Suche
Close this search box.
Provinzial Logo

„Ballett gehört zu Münster“

Die Ballettgala in Münster war ein hochkarätiger Abend voller Kunst und Eleganz, den man in dieser Form selten in Münster erlebt.
Foto: Nicole Noak

Teilen:

Zum 9. Mal fand am 20. Juni 2024 die „Internationale Ballettgala balletto and friends“ im Großen Haus des Theaters Münster statt. Gastgeber waren auch diesmal die Künstlerischen Leiter, Initiatoren und Begründer der Ballettgala: Das Ehepaar Tanya und Julio Acevedo. Beide waren noch vor ein paar Jahren selbst Stars der Ballettszene. Sie die Primaballerina aus Kapstadt; er der passionierte Erste Solotänzer aus Santiago; beide tanzten unter anderem für die Berliner „Staatsoper Unter den Linden“. Heute leben sie in Münster.

Wichtigste Botschaft der Internationalen Ballettgala Münster: Ballett soll in Münster fest verankert werden

Wie es sich für eine Gala mit künstlerischem Anspruch gehört, begannen die beiden Gastgeber den Abend mit einer kleinen, aber euphorischen Rede. „Ballett gehört zu Münster“, sagt Julio Acevedo voller Überzeugung und hier wird auch die wichtigste Ziel des Abends deutlich: Die Welt des Balletts in Münster zu etablieren.

Lokale Relevanz durch Lisa Pavlov und „Balletto Dance Company”

Für den Lokalbezug sorgten die in Steinfurt geborene Lisa Pavlov und die „Balletto Dance Company“. Letztere ist das Herzensprojekt des Gastgeberehepaars zur Förderung des Ballettnachwuchses in Münster. Die Gruppe tanzte zum einen eine mitreißende Choreographie von Gastgeber Acevedo zu Aretha Franklin’s Song „Think“ und in der zweiten Hälfte einen tollen, synchron umgesetzten Tango zu einem Stück aus „Las callesitas der buenos aires“ (auch von Acevedo).

Die Primaballerina Lisa Pavlov kann bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken, sieht jedoch nicht viel älter aus als 18. Umso überraschter war man dann als Zuschauer, als sie erzählte, dass sie bereits zwei Kinder hat. Zusammen mit Michael Belilov aus Varna (Bulgarien) durfte sie den Ballettabend beginnen. Sie tanzten elegant zu dem klassischen Stück „Raymonda“ und später noch die modernen und sehr emotional interpretierten Choreographien „The Shades of You“ (choreographiert von Belilov selbst) und „Rain in Your Dark Eyes“ von Raimondo Rebeck. Pavlov und Belilov sind momentan Mitglieder der „Berlin Ballet Company“.

Die Stars der Ballettgala Münster: Iana Salenko und Marian Walter

Die größten Berühmtheiten des Abend waren zweifelsohne die Primaballerina Iana Salenko (gebürtig aus Kiew) und der Erste Solist Marian Walter aus Thüringen. Beide haben viele Preise gewonnen, wurden zu „Berliner Kammertänzern“ ernannt und zählen international zu den besten Balletttänzern der Welt. Ihre Darbietung des Pas de Deux „Black Swan“ aus Schwanensee an dem Abend war klassisches Ballett in Perfektion. Mit „Not Any More“ (ebenfalls choreographiert von Rebeck) konnten sie zudem zeigen, dass sie auch in modernen Choreographien das Zeug dazu haben, mit tänzerischem, schauspielerischem und akrobatischem Können das Publikum zu begeistern.

Akrobatik und Dynamik zeigten Bianca Teixeira und Solomon Osazuwa

Das erste Solo namens „Morphology“ tanzte Bianca Teixeira aus Saõ Paulo zu einer Choreographie von Rafael Vedra. Teixeira ist momentan Demi-Solistin beim „Bayrischen Staatsballett München“. Ihr Können so richtig unter Beweis stellen konnte sie dann vor allem in dem letzten Stück des Abends „Diana und Actaeon“. Hier geht es um den Mythos der Göttin Diane und des Jägers Actaeon; diesen erweckte sie zusammen mit dem unglaublich akrobatischen Tänzer Solomon Osazuwa aus Österreich auf beeindruckend lebhafte Weise zum Leben.

Auch Osazuwa tanzte ein Solo: In „Leichtes Blut“ von Renato Zanella zeigte Osazuwa eine sehr körperliche und akrobatisch beeindruckende Leistung.

Für Highlights der Ballettgala Münster sorgten die ‚Underdogs‘ Daria Suzi und Javier Cacheiro Alemán

Meine persönlichen Lieblingstänze kamen aber von Daria Suzi und Javier Cacheiro Alemán – gewissermaßen die ‚Underdogs‘ des Abends, da sie nicht so sehr im Fokus standen wie die anderen Tanzpaare. Suzi kommt aus Potsdam, Cacheiro Alemán wurde in Kuba geboren; beide sind Mitglieder des „Ballett Dortmund“. Suzi und Cacheiro Alemán tanzten an dem Abend zweimal. Beide Tänze waren zu Stücken von Tschaikowsky (jedoch keine Ballette), die Choreographien stammen von Xin Peng Wang. Die „Elegy“ ähnelte in ihrer Eleganz und kontrollierten Kraft dem Pax des Deux aus Schwanensee. Während es bei anderen Tänzen auch mal Szenenapplaus gab, machte das Publikum hier von Anfang bis Ende keinen Mucks, sondern folgte gebannt den Bewegungen der Tänzer. In der absolut gelungenen Vertanzung der Tschaikowsky Sinfonie zeigten die beiden dann in der zweiten Hälfte der Gala eindrucksvolle akrobatische Hebungen, Sprünge und Bewegungen, ließen sie jedoch immer leicht, kunstvoll und vor allem fließend aussehen.

Resümee der Ballettgala Münster

Beeindruckend und faszinierend: Die sympathischen Gastgeber Tanya und Julio Acevedo sorgten dafür, dass  die Internationale Ballettgala in Münster zum vollen Erfolg wird. Das Publikum im fast ausverkauften Großen Haus zeigte sich nach jeder Darbietung begeistert und zollte den Tänzern mit frenetischem Applaus den gebührenden Respekt.

Die heimlichen Stars des Abends sind am Ende jedoch die überaus sympathischen und enthusiastischen Gastgeber Tanya und Julio Acevedo. Zu wünschen wäre es ihnen und der Stadt Münster allemal, dass die Kunstform des Balletts in Münster noch mehr Bekanntheit und (finanzielle) Unterstützung erlangt.

Ein Gastbeitrag von Nicole Noak.