
Der Ausverkauf bei Staatsanleihen setzt sich fort. Die Renditen wichtiger Staatspapiere in den USA, Deutschland und Japan bewegen sich auf Niveaus, die teilweise seit vielen Jahren nicht mehr erreicht wurden. Hohe Energiepreise haben die Inflationssorgen zuletzt verstärkt. Gleichzeitig haben mehrere große Zentralbanken ihre Leitzinsen angehoben, während die Finanzmärkte mit weiteren Zinsschritten rechnen.
Besonders deutlich ist die Bewegung am US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag am Freitag zeitweise bei 5,2297 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Zuletzt lag sie bei 5,217 Prozent. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen lag bei 5,5252 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2004. Steigende Renditen bedeuten bei bestehenden Anleihen fallende Kurse.
Allein seit der Sitzung der US-Notenbank im Juni ist die Rendite zehnjähriger Treasuries um rund 0,70 Prozentpunkte gestiegen. Seit Anfang März liegt der Anstieg bei rund 1,25 Prozentpunkten. Neben höheren Zinserwartungen spielen robuste Wachstumsdaten, Energiepreise und die hohe staatliche Kreditaufnahme eine Rolle.
Die Federal Reserve hatte ihren Leitzinskorridor am 16. September um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Die Notenbank begründete den Schritt mit der weiterhin erhöhten Inflation und einer zugleich soliden wirtschaftlichen Entwicklung. An den Finanzmärkten wurden am Freitag weitere Zinserhöhungen der Fed eingepreist.
Auch im Euroraum stehen Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im September zeitweise über 3,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Bereich seit 2009. Am Freitag lag sie nach einem leichten Rückgang bei rund 3,57 Prozent. Noch am Donnerstag hatte die Rendite bei 3,547 Prozent gelegen und damit nur knapp unter ihrem vorherigen 17-Jahres-Hoch.
Die Europäische Zentralbank hatte am 10. September ihre drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagensatz liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Die EZB verwies ausdrücklich auf Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten und erwartet für 2026 im Basisszenario eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent.
Unmittelbar nach der EZB-Entscheidung waren die Renditen europäischer Staatsanleihen kräftig gestiegen. Gleichzeitig hatten höhere Energiepreise die Erwartungen zusätzlicher Zinsschritte verstärkt. Auch stärker verschuldete Eurostaaten gerieten unter zusätzlichen Druck.
Ein wichtiger Auslöser der jüngsten Bewegung an den Anleihemärkten war der kräftige Anstieg der Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten. Anfang September stieg der Ölpreis zeitweise wieder über 105 Dollar je Barrel. Dadurch nahm die Sorge zu, dass höhere Energie- und Transportkosten die Inflation länger über den Zielwerten der Zentralbanken halten könnten.
Am Freitag gingen die Ölpreise allerdings um rund ein Prozent zurück. Berichte über mögliche diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran sorgten vorübergehend für Entspannung. Die Anleihemärkte stabilisierten sich dennoch nicht. Die zehnjährigen US-Renditen markierten trotz des Ölpreisrückgangs neue langjährige Höchststände.
Damit wird deutlich, dass der Renditeanstieg nicht allein vom täglichen Ölpreis abhängt. Entscheidend sind auch die Erwartungen über die Inflation der kommenden Monate und Jahre sowie die Frage, wie lange die Zentralbanken ihre Geldpolitik straff halten oder die Zinsen weiter erhöhen.
Steigende Staatsanleiherenditen wirken weit über den Anleihemarkt hinaus. Sie erhöhen die Finanzierungskosten für Staaten und beeinflussen zugleich die Konditionen für Unternehmen, Immobilienkäufer und Verbraucher. In den USA stieg der Zinssatz für 30-jährige Immobilienkredite zuletzt wieder über sieben Prozent.
Zugleich müssen Regierungen große Finanzierungsvolumina am Markt unterbringen. Allein der Bund rechnet 2026 mit einer Kreditaufnahme von 525,5 Milliarden Euro, einschließlich Refinanzierungen und Finanzierungsbedarf der Sondervermögen. Steigende Renditen erhöhen damit schrittweise auch die Kosten der öffentlichen Verschuldung.
Der aktuelle Ausverkauf bei Staatsanleihen ist deshalb das Ergebnis mehrerer Belastungsfaktoren. Energiepreise und Inflationsrisiken treffen auf höhere Leitzinsen, Erwartungen weiterer Straffungen, robuste Konjunkturdaten und einen hohen Finanzierungsbedarf der Staaten. Selbst der Ölpreisrückgang am Freitag reichte zunächst nicht aus, um den Renditeanstieg an den wichtigsten Anleihemärkten zu stoppen.
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