen lässt und international einheitliche Grenzwerte existieren. Genau darin liegt sein Vorteil, aber auch seine Schwäche. Der BMI setzt lediglich Körpergewicht und Körpergröße ins Verhältnis und sagt damit noch nichts darüber aus, wie sich der Körper tatsächlich zusammensetzt.
Kritiker weisen seit Langem darauf hin, dass der BMI weder den Anteil von Fett- und Muskelmasse noch die Verteilung des Körperfetts berücksichtigt. Ein trainierter Mensch mit viel Muskulatur kann dadurch denselben BMI haben wie jemand mit deutlich höherem Fettanteil, obwohl das gesundheitliche Risiko sehr unterschiedlich sein kann. Hinzu kommt, dass gerade das Bauchfett als medizinisch besonders problematisch gilt, im BMI aber gar nicht gesondert erfasst wird. Auch Alter, Geschlecht und individuelle körperliche Voraussetzungen spielen in der einfachen Formel keine direkte Rolle.
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