
Karim Adeyemi steht vor einem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona. Nach vorausgegangenen Gesprächen zwischen der Spielerseite und dem spanischen Meister haben sich nun offenbar auch die beiden Vereine grundsätzlich auf die wirtschaftlichen Bedingungen verständigt. Eine Veröffentlichung durch die Klubs stand am Samstagvormittag noch aus.
Nach Informationen des kicker soll Barcelona zunächst eine Sockelablöse von 22 Millionen Euro an Borussia Dortmund zahlen. Weitere neun Millionen Euro könnten durch vergleichsweise leicht erreichbare Bonusvereinbarungen hinzukommen. Der mögliche Gesamtbetrag würde damit auf 31 Millionen Euro steigen. Der kicker schloss sich mit seinem Bericht der Erstmeldung des Transferjournalisten Fabrizio Romano an.
Darüber hinaus soll sich Dortmund eine Beteiligung von 35 Prozent an einem späteren Weiterverkauf gesichert haben. Diese Klausel ist für den BVB besonders wichtig, weil Adeyemis Marktwert zuletzt auf rund 40 Millionen Euro taxiert wurde und die garantierte Zahlung deutlich darunter liegt. Entwickelt sich der Flügelspieler in Barcelona weiter und wird später für eine hohe Summe verkauft, könnte Dortmund nachträglich erheblich profitieren.
Die Spielerseite hatte bereits vor den abschließenden Verhandlungen der Vereine mit Barcelona gesprochen. Medienberichten zufolge soll Adeyemi einen langfristigen Vertrag erhalten, der bis zum Sommer 2031 laufen könnte. Zunächst dürften jedoch noch die üblichen vertraglichen und medizinischen Schritte folgen.
Adeyemis Vertrag in Dortmund läuft nur noch bis zum 30. Juni 2027. Der Sommer 2026 ist damit für den BVB die letzte Transferperiode, in der der Verein noch eine größere Ablöse erzielen kann. Bei einem Verbleib ohne Vertragsverlängerung könnte der Angreifer ein Jahr später ablösefrei gehen. Die Gespräche über eine Ausdehnung des Vertrags waren in den vergangenen Monaten nicht zum Ziel gekommen.
Ein akuter Verkauf wegen eines öffentlich bekannten Verstoßes gegen die UEFA-Finanzregeln ist nicht belegt. Die wirtschaftliche Notwendigkeit ergibt sich vielmehr aus der Vertragslaufzeit und den begrenzten Mitteln für den geplanten Kaderumbau. Berichten zufolge standen dem BVB ohne zusätzliche Spielerverkäufe zunächst nur rund 25 Millionen Euro für neue Transfers zur Verfügung. Einnahmen aus dem Adeyemi-Geschäft würden Sportdirektor Ole Book deshalb zusätzlichen Handlungsspielraum verschaffen. Die UEFA begrenzt die Kosten für Gehälter, Transfers und Berater inzwischen auf 70 Prozent der relevanten Kluberlöse.
Sportlich war Adeyemi unter Trainer Niko Kovač zuletzt nicht mehr durchgehend gesetzt. In der Saison 2025/26 kam er wettbewerbsübergreifend auf 39 Pflichtspiele, zehn Tore und sechs Vorlagen. Dabei stand er lediglich 22-mal in der Anfangsformation. In der Bundesliga erzielte er in 28 Einsätzen sieben Treffer und bereitete vier weitere Tore vor.
Adeyemi wurde am 18. Januar 2002 in München geboren. Nach Stationen beim TSV Forstenried, im Nachwuchs des FC Bayern und bei der SpVgg Unterhaching wechselte er 2018 zu Red Bull Salzburg. Zunächst sammelte er Spielpraxis beim Lieferinger Nachwuchsteam, ehe ihm der Durchbruch bei Salzburg gelang. In der Saison 2021/22 wurde er mit 19 Treffern Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga.
Im Sommer 2022 verpflichtete Borussia Dortmund den schnellen Offensivspieler für rund 30 Millionen Euro. Seitdem absolvierte Adeyemi 146 Pflichtspiele für den BVB und erzielte 36 Tore. Seine größte Stärke blieb das hohe Tempo, mit dem er sowohl auf dem rechten und linken Flügel als auch in einer zentraleren Angriffsrolle eingesetzt werden kann. Konstanz, Verletzungen und schwankende Leistungen verhinderten allerdings, dass er dauerhaft eine unumstrittene Stammkraft wurde.
Für die deutsche Nationalmannschaft bestritt Adeyemi bislang elf Länderspiele und erzielte ein Tor. Sein Debüt gab er im September 2021 unter Hansi Flick. Für den deutschen Kader bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wurde der Dortmunder nicht nominiert.
Beim FC Barcelona würde Adeyemi erneut auf Hansi Flick treffen. Der frühere Bundestrainer arbeitet seit 2024 bei den Katalanen und verlängerte seinen Vertrag im Mai 2026 bis zum Sommer 2028. Zusätzlich besteht eine Option auf eine weitere Saison. Unter Flick gewann Barcelona in dessen ersten beiden Jahren jeweils die spanische Meisterschaft.
Adeyemis Tempo könnte Flick zusätzliche Möglichkeiten für schnelle Angriffe und Läufe hinter die gegnerische Abwehr bieten. Der 24-Jährige müsste sich zugleich einer starken Konkurrenz stellen. Besonders auf der rechten Seite ist Lamine Yamal gesetzt. Adeyemi könnte daher häufiger über links, als zweite Spitze oder als schneller Einwechselspieler eingesetzt werden.
Für den Angreifer wäre der Transfer auch ein sportlicher Neustart. Obwohl sein Marktwert über der garantierten Ablösesumme liegt, senken das letzte Vertragsjahr und seine zuletzt geringere Rolle die Verhandlungsposition des BVB. Barcelona erhält damit einen international erfahrenen Offensivspieler im besten Fußballalter, während Dortmund zumindest einen Großteil der 2022 gezahlten Ablöse zurückholen kann.
Als möglicher Ersatz für die rechte Offensivseite wurde zuletzt Anis Hadj Moussa von Feyenoord Rotterdam genannt. Der algerische Nationalspieler kam in der Saison 2025/26 auf 40 Pflichtspiele, 14 Tore und sieben Vorlagen. Wegen seines bis 2030 laufenden Vertrags soll Feyenoord allerdings deutlich mehr als 30 Millionen Euro verlangen. Damit könnte das Gesamtpaket teurer werden als die garantierten Einnahmen aus dem Adeyemi-Verkauf.
Ebenfalls mit Dortmund in Verbindung gebracht wird Saïd El Mala vom 1. FC Köln. Der junge Offensivspieler wäre perspektivisch interessant, dürfte angesichts der hohen Kölner Preisvorstellungen aber ebenfalls schwer zu finanzieren sein. Als weitere Alternative wurde Diego Moreira von Racing Straßburg genannt. Konkrete Verhandlungen mit einem dieser Kandidaten sind bislang nicht öffentlich bekannt.
Der Adeyemi-Verkauf könnte nun Bewegung in die Dortmunder Personalplanung bringen. Neben einem schnellen Flügelspieler sucht der BVB auch Verstärkungen für weitere Kaderbereiche. Mit der grundsätzlichen Einigung mit Barcelona wäre zumindest eine zentrale wirtschaftliche Voraussetzung für weitere Transfers geschaffen.
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