
Die Schussenrieder Brauerei Ott aus Bad Schussenried im Landkreis Biberach hat beim Amtsgericht Ravensburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen beantragt. Das Gericht ordnete mit Beschluss vom 12. Juni 2026 zunächst Sicherungsmaßnahmen an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Ravensburger Rechtsanwalt Dr. Matthäus Rösch bestellt.
Der Betrieb soll nach bisherigem Stand weiterlaufen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters wird das Unternehmen derzeit uneingeschränkt fortgeführt. Ziel des Verfahrens ist es, die Brauerei und die Arbeitsplätze möglichst dauerhaft zu erhalten. Auch eine Lösung mit einem Investor ist nach den bisher bekannten Angaben möglich.
Mit den gerichtlichen Sicherungsmaßnahmen soll verhindert werden, dass sich die Vermögenslage der Brauerei bis zur Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiter verschlechtert. Rösch überwacht nun die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, sichert vorhandenes Vermögen und prüft, ob die finanziellen Voraussetzungen für ein Insolvenzverfahren vorliegen.
Zugleich soll geprüft werden, ob ein gesetzlicher Insolvenzgrund besteht und welche Chancen eine Fortführung des Geschäftsbetriebs hat. Ob das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet wird, entscheidet das Insolvenzgericht nach Abschluss dieser Prüfungen. Konkrete Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage der Schussenrieder Brauerei Ott wurden bislang nicht abschließend benannt.
Die Schussenrieder Brauerei Ott gehört zu den traditionsreichen Brauereien in Oberschwaben. Das Unternehmen wurde nach eigenen Angaben erstmals 1852 urkundlich erwähnt und befindet sich seit 1906 im Besitz der Brauerfamilie Ott. Heute wird die Brauerei in vierter Generation geführt.
Nach Unternehmensangaben beschäftigt der Betrieb rund 40 Festangestellte. Pro Jahr werden etwa 60.000 Hektoliter Bier produziert. Das entspricht rund sechs Millionen Litern. Hinzu kommen etwa 30.000 Hektoliter alkoholfreie Getränke. Die Absatzregionen liegen vor allem in Oberschwaben, am Bodensee, im Allgäu, auf der Schwäbischen Alb sowie in Ulm und im Großraum Stuttgart.
Für Belegschaft und Kunden ist entscheidend, dass die Brauerei zunächst weitergeführt wird. Die Insolvenz bedeutet damit nicht automatisch das Ende des Unternehmens. In dieser frühen Phase geht es vor allem darum, die wirtschaftliche Lage zu prüfen, Vermögen zu sichern und mögliche Wege für eine Sanierung auszuloten.
Der Fall bleibt dennoch offen. Belastbar ist derzeit, dass der Betrieb unter Aufsicht des vorläufigen Insolvenzverwalters weiterläuft. Nicht belastbar wäre dagegen jede Aussage, dass die Brauerei bereits gerettet sei oder dass eine Schließung feststehe. Beides ist nach dem bisherigen Stand nicht belegt.
Die Insolvenz fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Brauwirtschaft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Bierabsatz deutscher Brauereien und Bierlager im Jahr 2025 um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Bierabsatz unter acht Milliarden Liter.
Die amtliche Statistik umfasst dabei alkoholfreie Biere und Malztrunk nicht. Gerade alkoholfreie Sorten gelten in der Branche als wachsendes Segment. Für viele klassische Brauereien bleibt der Rückgang beim alkoholhaltigen Bier dennoch ein erhebliches Problem. Hinzu kommen gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie, Personal, Verpackung und Logistik sowie eine anhaltende Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher.
Mittelständische und regionale Brauereien stehen häufig zwischen mehreren Belastungen. Sie müssen in energieintensive Produktion investieren, können höhere Kosten aber nicht immer vollständig an Handel und Gastronomie weitergeben. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten. Viele Menschen trinken weniger Alkohol oder greifen häufiger zu alkoholfreien Alternativen.
Für die Schussenrieder Brauerei Ott kommt es nun darauf an, ob sich im Verfahren ein tragfähiges Konzept für die Fortführung findet. Der Fall zeigt damit nicht nur die Lage eines einzelnen Familienunternehmens, sondern auch den strukturellen Druck auf eine Branche, die in Deutschland lange von regionaler Vielfalt geprägt war.
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