
Die reguläre Annahmefrist im Übernahmekampf um die Commerzbank ist abgelaufen. UniCredit kommt nach eigenen Angaben rechnerisch auf eine deutlich größere Position bei der Frankfurter Bank. Der oft genannte Wert von rund 39 Prozent ergibt sich aus den bereits gehaltenen Commerzbank-Aktien und den im Angebot eingereichten Papieren. Einschließlich weiterer Instrumente mit dem Recht auf physische Lieferung beziffert UniCredit die gesamte Position auf 42,50 Prozent. Politisch und strategisch bleibt der Fall umstritten. Die Bundesregierung lehnt das Umtauschangebot ebenso ab wie Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank.
UniCredit veröffentlichte am Freitag nach Ablauf der regulären Annahmefrist neue Zahlen zum Umtauschangebot. Demnach wurden 12,51 Prozent des Commerzbank-Kapitals in das Angebot eingereicht. Hinzu kommen 26,77 Prozent, die UniCredit bereits direkt hält. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Position von 39,28 Prozent. Zusätzlich verweist die italienische Großbank auf 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien, die über Instrumente mit dem Recht auf physische Lieferung abgesichert seien. Inklusive dieser Positionen kommt UniCredit auf 42,50 Prozent.
Das Angebot lautet unverändert auf 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Es handelt sich damit nicht um ein Barangebot, sondern um ein Umtauschangebot. Der tatsächliche Gegenwert hängt daher von der Entwicklung der UniCredit-Aktie ab. Genau dieser Punkt gehört zu den zentralen Kritikpunkten der Commerzbank-Führung.
Mit dem Ablauf der ersten Frist ist das Verfahren noch nicht beendet. Aktionäre, die ihre Commerzbank-Aktien bislang nicht eingereicht haben, können das Angebot während einer weiteren Annahmefrist noch annehmen. Diese Nachfrist läuft vom 20. Juni bis zum 3. Juli 2026. Das endgültige Ergebnis wird erst danach erwartet.
Für den Übernahmekampf ist dieser Zeitraum wichtig, weil UniCredit damit ihre Position weiter ausbauen kann. Zugleich bleibt offen, wie viele freie Aktionäre das Angebot tatsächlich unterstützen. Die Commerzbank bestreitet, dass die gemeldete Annahmequote ohne Weiteres als breite Zustimmung unabhängiger Investoren gewertet werden könne. UniCredit weist Kritik an der Transparenz des Verfahrens zurück und betont, regelkonform gehandelt zu haben.
Der Bund hat das Angebot offiziell abgelehnt. Zuständig war der interministerielle Lenkungsausschuss für die Beteiligungen aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds. Die Bundesrepublik Deutschland hält weiterhin einen bedeutenden Anteil an der Commerzbank. Dieser geht auf die staatliche Stabilisierung der Bank während der Finanzkrise zurück.
Die Finanzagentur begründete die Ablehnung damit, dass das Angebot wirtschaftlich nicht infrage komme, weil es keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthalte. Außerdem unterstützt der Bund die Eigenständigkeit der Commerzbank. Er verweist auf die Rolle der Bank bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands sowie auf ihre Bedeutung für den Finanzstandort Frankfurt.
Auch Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen den Aktionären weiterhin, das Angebot nicht anzunehmen. Aus Sicht der Bank bietet UniCredit weder eine angemessene Prämie noch einen überzeugenden Plan für einen Zusammenschluss. Die Führung um Vorstandschefin Bettina Orlopp verweist stattdessen auf die eigene Strategie der Commerzbank.
Die Commerzbank argumentiert, dass ihre eigenständige Entwicklung mehr Wert schaffen könne als das Angebot aus Mailand. Zudem sieht sie Risiken bei einer möglichen Kombination mit der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank. Dazu zählen nach Darstellung der Commerzbank Unsicherheiten bei Synergien, Integration, Kundenbeziehungen und der künftigen Rolle der Bank im deutschen Mittelstandsgeschäft.
Der Streit um UniCredit und Commerzbank ist mehr als ein gewöhnlicher Bankendeal. Die Commerzbank gilt als wichtiger Finanzierer mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Deshalb berührt das Verfahren auch industriepolitische und finanzplatzpolitische Fragen. Der Bund stellt sich klar hinter die Eigenständigkeit der Bank, während UniCredit ihre Beteiligung weiter ausbaut.
Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die reguläre Annahmefrist abgeschlossen ist, UniCredit die Annahmequote auf 12,51 Prozent beziffert und eine weitere Annahmefrist bis Anfang Juli läuft. Die endgültige Beteiligungsstruktur und die weiteren Schritte hängen vom Ausgang der Nachfrist und von regulatorischen Voraussetzungen ab. Eine Anlageempfehlung ergibt sich daraus nicht.
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