Siemens-Energy-Aktie steigt weiter: Rekorde und hohe Kursziele

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Siemens Energy Aktie hat am Montag, 10. August 2026, ihre jüngste Erholung fortgesetzt. Hinter dem Kursanstieg stehen außergewöhnlich starke Geschäftszahlen: Der Energietechnikkonzern meldete für sein drittes Geschäftsquartal einen Rekord beim Auftragseingang, den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte und einen kräftigen Ergebnissprung. Dazu kamen nach der Zahlenvorlage mehrere positive Analystenstudien. Dennoch ist das Bild nicht einseitig. Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrem Rekordhoch vom Frühjahr, und nach dem enormen Kursanstieg der vergangenen Jahre spielen Bewertung, die Nachhaltigkeit des Gasturbinenbooms und die weitere Sanierung der Windkrafttochter Siemens Gamesa eine wichtige Rolle.

Siemens Energy meldet 17,9 Milliarden Euro neue Aufträge

Im dritten Geschäftsquartal erreichte der Auftragseingang von Siemens Energy 17,9 Milliarden Euro und damit einen neuen Rekord. Der Auftragsbestand wuchs zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Das Verhältnis zwischen neuen Aufträgen und Umsatz, die sogenannte Book to Bill Ratio, lag bei 1,57. Der Konzern nahm damit deutlich mehr neue Geschäfte herein, als er im gleichen Zeitraum als Umsatz abarbeitete. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Gas Services, hinzu kamen deutliche Zuwächse bei Grid Technologies und Transformation of Industry.

Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf rund 11,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Sondereffekten erhöhte sich von 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 1,623 Milliarden Euro und damit auf mehr als das Dreifache. Nach Sondereffekten belief sich das Ergebnis auf 1,564 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern stieg von 697 Millionen auf 1,188 Milliarden Euro. Je Aktie verdiente Siemens Energy unverwässert 1,28 Euro nach 0,71 Euro ein Jahr zuvor. Auch der freie Cashflow vor Steuern verbesserte sich deutlich auf 2,319 Milliarden Euro.

Jahresprognose bleibt nach der Anhebung bestehen

Nach dem Rekordquartal bestätigte Siemens Energy die bereits nach dem ersten Halbjahr angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2026. Erwartet wird weiterhin ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 14 und 16 Prozent. Die Marge beim Ergebnis vor Sondereffekten soll zwischen 10 und 12 Prozent erreichen. Neu ist die stärkere Präzisierung, dass Siemens Energy die Marge nun eher am oberen Ende dieser Spanne erwartet.

Beim Gewinn nach Steuern kalkuliert der Konzern weiterhin mit rund vier Milliarden Euro, beim freien Cashflow vor Steuern mit rund acht Milliarden Euro. Für Gas Services erwartet Siemens Energy 16 bis 18 Prozent vergleichbares Umsatzwachstum und eine Marge zwischen 14 und 16 Prozent. Grid Technologies soll sogar um 25 bis 27 Prozent wachsen und eine Marge von 18 bis 20 Prozent erreichen. Für Siemens Gamesa wird für das Gesamtjahr weiterhin ein Ergebnis vor Sondereffekten um die Gewinnschwelle erwartet.

Siemens-Energy-Aktie gewinnt am Montag weiter

An der Börse setzte sich die Erholung am Montag fort. Zum Xetra Handelsschluss stand die Siemens-Energy-Aktie bei 155,06 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag bei 153,54 Euro entsprach das einem Plus von 0,99 Prozent. Der DAX legte am selben Tag lediglich um 0,12 Prozent zu. Damit entwickelte sich Siemens Energy erneut stärker als der Gesamtmarkt.

Die häufig genannte Größenordnung von rund 20 Prozent Kursgewinn seit dem jüngsten Tief bezieht sich auf die Spitze der Erholungsbewegung. Historische Kursdaten weisen für den 30. Juli ein Tagestief von 133,30 Euro aus. Vom damaligen Tief bis zum Xetra Schlusskurs vom Montag ergibt sich ein Plus von gut 16 Prozent. Bei zwischenzeitlichen Kursen von knapp 159 Euro erreichte die Erholung dagegen rund 19 Prozent. Die Formulierung von rund 20 Prozent ist deshalb für die Spitze der Bewegung vertretbar, nicht jedoch für den Montagsschlusskurs.

Trotz Erholung bleibt das Rekordhoch noch weit entfernt

Der längerfristige Vergleich zeigt, wie stark die Aktie trotz der jüngsten Korrektur gelaufen ist. Das 52 Wochen Hoch liegt bei 191,66 Euro. Vom Xetra Schlusskurs am Montag aus fehlen damit weiterhin rund 19 Prozent bis zu diesem Niveau. Ende 2025 hatte der Kurs bei 119,95 Euro gelegen. Seit dem Jahreswechsel ergibt sich bis zum Montagsschluss damit ein Zuwachs von rund 29 Prozent.

Auch im Vergleich mit dem Vorjahr steht ein deutliches Plus. Da der 10. August 2025 ein Sonntag war, bietet sich der folgende Handelstag als Vergleich an. Am 11. August 2025 schloss die Aktie bei 99,52 Euro. Gegenüber den 155,06 Euro vom Montag entspricht das einem Anstieg von rund 56 Prozent. Je nach verwendetem Börsenplatz und Vergleichszeitpunkt können die ausgewiesenen Zwölfmonatswerte etwas abweichen.

JPMorgan sieht 245 Euro, Deutsche Bank erhöht auf 210 Euro

Nach der Quartalsbilanz folgten mehrere positive Analystenreaktionen. JPMorgan erhöhte das Kursziel von 235 auf 245 Euro und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Analyst Philip Buller wertete das dritte Geschäftsquartal als stark und erhöhte daraufhin seine Erwartungen für das operative Ergebnis. Das ist eines der höchsten derzeit öffentlich dokumentierten Kursziele für die Siemens-Energy-Aktie.

Deutsche Bank Research erhöhte ihr Kursziel von 200 auf 210 Euro und bestätigte „Buy“. Analyst Gael de-Bray sieht Befürchtungen vor einem Überangebot bei Gasturbinen, sinkenden Preisen und einer nachlassenden Auftragsdynamik als zu pessimistisch an. Jefferies blieb mit Analyst Lucas Ferhani bei „Buy“ und 215 Euro. Berenberg bestätigte unter Richard Dawson „Buy“ mit 205 Euro. RBC Analyst Colin Moody beließ Siemens Energy bei „Outperform“ und einem Ziel von 210 Euro.

Gasturbinen werden zum großen Wachstumstreiber

Einer der stärksten Treiber ist derzeit das Gasturbinengeschäft. Gas Services verbuchte im Quartal Aufträge von knapp zehn Milliarden Euro. Damit lag der Auftragseingang laut veröffentlichten Geschäftszahlen rund 62 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders gefragt waren Anlagen in den Vereinigten Staaten sowie Kraftwerksprojekte im Nahen Osten und in Asien. Der Auftragsbestand der Sparte erreichte rund 73 Milliarden Euro.

Ein Teil dieses Booms hängt unmittelbar mit dem Ausbau großer Rechenzentren zusammen. Der rapide steigende Strombedarf von KI Infrastruktur zwingt Betreiber und Energieversorger dazu, zusätzliche Erzeugungsleistung und Netzkapazitäten aufzubauen. Nach Angaben von Vorstandschef Christian Bruch entfiel im dritten Quartal zusammen etwa die Hälfte der neuen Gasturbinenbestellungen auf Betreiber von Rechenzentren und Kunden aus dem Nahen Osten. Das macht den KI Boom für Siemens Energy nicht zu einem reinen Börsennarrativ, sondern zu einem inzwischen messbaren Faktor im Auftragseingang.

Netztechnik profitiert ebenfalls vom steigenden Strombedarf

Der zweite zentrale Wachstumsmotor ist Grid Technologies. Der Ausbau von Rechenzentren, erneuerbaren Energien und neuer Kraftwerkskapazität verlangt nicht nur zusätzliche Stromproduktion. Die Energie muss auch übertragen, transformiert und verteilt werden. Genau hier bietet Siemens Energy unter anderem Transformatoren, Hochspannungstechnik und Stromübertragungssysteme an.

Im dritten Quartal stiegen die Aufträge von Grid Technologies auf rund 5,4 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um knapp 29 Prozent auf etwa 3,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Sondereffekten erreichte 722 Millionen Euro, die entsprechende Marge 19,9 Prozent. Der Auftragsbestand der Sparte lag bei rund 51 Milliarden Euro. Die Zahlen erklären, weshalb Siemens Energy seine Jahreserwartungen für dieses Geschäft besonders hoch angesetzt hat.

Siemens Gamesa schafft erstmals seit Jahren ein positives Quartal

Eine wesentliche Verbesserung kommt gleichzeitig aus einem Bereich, der Siemens Energy jahrelang belastet hat. Siemens Gamesa erzielte erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis. Nach Angaben zum Quartal erreichte die Windkrafttochter operativ ein Plus von 56 Millionen Euro, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 425 Millionen Euro angefallen war. Kostensenkungen, eine bessere Auslastung und Fortschritte im operativen Geschäft trugen zur Verbesserung bei.

Vollständig abgeschlossen ist die Sanierung damit nicht. Auffällig blieb der schwache Auftragseingang bei Siemens Gamesa. Dieser sank im Quartal auf rund 1,05 Milliarden Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch 4,89 Milliarden Euro erreicht worden waren. Der Auftragsbestand der Windkrafttochter blieb mit rund 31 Milliarden Euro dennoch umfangreich. Für das gesamte Geschäftsjahr hält Siemens Energy am Ziel fest, bei Siemens Gamesa beim Ergebnis vor Sondereffekten ungefähr die Gewinnschwelle zu erreichen.

Hohe Bewertung bleibt ein Risiko für die Aktie

Die starken Geschäftszahlen beseitigen nicht alle Risiken. Ein wichtiger Punkt ist die Bewertung nach dem enormen Kursanstieg der vergangenen Jahre. Die Aktie hat sich innerhalb von zwei Jahren vervielfacht. Damit hängen die Erwartungen des Kapitalmarkts inzwischen stark davon ab, dass hohe Auftragsvolumina, Margenverbesserungen und der Ausbau der Produktionskapazitäten tatsächlich über längere Zeit anhalten.

Dass diese Annahme nicht von allen Analysten geteilt wird, zeigte bereits Barclays im Juli. Die britische Investmentbank erhöhte damals zwar ihr Kursziel von 110 auf 130 Euro, stufte die Aktie jedoch von „Equal Weight“ auf „Underweight“ ab. Analyst Vlad Sergievskii verwies auf das Risiko, dass der Markt einen außergewöhnlich starken Geschäftszyklus zu weit in die Zukunft fortschreibt. Er erwartete zudem, dass Auftragseingang und freier Cashflow bereits 2026 ihren Höhepunkt erreichen könnten.

Hinzu kommen die bekannten Ausführungsrisiken bei Siemens Gamesa, mögliche Schwankungen bei Großaufträgen und die Frage, wie dauerhaft der aktuelle Investitionsboom bei Gasturbinen und Netzinfrastruktur ist. Siemens Energy weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass seine Jahresprognose mögliche Belastungen aus künftigen rechtlichen oder regulatorischen Verfahren nicht berücksichtigt. Auch Währungsbewegungen, Lieferketten und die termingerechte Umsetzung großer Infrastrukturprojekte können die Ergebnisse beeinflussen.

Für Anleger treffen starkes Wachstum und hohe Erwartungen aufeinander

Die operative Ausgangslage von Siemens Energy hat sich gegenüber den Krisenjahren deutlich verändert. Ein Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro schafft eine hohe Auslastung, Gas Services und Grid Technologies wachsen kräftig, der Cashflow ist stark und Siemens Gamesa hat erstmals seit mehreren Jahren ein positives Quartal geliefert. Gleichzeitig zeigen die neuen Kursziele, dass mehrere große Analysehäuser auch nach dem bisherigen Kursanstieg weiteres Potenzial sehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Aktie automatisch weiter steigen muss. Die Spanne zwischen dem Barclays Kursziel von 130 Euro und den 245 Euro von JPMorgan verdeutlicht, wie unterschiedlich selbst professionelle Analysten die künftige Entwicklung bewerten. Nach dem starken Kursanstieg reagieren die Papiere zudem empfindlicher darauf, wenn Auftragseingänge, Margen oder Prognosen die hohen Erwartungen einmal nicht erfüllen. Die Entwicklung der Aktie bleibt deshalb eng mit der Frage verbunden, wie lange der Investitionsboom bei Stromnetzen, Gasturbinen und Rechenzentren anhält und ob Siemens Gamesa seinen Turnaround dauerhaft bestätigen kann. Eine solche Einordnung ersetzt keine individuelle Anlageberatung, Aktieninvestments bleiben mit Kurs und Verlustrisiken verbunden.

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