
Schweden. Das Land, das jahrelang als Vorbild für digitales Bezahlen galt, stärkt wieder die Rolle von Scheinen und Münzen. Seit dem 1. Juli 2026 müssen viele Lebensmittelgeschäfte und Apotheken Bargeld annehmen. Bargeld in Schweden ist damit nicht mehr nur eine private Vorliebe, sondern Teil der staatlichen Vorsorge für Alltag, Ausfälle und Krisen.
Die neue Pflicht betrifft Lebensmittelgeschäfte im Einzelhandel und Apotheken, wenn sie ein physisches Geschäft mit bemannter Kasse betreiben. Als Bargeld gelten nach dem Gesetz Banknoten und Münzen. Die Pflicht ist begrenzt: Händler müssen Bargeld nur bis zu einer gesetzlich festgelegten Obergrenze und bis höchstens 25 Münzen annehmen. Ausnahmen sind möglich, etwa wenn die Sicherheit am Verkaufsort nicht gewährleistet werden kann oder die Kosten der Bargeldbearbeitung den Weiterbetrieb gefährden würden.
Die schwedische Regierung begründet den Kurswechsel mit zwei Punkten: Menschen ohne digitale Zahlungswege sollen weiter Lebensmittel und Medikamente kaufen können, und das Zahlungssystem soll widerstandsfähiger werden. SVT ordnet die neue Regelung als Schutz vor digitaler Ausgrenzung und als Beitrag zur Krisenvorsorge ein. Die Bargeldpflicht in Schweden ist damit keine Abkehr vom digitalen Bezahlen, sondern eine Absicherung für den Fall, dass digitale Systeme zeitweise nicht funktionieren.
Die Riksbank empfiehlt Haushalten seit März 2026, pro erwachsener Person rund 1.000 schwedische Kronen in Bargeld zu Hause zu haben, möglichst in unterschiedlichen Stückelungen. Das Geld soll als Richtwert für notwendige Einkäufe über etwa eine Woche dienen. Gleichzeitig sollen seit dem 1. Juli erweiterte Kartenzahlungen ohne Internet möglich sein, etwa für Lebensmittel, Medikamente und Kraftstoff. Dafür braucht man eine physische Karte und die PIN.
Die Riksbank verweist in ihrem Zahlungsbericht 2026 auf Risiken durch Cyberangriffe. Im Frühjahr 2025 waren demnach BankID und Swish mehrfach durch DDoS Angriffe gestört. Später nahm die Zahl solcher Angriffe ab, die Bedrohungslage blieb nach Einschätzung der Zentralbank aber bestehen. Das belegt nicht, dass ein einzelner Angriff die neue Bargeldpflicht ausgelöst hat. Es zeigt aber, warum Schweden Zahlungsausfälle inzwischen stärker als Frage der nationalen Widerstandsfähigkeit behandelt.
Der Unterschied zu Deutschland ist groß. In Schweden bezahlten 2025 nur noch 5 Prozent der Befragten ihren letzten Einkauf im Laden bar. Karten in physischer oder mobiler Form kamen zusammen auf rund 92 Prozent. In Deutschland wurden 2025 laut Bundesbank erstmals mehr alltägliche Zahlungen bargeldlos als bar erledigt, der Bargeldanteil lag aber weiterhin bei 45 Prozent. In der Eurozone bleibt Bargeld nach Angaben der EZB im stationären Handel noch das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel.
Schweden führt Bargeld nicht als dominantes Zahlungsmittel zurück. Der Staat verhindert aber, dass Bargeld aus kritischen Bereichen des Alltags verschwindet. Banken sollen zudem mehr Verantwortung für Bargeldeinzahlungen übernehmen, Unternehmen sollen passende Dienste für Wechselgeld und Tageskassen erhalten. Damit entsteht ein Modell, das auch für andere stark digitalisierte Länder relevant ist: Bezahlen soll schnell und bequem bleiben, aber nicht vollständig von funktionierenden Netzen, Apps und Karteninfrastruktur abhängen.
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