
Volkswagen hat nach einem Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr seine Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 gesenkt. Der Wolfsburger Konzern rechnet nun damit, dass die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr um bis zu drei Prozent zurückgehen oder bestenfalls stabil bleiben. Zuvor hatte Volkswagen eine Entwicklung zwischen null und plus drei Prozent erwartet.
Die Volkswagen Halbjahreszahlen zeigen ein uneinheitliches Bild. Während die Erlöse nahezu stabil blieben und der Netto-Cashflow deutlich zulegte, gingen das operative Ergebnis, der Nettogewinn und die weltweiten Fahrzeugauslieferungen zurück. Besonders belastend waren die schwache Nachfrage in China, Handelsbarrieren, ungünstige Verschiebungen im Modellmix sowie Aufwendungen für die veränderte Produktionsstrategie in Nordamerika.
Volkswagen erzielte von Januar bis Juni 2026 Umsatzerlöse von 158,1 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 158,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem leichten Rückgang um 0,2 Prozent. Ein Umsatzplus von 7,9 Prozent im Finanzdienstleistungsgeschäft konnte den Rückgang von 2,1 Prozent im Automobilbereich weitgehend ausgleichen.
Das operative Ergebnis verringerte sich um 11,6 Prozent von 6,7 Milliarden auf 5,9 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite sank damit von 4,2 auf 3,8 Prozent. Vor Sondereffekten erreichte Volkswagen ein operatives Ergebnis von 6,9 Milliarden Euro und eine bereinigte operative Marge von 4,3 Prozent.
Zu den Belastungen gehörten Aufwendungen von rund 500 Millionen Euro im Zusammenhang mit der neuen Produktionsstrategie der Marke Volkswagen Pkw in den USA. Der Konzern hatte die Fertigung des Elektroautos ID.4 im Werk Chattanooga Mitte April 2026 eingestellt. Hinzu kamen negative Effekte durch die Zusammensetzung der verkauften Modelle. Niedrigere Restrukturierungskosten, geringere Fixkosten und positive Wechselkurseffekte konnten diese Belastungen nur teilweise ausgleichen.
Deutlicher fiel der Rückgang beim Ergebnis nach Steuern aus. Der Nettogewinn sank im ersten Halbjahr um 30,7 Prozent von 4,48 Milliarden auf 3,10 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern verringerte sich um 25,7 Prozent auf 4,77 Milliarden Euro.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging jedoch um 9,5 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro zurück. Die operative Marge erreichte 4,2 Prozent nach 4,7 Prozent ein Jahr zuvor.
Unter dem Strich verdiente Volkswagen von April bis Juni 1,54 Milliarden Euro. Das waren 32,9 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025. Die Zahlen verdeutlichen, dass höhere Erlöse nicht automatisch zu einem entsprechenden Ergebnisanstieg führten.
Positiv entwickelte sich der Netto-Cashflow des Automobilbereichs. Er verbesserte sich im ersten Halbjahr auf 3,2 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Volkswagen noch einen negativen Netto-Cashflow von 1,4 Milliarden Euro ausgewiesen. Dazu trugen unter anderem geringere Steuerzahlungen, niedrigere Mittelabflüsse für das Betriebskapital sowie reduzierte Ausgaben für Sachinvestitionen, Forschung und Entwicklung bei.
Die Nettoliquidität des Automobilbereichs lag zum 30. Juni bei rund 32,7 Milliarden Euro. Die Investitionsquote verringerte sich von 11,4 auf 10,6 Prozent.
Volkswagen lieferte im ersten Halbjahr weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. Das waren 6,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der konzerninterne Fahrzeugabsatz, der nach einer anderen Abgrenzung berechnet wird, sank um 8,4 Prozent auf knapp vier Millionen Einheiten.
Besonders stark war der Rückgang in China. Der dortige Gesamtmarkt für Pkw schrumpfte nach Konzernangaben um rund 20 Prozent. Volkswagens Fahrzeugabsatz in China ging um 31,6 Prozent zurück. Ohne China lieferte der Konzern weltweit mehr Fahrzeuge aus als ein Jahr zuvor.
In Westeuropa stieg der Absatz um 1,3 Prozent, in Zentral- und Osteuropa um 9,6 Prozent und in Südamerika um 5,2 Prozent. Nordamerika lag mit einem Plus von 0,9 Prozent leicht über dem Vorjahr.
Bei vollelektrischen Fahrzeugen gingen die weltweiten Auslieferungen um 5,8 Prozent auf 438.463 Einheiten zurück. In Europa entwickelte sich die Nachfrage dagegen positiv. Der europäische Auftragsbestand für Elektroautos lag mehr als 50 Prozent über dem Stand zum Jahresende 2025. Insgesamt stieg der Auftragsbestand in Europa um rund zwölf Prozent. Für die neue elektrische Kleinwagenfamilie rund um den ID. Polo lagen nach Unternehmensangaben bereits mehr als 70.000 Bestellungen vor.
Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen nun eine Umsatzentwicklung zwischen minus drei und null Prozent. Die Prognose für die operative Umsatzrendite bestätigte der Konzern dagegen bei 4,0 bis 5,5 Prozent. Damit müsste sich die Marge in der zweiten Jahreshälfte gegenüber den im ersten Halbjahr erreichten 3,8 Prozent verbessern.
Der Netto-Cashflow des Automobilbereichs soll 2026 zwischen drei und sechs Milliarden Euro erreichen. Für die Nettoliquidität erwartet Volkswagen zum Jahresende einen Wert zwischen 32 und 34 Milliarden Euro. Die Investitionsquote soll weiterhin zwischen elf und zwölf Prozent liegen.
Zu den Risiken zählt der Konzern Einschränkungen im internationalen Handel, geopolitische Spannungen, einen intensiveren Wettbewerb sowie schwankende Rohstoff-, Energie- und Wechselkurse. Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Mai die jährliche Belastung des operativen Ergebnisses durch Zölle mit rund fünf Milliarden Euro beziffert. Die aktuelle Jahresprognose beruht auf der Annahme, dass sich die bestehende Zollsituation nicht weiter verschärft.
Finanzvorstand und Chief Operating Officer Arno Antlitz bezeichnete die operative Marge von 3,8 Prozent als zu niedrig. Volkswagen müsse seine Kostenbasis strukturell senken, die Effizienz in den Werken steigern, Entwicklungsprozesse beschleunigen und die Komplexität bei Modellen, Plattformen sowie Entscheidungsstrukturen reduzieren.
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