
Greven. Die Schulentwicklung in Greven könnte in den kommenden Jahren eine deutliche Richtungsänderung nehmen. Nach Jahren steigender Schülerzahlen erwartet der Entwurf der Schulentwicklungsplanung 2026 bis 2031/32 vor allem im Grundschulbereich sinkende Zahlen. Besonders im Bereich rechts der Ems sieht die Prognose langfristig mehr Plätze, als voraussichtlich gebraucht werden. Für die Stadt geht es damit nicht mehr nur um Erweiterungen und kurzfristige Kapazitäten, sondern auch um die Frage, welche Schulstandorte künftig in welcher Zügigkeit geplant werden sollen.
Der Entwurf beschreibt einen klaren demografischen Bruch. Während zuletzt noch starke Jahrgänge durch die Grundschulen liefen, sind die Geburtenzahlen deutlich zurückgegangen. Für die Grundschulen bedeutet das nach der Prognose: Nach einem Anstieg der Schülerzahlen um 13,1 Prozent zwischen den Schuljahren 2020/21 und 2025/26 wird nun mit einem Rückgang um 15,8 Prozent gerechnet. In den kommenden drei Jahren sollen die Einschulungen zwar noch oberhalb von 400 Kindern liegen. Ab 2029/30 werden im Mittel aber nur noch rund 350 Einschulungen erwartet.
Diese Entwicklung ist für die Stadtplanung wichtig, weil Schulplätze langfristig organisiert werden müssen. Neubaugebiete und ein Generationenwechsel in bestehenden Wohngebieten können den Rückgang teilweise abfedern. Der Entwurf geht davon aus, dass sich die Einschulungszahlen ab 2035 wieder in Richtung von rund 380 Kindern erholen könnten. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass geplante Wohneinheiten tatsächlich entstehen und zusätzliche Zuzüge erfolgen.
Besonders deutlich wird die Veränderung bei den Grundschulen rechts der Ems. Dort rechnet die Planung perspektivisch nur noch mit 200 bis 230 Einschulungen. Gleichzeitig bestehen nach den derzeitigen Zügigkeiten rechnerisch 285 Plätze. Daraus ergibt sich laut Entwurf eine Überkapazität von zwei bis drei Zügen.
Für die einzelnen Standorte bedeutet das unterschiedliche Perspektiven. Die St.-Marien-Grundschule würde nach der Prognose perspektivisch vierzügig arbeiten. Die St.-Martini-Grundschule würde auf drei Züge kommen, die Martin-Luther-Grundschule auf zwei Züge. Diese Einschätzung ist noch keine politische Entscheidung. Sie zeigt aber, dass künftige Investitionen, Raumfragen und Standortentscheidungen stärker an der langfristigen Entwicklung gemessen werden dürften.
Anders stellt sich die Lage bei den weiterführenden Schulen dar. Dort erwartet die Planung zunächst noch einzelne starke Übergangsjahre. Bis 2033/34 können zeitweise 400 bis 430 Kinder von den Grundschulen auf weiterführende Schulen wechseln. Für 2027/28 und 2028/29 werden sogar Spitzen von bis zu 450 Übergängen genannt.
Trotzdem sieht der Entwurf die langfristigen Kapazitäten grundsätzlich als ausreichend an. Die bestehenden Zügigkeiten sollen demnach beibehalten werden können: vier Züge an der Anne-Frank-Realschule, fünf Züge am Gymnasium Augustinianum und fünf Züge an der Nelson-Mandela-Gesamtschule. Falls es in einzelnen Jahren Anmeldeüberhänge gibt, müsste die Stadt nach Vorliegen der Anmeldungen reagieren.
Bei der Planung der Grundschulen spielen auch die rechtlichen Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen eine Rolle. Die Verordnung zur Klassenbildung legt fest, wie viele Eingangsklassen je nach Zahl der angemeldeten Kinder gebildet werden können. Bis 29 Kinder ist eine Eingangsklasse vorgesehen. Bei 30 bis 56 Kindern sind zwei Klassen möglich, bei 57 bis 81 Kindern drei Klassen und bei 82 bis 104 Kindern vier Klassen.
Für Greven ist diese Regelung deshalb relevant, weil sinkende Einschulungszahlen nicht nur abstrakte Prognosewerte sind. Sie wirken sich darauf aus, ob Schulen künftig drei-, vier- oder fünfzügig geplant werden können. Die Schulentwicklungsplanung verbindet deshalb demografische Daten, Wohnbauentwicklung, Elternwahlverhalten und Schulrecht.
Die Erich-Kästner-Grundschule wird im Entwurf als ausreichend aufgestellt beschrieben. Nach den abgeschlossenen Baumaßnahmen sieht die Planung dort keinen weiteren Handlungsbedarf über die üblichen Instandhaltungen hinaus. Auch die St.-Josef-Grundschule soll stabil dreizügig bleiben. Durch geplante neue Wohneinheiten könnten die Einschulungszahlen dort gestützt werden. Nach Umsetzung der aktuellen An- und Umbauplanung sieht der Entwurf keinen weiteren räumlichen Bedarf.
Bei den weiterführenden Schulen wird die Anne-Frank-Realschule als räumlich engster Standort beschrieben, aber grundsätzlich als ausreichend aufgestellt. Für Mehrklassen wären dort eher temporäre Lösungen nötig. Das Gymnasium Augustinianum steht wegen des Ersatzneubaus West I vor vorübergehenden Herausforderungen, soll nach Abschluss der Maßnahmen aber gut aufgestellt sein. Die Nelson-Mandela-Gesamtschule wird räumlich als gut ausgestattet bewertet.
Der Entwurf macht deutlich, dass Greven nicht vor einer einfachen Überlastungsdebatte steht. Die kommenden Jahre bringen zwar noch hohe Übergangszahlen und einzelne Engpässe können möglich bleiben. Gleichzeitig zeigen die Geburtenzahlen im Grundschulbereich nach unten. Für die Stadt ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe: Sie muss kurzfristig genügend Plätze sichern und zugleich verhindern, dass langfristig zu viele Kapazitäten aufgebaut werden.
Besonders rechts der Ems dürfte die Schulentwicklung Greven deshalb politisch relevant werden. Dort spricht die Prognose von einem deutlichen Überhang. Die Planung empfiehlt, die künftige Ausrichtung der Zügigkeiten zeitnah zu klären. Ziel bleibt dabei, allen Grevener Kindern ein ausreichendes und passendes Schulangebot zu sichern.
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