
Die USA und Iran haben nach monatelanger Eskalation eine vorläufige Einigung angekündigt. US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntagabend gegen 23:30 Uhr MESZ auf Truth Social, der Deal mit der Islamischen Republik Iran sei nun abgeschlossen. In derselben Mitteilung schrieb er: Ships of the World, start your engines. Let the oil flow! Kurz zuvor hatte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif eine Einigung öffentlich gemacht. Pakistan gehörte neben Katar zu den Vermittlern der Gespräche.
Das formelle Memorandum of Understanding soll am Freitag, dem 19. Juni 2026, in der Schweiz unterzeichnet werden. Offiziell bestätigt war zunächst vor allem der politische Rahmen: Die USA und Iran wollen die militärischen Auseinandersetzungen beenden, die Straße von Hormus wieder öffnen und die US-Seeblockade gegen iranische Häfen aufheben.
Im Mittelpunkt der Einigung steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Öl- und Gashandel. Nach Angaben aus Washington soll die Meerenge am Freitag wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden. Trump erklärte zugleich, er habe das Ende der US-Seeblockade gegen iranische Häfen angeordnet.
Die genaue Umsetzung blieb zunächst offen. Nach Reuters-Angaben aus dem Entwurf soll Iran die Straße von Hormus wieder für alle kommerziellen Schiffe öffnen. Die USA sollen ihre Blockade iranischer Häfen unmittelbar nach der Unterzeichnung des Memorandums zurückfahren und binnen 30 Tagen vollständig aufheben. Unklar blieb zunächst, welche praktischen Sicherheitsgarantien für Handelsschiffe gelten und ob Minenräumung oder internationale Begleitung des Schiffsverkehrs erforderlich werden.
Reuters berichtete unter Berufung auf einen ranghohen iranischen Beamten über Details eines Entwurfs. Demnach sollen die USA bis zu einer endgültigen Vereinbarung keine neuen Sanktionen gegen Iran verhängen. Außerdem sollen zeitlich begrenzte Ausnahmen von Ölsanktionen ermöglicht werden, damit Teheran wieder Öl verkaufen und Einnahmen erzielen kann.
Nach denselben Angaben umfasst der Entwurf auch die Freigabe von 25 Milliarden US-Dollar eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Diese Summe war zunächst nicht durch einen veröffentlichten Vertragstext bestätigt. Auch die konkrete Abwicklung blieb offen. Reuters nannte unter anderem direkte Transfers, die Zusammenarbeit regionaler Staaten und Kreditlinien als mögliche Wege. Damit ist dieser Punkt politisch bedeutsam, aber zunächst als Bestandteil eines berichteten Entwurfs und nicht als endgültig veröffentlichte Vertragsregelung einzuordnen.
Die schwierigste Frage bleibt das iranische Atomprogramm. Nach Reuters-Angaben sieht der Entwurf vor, dass Iran keine Atomwaffen produziert oder erwirbt und den aktuellen Stand seines Atomprogramms zunächst nicht ausweitet. Weitere Urananreicherung und der Ausbau nuklearer Anlagen sollen demnach unterbleiben, bis eine umfassendere Einigung ausgehandelt ist.
Für diese Detailverhandlungen ist eine Frist von 60 Tagen vorgesehen. Dabei soll es um Sanktionserleichterungen, Uranbestände, Anreicherung und Kontrollmechanismen gehen. Unklar blieb zunächst, wie weit Washington und Teheran in der Atomfrage tatsächlich auseinanderliegen. Die USA betonen seit Langem, Iran dürfe keine Atomwaffen besitzen. Teheran weist zurück, eine Atombombe anzustreben. Gerade deshalb dürfte der vorläufige Charakter der USA-Iran-Einigung politisch entscheidend bleiben.
Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf die Nachricht aus Washington, Islamabad und Teheran. Der Preis für Brent-Rohöl fiel am Montag im frühen Handel um rund vier Prozent auf 83,82 US-Dollar. Auch die US-Sorte WTI gab deutlich nach. Hintergrund ist die Erwartung, dass eine Wiederöffnung der Straße von Hormus die Risiken für den Energiehandel senkt.
Die Straße von Hormus gilt als Engpass für einen erheblichen Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Jede Störung dort kann sich schnell auf Energiepreise, Transportkosten und Inflation auswirken. Die Marktreaktion zeigt deshalb, dass Händler die vorläufige Einigung als Entspannungssignal werten. Zugleich bleibt der weitere Preisverlauf davon abhängig, ob die Öffnung tatsächlich umgesetzt wird und ob die Atomgespräche innerhalb der gesetzten Frist vorankommen.
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien begrüßten die angekündigte USA-Iran-Einigung in einer gemeinsamen Erklärung. Die vier Länder bezeichneten das Memorandum als Chance für regionale Stabilität und eine Stabilisierung der Weltwirtschaft. Zugleich machten sie deutlich, dass Iran niemals Atomwaffen erhalten dürfe.
Die europäischen Staaten fordern eine rasche und umfassende Umsetzung der Einigung. Besonders wichtig sei die dringende Wiederöffnung der Straße von Hormus mit unbedingter und uneingeschränkter Freiheit der Schifffahrt. Zugleich erklärten die vier Regierungen ihre Bereitschaft, bei klaren und überprüfbaren Schritten Irans in der Atomfrage relevante Sanktionen aufzuheben.
Eine offizielle Reaktion Israels auf die angekündigte Einigung lag zunächst nicht vor. Israel war nach bisherigen Angaben nicht Teil der direkten USA-Iran-Gespräche. Zugleich spielt die Lage im Libanon eine zentrale Rolle, weil die angekündigte Beendigung militärischer Operationen auch diesen Schauplatz einschließen soll.
Unklar blieb zunächst, ob die Vereinbarung von allen regionalen Akteuren in gleicher Weise getragen wird. Pakistan sprach von einem Ende militärischer Operationen auf allen Fronten, einschließlich Libanon. Auch iranische Stellen verwiesen auf ein Ende der Kampfhandlungen. Entscheidend für die nächsten Tage ist deshalb nicht nur die Unterzeichnung am Freitag, sondern auch die Frage, ob die militärische Lage bis dahin stabil bleibt.
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