Anthropic-Partnerschaft lässt Accenture-Aktie nachbörslich anspringen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Accenture baut seine Zusammenarbeit mit dem KI-Unternehmen Anthropic deutlich aus. Der Beratungskonzern und der Entwickler des KI-Modells Claude wollen ein neues Team schaffen, das direkt bei Anthropic an der Bewertung und Absicherung besonders leistungsfähiger KI-Modelle arbeitet. Beide Unternehmen erwarten, über einen Zeitraum von fünf Jahren jeweils mindestens eine Milliarde US-Dollar in den Aufbau entsprechender Kapazitäten zu investieren. Die Accenture-Aktie reagierte am Freitagabend im nachbörslichen Handel mit deutlichen Kursgewinnen.

Die neue Accenture Anthropic Partnerschaft ist dabei keine vollständig neue Geschäftsbeziehung. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit 2025 enger zusammen. Im Dezember hatten sie eine mehrjährige Kooperation angekündigt, die vor allem den Einsatz von Claude bei Unternehmenskunden beschleunigen soll. Rund 30.000 Accenture-Beschäftigte sollten dafür im Umgang mit Anthropic-Technologien geschult werden. Die jetzt vorgestellte Vereinbarung erweitert diese Zusammenarbeit um einen Schwerpunkt, der stärker auf Sicherheit, Kontrolle und die technische Bewertung fortgeschrittener KI-Systeme zielt.

Accenture-Team soll direkt bei Anthropic arbeiten

Kern der neuen Vereinbarung ist ein Team sogenannter Embedded Evaluators. Diese Fachleute sollen gemeinsam mit internen Teams und weiteren Sicherheitspartnern von Anthropic KI-Modelle untersuchen. Dazu gehören sogenannte Red-Teaming-Verfahren, bei denen gezielt nach Schwachstellen und unerwünschtem Verhalten gesucht wird, Bewertungen zur Ausrichtung der Modelle sowie Tests technischer Schutzmechanismen.

Nach Angaben der Unternehmen sollen die externen Prüfer einen Zugang erhalten, der in bestimmten Bereichen mit dem von Anthropic-Beschäftigten vergleichbar ist. Dadurch sollen mögliche Probleme früher erkannt werden können als bei einer ausschließlich externen Prüfung bereits fertig entwickelter Systeme. Viele Einzelheiten dieses Modells werden nach Angaben von Anthropic allerdings noch ausgearbeitet.

Eine wichtige Rolle übernimmt Faculty, das auf angewandte künstliche Intelligenz und KI-Sicherheit spezialisierte britische Unternehmen, das Accenture im März 2026 vollständig übernommen hat. Faculty soll die Zusammenarbeit auf Seiten von Accenture führen. Das Unternehmen verfügt unter anderem über Erfahrung mit Modelltests und KI-Projekten in staatlichen Einrichtungen, im Gesundheitswesen und in kritischer Infrastruktur.

Mindestens zwei Milliarden Dollar über fünf Jahre

Accenture und Anthropic erklärten, jeweils mindestens eine Milliarde Dollar über fünf Jahre investieren zu wollen. Zusammengenommen ergibt sich daraus ein erwartetes Investitionsvolumen von mindestens zwei Milliarden Dollar. Die Zahl sollte jedoch nicht mit einem Kaufpreis oder einer Zahlung von Accenture an Anthropic gleichgesetzt werden. Die Unternehmen sprechen vom Aufbau von Kapazitäten für KI-Sicherheit und Modellbewertung. Eine detaillierte Aufteilung der geplanten Ausgaben legten sie zunächst nicht vor.

Damit erhält die Partnerschaft eine Größenordnung, die über ein einzelnes Beratungsprojekt hinausgeht. Für Accenture ist die Vereinbarung zugleich eine Möglichkeit, Kompetenzen rund um die technische Prüfung besonders leistungsfähiger KI-Systeme auszubauen. Diese Fähigkeiten gewinnen für Unternehmen an Bedeutung, wenn KI-Anwendungen nicht mehr nur Texte erzeugen, sondern zunehmend auf Unternehmensdaten zugreifen, Software erstellen oder eigenständig mehrstufige Aufgaben bearbeiten.

Accenture-Aktie steigt nach schwachem Handelstag

An der Börse fiel die unmittelbare Reaktion deutlich aus. Die Accenture-Aktie hatte den regulären Handel an der New York Stock Exchange am Freitag, 18. September, bei 181,29 Dollar beendet. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Minus von 4,73 Prozent.

Nach Bekanntgabe der Anthropic-Vereinbarung drehte der Kurs im nachbörslichen Handel nach oben. Kurz vor dem Ende der erweiterten Handelssitzung wurde die Aktie gegen 19:59 Uhr New Yorker Zeit bei 195,88 Dollar ausgewiesen. Das waren 14,59 Dollar oder 8,05 Prozent mehr als der reguläre Schlusskurs. Frühere Kursmeldungen während des nachbörslichen Handels hatten ein Plus von etwa 7 bis 7,3 Prozent ausgewiesen. Solche Angaben können voneinander abweichen, weil sie unterschiedliche Zeitpunkte innerhalb des nachbörslichen Handels abbilden.

Die Bewegung folgte damit auf einen für Accenture zunächst schwachen Börsentag. Aus der kurzfristigen Kursreaktion lässt sich allerdings nicht ableiten, welchen finanziellen Beitrag die neue Zusammenarbeit künftig zum Umsatz oder Gewinn des Konzerns leisten wird. Angaben zu erwarteten Erlösen aus der Vereinbarung veröffentlichten die Unternehmen zunächst nicht.

Accenture wächst weiter, doch Neuaufträge gingen zurück

Accenture befindet sich zugleich in einer Phase, in der der Konzern seine klassischen Beratungs- und IT-Dienstleistungen stärker auf künstliche Intelligenz ausrichtet. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Ende Mai abgeschlossen wurde, lag der Umsatz bei 18,72 Milliarden Dollar. Das waren sechs Prozent mehr in US-Dollar und drei Prozent mehr auf Basis konstanter Wechselkurse als ein Jahr zuvor.

Die Neuaufträge lagen im Quartal bei 19,32 Milliarden Dollar und damit zwei Prozent unter dem Vorjahreswert in US-Dollar. Die operative Marge stieg auf 17,0 Prozent. Der Nettogewinn lag bei 2,39 Milliarden Dollar, der freie Cashflow bei 3,60 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet Accenture bislang ein Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent in lokalen Währungen.

Die jüngsten Zahlen zeigen damit ein gemischtes Bild aus weiterem Umsatz- und Ergebniswachstum sowie etwas schwächeren Auftragseingängen. Zugleich hatte das Management auf eine steigende Zahl größerer Programme hingewiesen, bei denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse umfassend mit KI-Technologien verändern wollen. Die endgültigen Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2026 will Accenture am 1. Oktober veröffentlichen.

Berater kämpfen um die Rolle zwischen KI-Anbietern und Kunden

Die Anthropic-Vereinbarung steht in einem breiteren Wettbewerb um das Geschäft mit künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Große Beratungshäuser versuchen, sich als Bindeglied zwischen Entwicklern leistungsfähiger KI-Modelle und Konzernen zu positionieren, die diese Technologie in ihre bestehenden IT-Systeme, Datenbestände und Geschäftsprozesse integrieren wollen.

Accenture setzt dabei nicht ausschließlich auf Anthropic. Ende 2025 vereinbarte der Konzern auch eine umfangreiche Zusammenarbeit mit OpenAI. Zehntausende Accenture-Mitarbeiter sollten ChatGPT Enterprise einsetzen und entsprechende Qualifikationen erwerben. Mit Google Cloud wurde die Partnerschaft ebenfalls erweitert. Erst Anfang September gründeten beide Unternehmen eine eigene Gemini Enterprise Business Group und kündigten unter anderem den Aufbau einer 1.000 Personen starken Gruppe spezialisierter Entwicklungsingenieure an.

Diese parallelen Partnerschaften zeigen, dass Accenture im Wettbewerb um KI-Dienstleistungen nicht auf einen einzigen Modellanbieter setzt. Für Unternehmenskunden kann eine solche Strategie relevant sein, weil sich Anforderungen je nach Branche, Regulierung, vorhandener Cloud-Infrastruktur und gewünschtem KI-Modell unterscheiden. Für die großen KI-Entwickler wiederum sind Beratungsunternehmen ein wichtiger Vertriebskanal, weil sie Zugang zu internationalen Großkunden und deren komplexen IT-Landschaften haben.

KI-Sicherheit wird zum eigenen Geschäftsfeld

Die neue Kooperation mit Anthropic erweitert diesen Wettbewerb um einen weiteren Bereich. Neben der Einführung von KI-Systemen wird auch ihre unabhängige Prüfung zu einem möglichen Geschäftsfeld. Unternehmen müssen zunehmend klären, wie zuverlässig automatisierte Systeme arbeiten, welche Zugriffsrechte sie erhalten und wie sich Fehlverhalten erkennen oder begrenzen lässt.

Anthropic stellt Fragen der Modellsicherheit seit seiner Gründung besonders stark in den Mittelpunkt seiner öffentlichen Positionierung. Die Vereinbarung mit Accenture soll nun einen Ansatz erproben, bei dem externe Experten wesentlich näher am Entwicklungsprozess arbeiten. Offiziell bestätigt war zunächst, dass die Teams Modelle bewerten, Schutzmechanismen testen und sogenannte Alignment-Prüfungen durchführen sollen. Unklar blieb zunächst, wie groß das Evaluatorenteam sein wird und wie die angekündigten Milliardeninvestitionen im Einzelnen verteilt werden.

Für Accenture kommt die Vereinbarung zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Wettbewerb zwischen Beratungsunternehmen, Cloud-Konzernen und KI-Entwicklern beschleunigt. Der Konzern versucht, sowohl bei der Einführung von KI in Unternehmen als auch bei deren technischer Absicherung eine zentrale Rolle einzunehmen. Ob und in welchem Umfang daraus zusätzliche Erlöse entstehen, lässt sich aus der Partnerschaftsankündigung allein noch nicht ableiten.

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