Deutsche Bally-Tochter insolvent: Ausverkauf in Metzingen geplant

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Die Krise der Schweizer Luxusmarke Bally erreicht Deutschland. Die deutsche Vertriebsgesellschaft B. D. Retail Deutschland GmbH mit Sitz in München hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht München ordnete am 16. September 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Im letzten verbliebenen deutschen Bally-Geschäft in Metzingen soll nun ein Ausverkauf vorbereitet werden. Für die traditionsreiche Marke bedeutet das jedoch nicht automatisch das vollständige Aus.

Das Verfahren wird beim Amtsgericht München unter dem Aktenzeichen 1500 IN 3348/26 geführt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Henrik Brandenburg bestellt. Verfügungen der Gesellschaft sind nach dem gerichtlichen Beschluss nur noch mit seiner Zustimmung wirksam. Ein reguläres Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet.

Ausverkauf im Bally-Store in Metzingen

Die B. D. Retail Deutschland GmbH war bislang für das Deutschlandgeschäft der Schweizer Luxusmarke zuständig und firmierte zuvor als Bally Deutschland GmbH. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters gegenüber der WirtschaftsWoche sind die Beschäftigten der noch bestehenden Filiale in Metzingen bereits über die Situation informiert worden. Dort werde ein Schlussverkauf vorbereitet.

Dass Bally in Metzingen weiterhin vertreten ist, bestätigt auch die Outletcity. Dort wurden Mitte September noch zahlreiche Bally-Produkte und zusätzliche Preisnachlässe angeboten. Der Standort gilt nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren als letzter verbliebener eigener Bally-Store in Deutschland.

Wie viele Beschäftigte unmittelbar von dem deutschen Verfahren betroffen sind, wurde zunächst nicht öffentlich beziffert. Auch zu einer möglichen Fortführung oder Verwertung des Deutschlandgeschäfts lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Deutsche Gesellschaft war bereits finanziell geschwächt

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der deutschen Gesellschaft waren bereits vor dem Insolvenzantrag in ihren veröffentlichten Jahresabschlüssen erkennbar. Für 2024 werden eine Bilanzsumme von rund 5,6 Millionen Euro und ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von gut vier Millionen Euro ausgewiesen. Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Gesellschaft 14 Mitarbeiter. Das Jahresergebnis lag 2024 zwar leicht im Plus, die bilanzielle Unterdeckung bestand jedoch fort.

Im Jahresabschluss für 2023 war zudem eine Patronatserklärung der Schweizer Muttergesellschaft dokumentiert. Danach sollte Bally International der deutschen Tochter bis Ende Mai 2026 ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit diese ihre fälligen Verpflichtungen erfüllen konnte.

Der Insolvenzantrag erfolgte damit nur wenige Monate nach Ablauf des damals genannten Zeitraums. Ob zwischen beiden Vorgängen ein unmittelbarer Zusammenhang besteht, ist nicht bestätigt.

Bally befindet sich auch in der Schweiz im Umbau

Die deutsche Insolvenz ist Teil einer deutlich größeren Krise des Unternehmens. Die Bally Schuhfabriken GmbH in der Schweiz erhielt am 15. Juni 2026 vom Kantonsgericht Zug eine provisorische Nachlassstundung bis zum 15. Oktober. Als Sachwalterin wurde die Transliq AG eingesetzt. Wenige Tage zuvor war der Unternehmenssitz von Caslano im Tessin nach Zug verlegt worden.

Eine Nachlassstundung ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren. Sie soll einem Unternehmen Zeit verschaffen, seine finanzielle Lage zu ordnen und Sanierungsmöglichkeiten zu prüfen. Sie ist deshalb nicht mit einem bereits eröffneten Konkurs gleichzusetzen.

Besonders einschneidend war für Bally 2026 das Ende der eigenen Schuhproduktion in der Schweiz. Am traditionsreichen Standort Caslano wurde die Fertigung nach 175 Jahren eingestellt. Die letzten 27 Beschäftigten in der Produktion verloren ihre Stellen. Noch wenige Jahre zuvor hatte der Standort deutlich mehr Mitarbeiter beschäftigt.

Auch das Filialnetz in der Schweiz wurde verkleinert. Unter anderem wurden Geschäfte in Genf, Luzern, Basel, Lugano und Lausanne geschlossen. Parallel dazu liefen weitere Restrukturierungsmaßnahmen innerhalb des Konzerns.

Regent hatte Bally erst 2024 übernommen

Bally wurde 1851 im schweizerischen Schönenwerd gegründet und entwickelte sich von einem Schuhhersteller zu einer international bekannten Luxusmarke für Schuhe, Taschen, Lederwaren, Accessoires und Bekleidung. Zu den bekanntesten Kapiteln der Unternehmensgeschichte gehört die Erstbesteigung des Mount Everest 1953. Tenzing Norgay trug dabei speziell entwickelte Bally-Stiefel.

Im August 2024 verkaufte die Investmentgesellschaft JAB die Bally International AG an die US-amerikanische Investmentfirma Regent. Ein Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Regent erklärte damals, die traditionsreiche Marke weiterentwickeln zu wollen.

Noch im August 2026 bekräftigte Regent gegenüber dem Branchenmagazin WWD sein langfristiges Engagement bei Bally. Das internationale Geschäft wurde zu diesem Zeitpunkt fortgeführt, auch Geschäfte außerhalb der betroffenen Märkte blieben geöffnet. Die laufenden Verfahren betreffen damit einzelne Gesellschaften innerhalb der Unternehmensstruktur und bedeuten nicht, dass die Marke Bally weltweit eingestellt ist.

Mit dem Insolvenzantrag der deutschen Tochter verschärft sich die Lage dennoch weiter. In Deutschland konzentriert sich die unmittelbare Entwicklung nun auf das Insolvenzverfahren und den angekündigten Ausverkauf in Metzingen. In der Schweiz läuft parallel die Nachlassstundung der Bally Schuhfabriken GmbH. Welche Strukturen der 175 Jahre alten Luxusmarke langfristig erhalten bleiben, war am Freitag noch offen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu