
Am Sonntagabend hat ein schweres Unwetter in Glückstadt und mehreren angrenzenden Orten im Kreis Steinburg erhebliche Schäden angerichtet. Gegen 18.50 Uhr zog eine rotierende Gewittererscheinung von der Elbe kommend über das Gebiet. Die dokumentierten Schäden sprechen nach Einschätzung privater Wetterexperten für einen Tornado in Glückstadt. Eine abschließende Bestätigung durch den Deutschen Wetterdienst lag am Montagmorgen jedoch noch nicht vor.
Besonders betroffen waren ein Industriegebiet und eine Reihenhaussiedlung in Glückstadt. In der Straße Der Keil wurde das Flachdach einer Halle durch den Wind beschädigt. Anschließend zog das Unwetter über den Bühler Weg. Dort wurden mehrere Hausdächer teilweise abgedeckt. Zudem zerbrachen Fensterscheiben. Herumfliegende Dachziegel und andere Trümmerteile beschädigten weitere Gebäude und Gegenstände.
Die Spur setzte sich in Richtung Engelbrechtsche Wildnis fort. In der Siedlung Herzhorner Rhin zwischen Glückstadt und Herzhorn wurden nach bisherigen Erkenntnissen acht Häuser schwer und vier weitere Gebäude leichter beschädigt. Teilweise flogen Dachpfannen davon. Gartenhäuser wurden aus ihren Verankerungen gerissen. Insgesamt registrierte die Polizei in und um Glückstadt Schäden an etwa 40 bis 50 Gebäuden.
Eine Anwohnerin aus Engelbrechtsche Wildnis berichtete, sie habe während des Abendessens eine weiße Wand auf das Haus zukommen sehen. Kurz darauf sei eine Fensterscheibe mit einem lauten Knall zerbrochen und Gegenstände seien durch den Raum geflogen. Auch andere Bewohner schilderten einen plötzlich einsetzenden, extrem starken Wind.
Trotz der erheblichen Zerstörungen wurde nach dem bisherigen Stand niemand verletzt. Mehrere Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser jedoch vorübergehend verlassen. In einzelnen Gebäuden war zunächst nicht klar, ob sie gefahrlos betreten werden konnten. Andere Bewohner konnten wegen beschädigter Dächer und zerbrochener Fenster in der Nacht nicht zurückkehren.
Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Einsatzkräfte sicherten beschädigte Dächer, beseitigten lose Bauteile und kontrollierten die betroffenen Gebäude. Eine belastbare Gesamtzahl der eingesetzten Feuerwehrleute und THW-Kräfte wurde bis Montagmorgen nicht veröffentlicht.
Die Polizei schätzte den entstandenen Schaden zunächst auf einen Betrag im sechs- bis siebenstelligen Eurobereich. Eine genauere Summe dürfte sich erst nach der Begutachtung sämtlicher Gebäude, Fahrzeuge und technischer Anlagen ermitteln lassen.
Auch außerhalb des unmittelbaren Schadensgebiets wurden Folgen des Unwetters gemeldet. In Groß Offenseth-Aspern im benachbarten Kreis Pinneberg hob der Sturm einen rund zwölf Meter langen Container an. Dadurch wurden nach ersten Angaben drei bis vier Autos beschädigt.
Das Unwetter beeinträchtigte außerdem den Bahnverkehr im Südwesten Schleswig-Holsteins. Auf der Strecke zwischen Elmshorn und Itzehoe knickte ein Mast der Oberleitung um. Die elektrische Leitung wurde dabei beschädigt.
Auf der Verbindung, die auch über Glückstadt führt, kam es deshalb am Montag zu Verspätungen. Die Bahn rechnete damit, dass die Beeinträchtigungen bis in den Nachmittag andauern könnten. Reisende mussten sich auf veränderte Fahrzeiten und mögliche Einschränkungen einstellen.
Ob es sich bei dem Unwetter zweifelsfrei um einen Tornado handelte, war am Montagmorgen von staatlicher Seite noch nicht abschließend bestätigt. Der Deutsche Wetterdienst kündigte eine Prüfung der verfügbaren Wetterdaten, Augenzeugenberichte und Schadensbilder an. Tornados sind wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung selbst mit Wetterradar nicht immer direkt zu erkennen.
Die private Dokumentationsplattform Tornadoliste Deutschland führt das Ereignis dagegen bereits als bestätigten F1-Tornado. Als betroffene Orte nennt sie Glückstadt, Engelbrechtsche Wildnis und Herzhorn. Die Einstufung F1 erfolgt anhand des beobachteten Schadensbildes. Sie ist jedoch nicht mit einer abschließenden amtlichen Bewertung des Deutschen Wetterdienstes gleichzusetzen.
Tornados treten auch in Deutschland regelmäßig auf. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes werden im langjährigen Durchschnitt etwa 49 Fälle pro Jahr erfasst. Ein Teil davon entsteht über dem Wasser und wird als Wasserhose bezeichnet. Die meisten Tornados bleiben vergleichsweise schwach und verursachen nur lokal begrenzte Schäden. Ereignisse mit zahlreichen beschädigten Wohngebäuden sind deutlich seltener.
Die Angaben zu Zeitpunkt und Einstufung, den beschädigten Gebäuden, den Evakuierungen, dem Bahnverkehr sowie zur vorläufigen Schadenshöhe entsprechen dem verfügbaren Stand vom Montagmorgen.
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