Industriejobs im Münsterland schwinden: IHK warnt vor Wohlstandsverlust

Industriejobs im Münsterland gehen zurück. Die IHK Nord Westfalen warnt vor Folgen für Arbeitsmarkt und Wohlstand.
Foto: Anamul Rezwan

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Münsterland/Emscher-Lippe-Region. Der Stellenabbau in der Industrie im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region wird für die IHK Nord Westfalen zunehmend zum Warnsignal. Teure Energie, wirtschaftliche Unsicherheiten und gestörte Lieferketten setzen den Betrieben seit Jahren zu. Diese Belastungen zeigen sich inzwischen immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt. Nach einer Auswertung von Zahlen der Agentur für Arbeit sank die Zahl der Industriebeschäftigten im Bezirk der IHK Nord Westfalen von 2022 bis 2025 um fast fünf Prozent. Zuletzt lag sie bei weniger als 179.000 Beschäftigten.

Auch das Münsterland, das sich lange vergleichsweise robust gezeigt hatte, ist inzwischen deutlich betroffen. Dort ging die Zahl der Industriearbeitsplätze um fast vier Prozent auf rund 140.000 zurück. In der Emscher-Lippe-Region fiel der Rückgang mit fast sieben Prozent auf etwa 39.000 Jobs noch stärker aus.

Industrie bleibt im ländlichen Münsterland besonders wichtig

Die aktuellen Zahlen zeigen, wie stark vor allem ländliche Kommunen im Münsterland von der Industrie geprägt sind. Den höchsten Anteil an Industriearbeitsplätzen hat Sassenberg. Dort liegen 60,8 Prozent aller Arbeitsplätze in der Industrie. Dahinter folgen Vreden mit 53,5 Prozent, Südlohn mit 52,4 Prozent, Beelen mit 48,8 Prozent und Rosendahl mit 47,6 Prozent.

Deutlich niedriger ist der Industrieanteil in größeren Städten und weniger industriell geprägten Kommunen. In Münster liegt der Anteil der Industriejobs bei 6,8 Prozent. Auch in Tecklenburg und Herten mit jeweils 6,1 Prozent, in Recklinghausen mit 5,7 Prozent und in Havixbeck mit 4,5 Prozent spielt die Industrie anteilig eine kleinere Rolle.

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IHK sieht Gefahr für Arbeitsmarkt und Wohlstand

Steffen von Glahn, Vorsitzender des Industrieausschusses der IHK Nord Westfalen und Geschäftsführer von Crespel & Deiters in Ibbenbüren, bewertet die Entwicklung als alarmierend. Aus seiner Sicht geht es nicht allein um einzelne Betriebe, sondern um die wirtschaftliche Stabilität ganzer Regionen. „Die Industrie ist hoch produktiv und bietet gut bezahlte Arbeitsplätze. Gehen sie verloren, gefährdet das unseren Wohlstand insgesamt“, warnt von Glahn.

Die IHK verweist darauf, dass Industriebetriebe oft weit über den eigenen Betrieb hinauswirken. An ihnen hängen Zulieferer, Dienstleister, Logistikunternehmen, Handwerksbetriebe und viele weitere Arbeitsplätze. Besonders mittelständische Familienunternehmen seien in vielen Kommunen ein zentraler Faktor für einen stabilen Arbeitsmarkt.

Kreis Warendorf hat höchsten Industrieanteil

Der Kreis Warendorf bleibt im IHK-Bezirk der Kreis mit dem höchsten Anteil an Industriearbeitsplätzen. Allerdings ist auch dort der Trend rückläufig. Zwischen 2018 und 2025 sank der Anteil der Industriejobs von 34 auf 30 Prozent. Besonders deutliche Verluste gab es in Beckum, Ahlen, Sassenberg und Ennigerloh. Insgesamt wurden im Kreis Warendorf 2025 noch 30.524 Industriearbeitsplätze gezählt. Das waren 1.822 weniger als drei Jahre zuvor.

In absoluten Zahlen liegt der Kreis Borken vorn. Dort gab es 2025 insgesamt 42.347 Industriearbeitsplätze. Der Rückgang seit 2022 beträgt 2.224 Stellen. Besonders betroffen waren Bocholt, Stadtlohn und Ahaus. In Heek entstanden dagegen neue Stellen.

Stellenabbau trifft auch Steinfurt und Recklinghausen

Auch der Kreis Steinfurt verzeichnet deutliche Verluste. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Ibbenbüren. Dort wurden zwischen 2022 und 2025 rund 26 Prozent der Industriearbeitsplätze abgebaut. Auch Emsdetten, Hörstel und Altenberge verloren Stellen. Positive Entwicklungen gab es dagegen in Rheine und Lotte.

Im Kreis Recklinghausen fiel der Rückgang ebenfalls spürbar aus. Besonders stark betroffen war Herten. Dort sank die Zahl der Industriearbeitsplätze um 28,1 Prozent auf 1.131 Stellen. Das war der höchste prozentuale Rückgang im gesamten IHK-Bezirk. Auch Marl, Gladbeck und Datteln verloren zahlreiche Industriejobs. Insgesamt wurden im Kreis Recklinghausen 2025 noch 26.787 Industriearbeitsplätze gezählt.

Münster legt leicht zu, Gelsenkirchen und Bottrop verlieren

Eine Ausnahme in der Region ist Münster. In der Stadt stieg die Zahl der Industriearbeitsplätze zwischen 2022 und 2025 leicht um 139 Stellen auf 13.250. Das entspricht einem Plus von 1,1 Prozent. Dennoch bleibt die Industrie in Münster im Vergleich zu vielen Kommunen des Münsterlands ein kleinerer Wirtschaftsbereich. Der Anteil der Industriejobs liegt bei 6,8 Prozent.

Anders ist die Entwicklung in Gelsenkirchen und Bottrop. Gelsenkirchen verlor zwischen 2022 und 2025 642 Industriearbeitsplätze. Insgesamt wurden dort zuletzt 8.947 Stellen in der Industrie gezählt. Seit 2007 gingen rund 5.500 Industriejobs verloren. In Bottrop sank die Zahl der Industriearbeitsplätze seit 2022 um 453 auf 3.253 Stellen. Auch dort zeigt der langfristige Trend deutlich nach unten.

IHK erwartet keine schnelle Erholung

Eine schnelle Entspannung erwartet die IHK Nord Westfalen nicht. Zwar habe sich die Industriekonjunktur in Nord-Westfalen zuletzt zumindest nicht weiter verschlechtert. Die Beschäftigungsaussichten bleiben aber angespannt. Laut aktueller IHK-Konjunkturumfrage planen nur etwas mehr als zehn Prozent der Industriebetriebe, neue Mitarbeiter einzustellen. Mehr als 26 Prozent rechnen dagegen mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.

Von Glahn warnt deshalb vor einer Entwicklung, deren Folgen über die offiziellen Beschäftigtenzahlen hinausgehen könnten. „Die Folgen einer Deindustrialisierung sind damit noch deutlicher als es die Zahlen suggerieren. Jeder Industriebetrieb ist Knotenpunkt für viele weitere Betriebe.“

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