Warum die AT&S-Aktie im Juni so stark gestiegen ist

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die AT&S-Aktie gehört im Juni 2026 zu den auffälligsten Werten an der Wiener Börse. Auslöser der starken Bewegung sind nicht nur bessere Geschäftszahlen, sondern vor allem ein deutlich angehobener Ausblick für das Geschäftsjahr 2026/27. Der österreichische Hersteller von Leiterplatten und IC-Substraten profitiert von der hohen Nachfrage nach Komponenten für KI-Infrastruktur, Hochleistungsrechner und moderne Halbleitertechnologie.

Der Kursanstieg steht damit auf einer nachvollziehbaren operativen Grundlage. Zugleich bleibt der Titel nach dem rasanten Lauf ein Wert mit hohen Erwartungen. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Starke Zahlen im vierten Quartal geben der Aktie Rückenwind

AT&S hatte bereits im Mai ein starkes viertes Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 gemeldet. Der Umsatz legte im Schlussquartal währungsbereinigt deutlich zu. Das EBITDA erreichte 120 Millionen Euro, was einer Marge von 25,4 Prozent entsprach. Zudem erzielte das Unternehmen wieder einen positiven Periodengewinn von 14 Millionen Euro.

Auch das Gesamtjahr zeigte eine klare Verbesserung. Der Konzernumsatz stieg auf rund 1,8 Milliarden Euro. Das EBITDA lag bei 418 Millionen Euro, die EBITDA-Marge bei 23,3 Prozent. Damit verbesserte AT&S seine operative Profitabilität deutlich. Als Gründe nannte das Unternehmen höhere Volumen, ein besseres Preisumfeld und ein umfangreiches Kosten- und Effizienzprogramm.

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Ausblick für 2026/27 wurde nochmals angehoben

Besonders kursbewegend war der neue Ausblick. Zunächst hatte AT&S für das Geschäftsjahr 2026/27 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 30 bis 35 Prozent und eine EBITDA-Marge von 25 bis 29 Prozent in Aussicht gestellt. Diese Prognose wurde im Juni nach neuen Vereinbarungen für den Standort Kulim in Malaysia deutlich angehoben.

Nun erwartet AT&S währungsbereinigt ein Umsatzwachstum von 45 bis 55 Prozent. Die EBITDA-Marge soll 32 bis 37 Prozent erreichen. Zugleich plant das Unternehmen für 2026/27 Investitionen von rund 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro. Vorher waren rund 400 Millionen Euro vorgesehen. Trotz der höheren Investitionen rechnet AT&S mit einem deutlich positiven operativen Free Cashflow.

Kulim wird zum Schlüsselstandort für KI-Substrate

Im Mittelpunkt der neuen Wachstumspläne steht der Produktionsstandort Kulim in Malaysia. Dort will AT&S zusätzliche Kapazitäten für KI-Substrate aufbauen. Die Erweiterung betrifft sowohl ein bestehendes Werk als auch ein bislang nicht genutztes Gebäude eines zweiten Werks. Das Investitionsvolumen für den Ausbau wird mit insgesamt 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro angegeben.

Die Investitionen sollen nach Angaben des Unternehmens durch langfristige Kundenzusagen unterstützt und finanziert werden. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass AT&S Vereinbarungen mit AMD und einem weiteren führenden Technologieunternehmen geschlossen hat. Die Identität des zweiten Kunden wurde von AT&S nicht genannt. Medienberichte brachten Intel ins Gespräch, unabhängig bestätigt war diese Zuordnung zunächst nicht.

Warum IC-Substrate für den KI-Boom wichtig sind

AT&S stellt keine fertigen Chips und keine Rechenzentren her. Die Bedeutung des Unternehmens liegt in der Verbindungstechnologie. IC-Substrate und hochwertige Leiterplatten sind zentrale Bauteile, die Chips, Prozessoren und elektronische Systeme miteinander verbinden. Gerade bei Hochleistungsrechnern, KI-Anwendungen und moderner Chipverpackung steigen die Anforderungen an Präzision, Leistungsfähigkeit und Produktionsqualität.

Das erklärt, warum der Markt die Prognoseanhebung so stark bewertet. Wenn Rechenzentren, KI-Beschleuniger und Hochleistungsprozessoren weiter ausgebaut werden, steigt auch die Nachfrage nach spezialisierten Verbindungslösungen. AT&S positioniert sich in dieser Wertschöpfungskette als europäischer Anbieter mit globaler Produktion.

Werke in Österreich, China, Malaysia und Indien

AT&S hat seinen Sitz in Leoben in Österreich. Produktionsstandorte befinden sich unter anderem in Leoben und Fehring, in Shanghai und Chongqing in China, in Kulim in Malaysia sowie in Nanjangud in Indien. Zusätzlich betreibt das Unternehmen in Leoben ein europäisches Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung sowie IC-Substrat-Produktion.

Diese internationale Struktur ist für das Geschäftsmodell wichtig, weil Kunden aus der Halbleiter- und Elektronikindustrie globale Lieferketten benötigen. Gleichzeitig entstehen daraus Risiken. Wechselkurse, geopolitische Spannungen, Materialverfügbarkeit und hohe Investitionskosten können die Ergebnisentwicklung beeinflussen. AT&S selbst verweist bei seiner Prognose darauf, dass keine deutliche Verschlechterung der geopolitischen Lage und keine weitere Zuspitzung bei wichtigen Materialien unterstellt wird.

Kurssprung, Rekordniveau und neue Aufmerksamkeit

Die AT&S-Aktie reagierte auf die neuen Pläne mit einem deutlichen Kurssprung. Am 15. Juni legte das Papier zeitweise um knapp 30 Prozent zu und erreichte neue Höchststände. Am 19. Juni lag der Referenzpreis an der Wiener Börse bei 226 Euro. Die Monatsperformance wurde zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 118 Prozent angegeben.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt AT&S durch die Aufnahme in den STOXX Europe 600. Die Änderung soll zum Handelsbeginn am 22. Juni 2026 wirksam werden. Der Index umfasst große, mittlere und kleinere börsennotierte Unternehmen aus Europa und gilt als wichtiger Maßstab für internationale Investoren.

Analysten bleiben uneinheitlich

Mehrere Analysten haben ihre Einschätzungen nach der neuen Prognose angepasst. Diese Kursziele sind ausdrücklich Meinungen einzelner Analysehäuser und keine verlässlichen Vorhersagen. Auf der AT&S-Coverage-Seite wurden zuletzt unter anderem Aletheia Capital mit einem Kursziel von 600 Euro und Kaufempfehlung, die Deutsche Bank mit 310 Euro und Kaufempfehlung sowie Cantor Fitzgerald mit 245 Euro und Kaufempfehlung genannt. ODDO BHF lag mit 160 Euro und einer neutralen Einstufung deutlich darunter.

Die große Spannweite zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Chancen und Risiken bewerten. Einerseits sprechen die höheren Margenziele, die Kundenzusagen und die Nachfrage aus dem KI-Bereich für ein stark verbessertes Profil. Andererseits sind die Investitionen hoch, die Aktie ist bereits stark gestiegen und das Geschäft bleibt zyklisch.

Fazit: Starke operative Nachrichten, aber hohe Erwartungen

Der aktuelle Anlass rund um AT&S ist tragfähig. Die Aktie profitiert von verbesserten Geschäftszahlen, einer deutlich höheren Prognose für 2026/27 und konkreten Ausbauplänen in Malaysia. Die Einordnung sollte jedoch nüchtern bleiben. Bestätigt sind die starken Zahlen, die Prognoseanhebung, die Kundenzusagen und der Ausbau in Kulim. Nicht bestätigt ist die genaue Identität des zweiten großen Technologiekunden.

Für die Börse ist AT&S damit zu einem sichtbaren europäischen Profiteur des KI-Infrastrukturbooms geworden. Für Anleger bleibt entscheidend, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen in Umsatz, Marge, Cashflow und Projektumsetzung tatsächlich erfüllen kann.

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