
Bei einer schweren nächtlichen Angriffswelle auf Kiew ist die Mariä Entschlafens Kathedrale im Kiewer Höhlenkloster in Brand geraten. Das Kloster, auch Kyjewo Petscherska Lawra genannt, gehört zu den wichtigsten orthodoxen Heiligtümern der Ukraine und ist Teil einer UNESCO Welterbestätte. Ukrainische Stellen machten Russland für den Schaden verantwortlich. Moskau wies das zurück und erklärte, das Gelände sei nicht gezielt angegriffen worden.
Die Angriffe ereigneten sich in der Nacht zum Montag, 15. Juni 2026. Nach ukrainischen Angaben wurden Kiew sowie weitere Städte mit Raketen und Drohnen angegriffen. Landesweit wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj 11 Menschen getötet und 53 verletzt. In Kiew meldeten die Behörden zunächst Verletzte und Schäden in mehreren Stadtteilen. Später war von mindestens 20 Verletzten in der Hauptstadt die Rede.
Auch Wohngebäude, Infrastruktur und weitere zivile Bereiche wurden beschädigt. Die genaue Bilanz der Schäden veränderte sich im Laufe des Montags, weil Rettungskräfte und Behörden zunächst weiter Einsatzstellen prüften.
Besonders im Mittelpunkt stand der Brand an der Mariä Entschlafens Kathedrale, der Hauptkirche des Kiewer Höhlenklosters. Das Feuer beschädigte vor allem das Dach. Nach Angaben aus dem ukrainischen Kulturministerium standen die tragenden Strukturen und Wände zunächst weiter, auch die Ikonostase soll nach ersten Einschätzungen nicht schwer beschädigt worden sein.
Rettungskräfte löschten den Brand am Morgen. Wertvolle religiöse Gegenstände wurden aus der Kirche gebracht. Zugleich bestand Sorge um Wandmalereien, Fresken und Kunstgegenstände, weil Löschwasser in das Innere des Gebäudes gelangte. Das volle Ausmaß der Schäden war zunächst noch nicht abschließend beziffert.
Ukrainische Behörden erklärten, am Ort seien Teile einer russischen Geran 2 Drohne gefunden worden. Der ukrainische Sicherheitsdienst veröffentlichte dazu nach eigenen Angaben Bilder von Trümmerteilen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung lag zunächst nicht vor.
Russland wies die Vorwürfe zurück. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, der Angriff habe militärische Einrichtungen und Produktionsstätten betroffen. Für die Schäden am Kloster machte Moskau eine fehlgeleitete Patriot Flugabwehrrakete verantwortlich. Auch diese Darstellung ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
Die UNESCO reagierte mit Sorge auf die Schäden an der Welterbestätte. Die Organisation verurteilte Angriffe auf geschützte Kulturgüter und erklärte, Schäden an Kulturstätten entzögen Gesellschaften wichtige Orte der Erinnerung, Bildung und gemeinsamen Identität. Zugleich bot die UNESCO Unterstützung bei der Bewertung der Schäden und möglichen Schutzmaßnahmen an.
Das Kiewer Höhlenkloster steht gemeinsam mit der Sophienkathedrale und weiteren Klosterbauten in Kiew auf der Liste des UNESCO Welterbes. Bereits 2023 war die Stätte wegen der Kriegsgefahren auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt worden. Damit erhält der Fall auch über die Ukraine hinaus kulturpolitische Bedeutung.
Vatican News berichtete über den Brand in der Mariä Entschlafens Kathedrale und griff die Einschätzung des Apostolischen Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, auf. Der päpstliche Diplomat beschrieb die Bombardierungen als Erfahrung, in der menschlich kaum noch eine Antwort bleibe. Zugleich rief er zum Gebet auf.
Damit wurde der Angriff nicht nur als militärisches Ereignis, sondern auch als Einschnitt für einen der bedeutendsten religiösen Orte Osteuropas wahrgenommen. Die Lawra gilt seit Jahrhunderten als geistliches Zentrum der orthodoxen Tradition. Der Brand trifft daher ein Bauwerk mit großer historischer, kultureller und religiöser Bedeutung.
Bestätigt ist, dass die Kathedrale während der Angriffswelle brannte und schwer beschädigt wurde. Bestätigt ist auch, dass Russland in derselben Nacht Angriffe auf Ziele in der Ukraine ausführte. Strittig blieb zunächst, wodurch die Schäden an der Kathedrale unmittelbar verursacht wurden.
Die ukrainische Seite spricht von einem russischen Drohnentreffer. Russland bestreitet das und verweist auf ukrainische Flugabwehr. Für die weitere Bewertung wird entscheidend sein, welche technischen Untersuchungen an den Trümmern und am Einschlagsort dokumentiert werden. Bis dahin bleibt die unmittelbare Ursache in den offiziellen Darstellungen gegensätzlich beschrieben.
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