Warum Gold trotz Nahostkrise an Schwung verliert

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Goldpreis in der Iran-Krise zeigt in dieser Woche ein anderes Bild als eine klassische Sicherheitsrallye. Zwar bleibt das Edelmetall für viele Anleger ein Schutzwert in geopolitischen Krisen. Doch die jüngsten Marktdaten sprechen nicht für einen neuen Ausbruch nach oben, sondern für eine angeschlagene Bewegung. Der Grund liegt vor allem in den Erwartungen an die US-Notenbank. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck. Dadurch wächst am Markt die Sorge, dass die Federal Reserve länger restriktiv bleibt oder später im Jahr sogar wieder über höhere Zinsen sprechen muss.

Wochenhoch und Wochentief zeigen die Schwankungen

In der Handelswoche ab dem 9. Juni erreichte Gold nach verfügbaren XAU/USD-Daten ein Hoch von 4.363,50 US-Dollar je Feinunze. Das Wochentief lag am 11. Juni bei 4.023,55 Dollar. Am Freitag notierte der Spotpreis wieder oberhalb von 4.200 Dollar, blieb aber auf Wochensicht im Minus. Reuters bezifferte den Rückgang am Freitag auf 2,3 Prozent. Damit war die Woche kein Beleg für eine neue Goldpreis-Rallye, sondern für eine hohe Nervosität zwischen geopolitischer Absicherung, Gewinnmitnahmen und geldpolitischem Druck.

Iran-Konflikt treibt nicht automatisch den Goldpreis

Normalerweise profitiert Gold von militärischen Krisen, weil Anleger in unsicheren Phasen Sicherheit suchen. Diesmal ist die Wirkung komplizierter. Der Konflikt im Nahen Osten stützt zwar grundsätzlich die Nachfrage nach Schutzwerten. Gleichzeitig treiben höhere Ölpreise die Inflationserwartungen. Genau das belastet Gold, weil das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Wenn Anleger wieder mit höheren US-Zinsen rechnen, werden Anleihen und Dollar-Anlagen im Vergleich attraktiver. Die Iran-Krise wirkt deshalb nicht nur als Sicherheitsfaktor, sondern zugleich als Zinsrisiko für den Goldmarkt.

Dollar und Realrenditen bremsen den sicheren Hafen

Der Goldpreis reagierte in den vergangenen Tagen besonders empfindlich auf den Dollar und die US-Renditen. Ein stärkerer Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums. Höhere Realrenditen erhöhen zugleich die Opportunitätskosten für Goldbestände. Zwar fiel der Dollar zeitweise, als Hoffnungen auf Fortschritte in Gesprächen über eine Entspannung im Nahen Osten aufkamen. Doch der Markt blieb auf die Fed ausgerichtet. Entscheidend ist deshalb nicht nur die politische Eskalation, sondern die Frage, ob sie über Energiepreise zu länger hohen Zinsen führt.

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ETF-Daten sprechen gegen eine breite Kaufwelle

Auch die ETF-Seite liefert kein klares Signal für eine frische Goldkaufwelle. Der World Gold Council meldete für Mai globale Abflüsse aus physisch hinterlegten Gold-ETFs von rund 2 Milliarden Dollar. Nordamerika verzeichnete dabei Abflüsse von 1,1 Milliarden Dollar. Reuters berichtete zudem von Abflüssen bei goldgedeckten ETFs von 16 Tonnen im Mai und weiteren 7 Tonnen in der ersten Juniwoche. Für den SPDR Gold Trust als wichtigsten Gold-ETF lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Daten deshalb keine belastbare neue Kaufwelle ableiten. Das schwächt die These einer marktbreiten Flucht in Gold.

Gold und Bitcoin bleiben unterschiedliche Krisenanker

Im Vergleich zu Bitcoin bleibt Gold der traditionellere Krisenanker. Bitcoin konnte im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zeitweise Stärke zeigen, bleibt aber deutlich stärker von Liquidität, Risikostimmung und spekulativen Kapitalflüssen abhängig. Morningstar beschreibt die Rolle von Bitcoin deshalb als uneinheitlich: Die Kryptowährung schwanke weiter zwischen Risikoanlage, Diversifikationsversprechen und digitaler Gold-Erzählung. Für Anleger ist der Unterschied zentral. Gold steht für Stabilität und Absicherung, Bitcoin für höhere Chancen bei deutlich größeren Schwankungen. Als defensiver Schutzwert bleibt Gold trotz der aktuellen Schwäche besser etabliert.

UBS wird vorsichtiger, JPMorgan und BofA bleiben längerfristig optimistisch

Die Analystenstimmen zeigen ein geteiltes Bild. UBS hat die Goldprognosen gesenkt und sieht kurzfristig eine mögliche Bewegung in Richtung 3.850 bis 4.000 Dollar je Unze. Begründet wird das mit robusteren US-Daten, höheren Realrenditen und einer später erwarteten Lockerung der Geldpolitik. JPMorgan bleibt mittelfristig optimistischer, senkte aber den durchschnittlichen Goldpreis für 2026 auf 5.243 Dollar und verweist auf schwächere kurzfristige Investorennachfrage. Bank of America hatte bereits zuvor ein Ziel von 5.000 Dollar für 2026 genannt, sieht aber ebenfalls Korrekturrisiken. Die Spanne zeigt: Kurzfristig dominiert die Fed, längerfristig bleiben geopolitische Risiken, Staatsverschuldung und Zentralbankkäufe wichtige Stützen.

Fazit: Die Krise reicht allein nicht für eine Rallye

Der Goldpreis in der Iran-Krise steht zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite gibt es geopolitische Unsicherheit, Zentralbankkäufe und den Wunsch nach Absicherung. Auf der anderen Seite stehen ein stärkerer Dollar, höhere Realrenditen, ETF-Abflüsse und die Sorge vor einer restriktiveren Fed. Genau diese Mischung erklärt, warum Gold trotz Nahostspannung nicht automatisch steigt. Die Woche zeigt vor allem, dass der sichere Hafen wieder stärker von der US-Geldpolitik abhängt als von der Krisenheadline allein.

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