
Bayer ist mit einem operativ besseren ersten Quartal in das Jahr 2026 gestartet und hält an seiner währungsbereinigten Jahresprognose fest. Der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern meldete für die ersten drei Monate einen Umsatz von 13,405 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt entsprach das einem Plus von 4,1 Prozent. Das bereinigte EBITDA stieg um 9,0 Prozent auf 4,453 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn verbesserte sich auf 2,763 Milliarden Euro.
Der wichtigste operative Impuls kam aus dem Agrargeschäft. Bayer profitierte im Bereich Crop Science von höheren Erlösen und einem deutlichen Ergebnisanstieg. Nach Angaben des Unternehmens entwickelte sich die Sparte besser als im Vorjahr. Der Ergebnisanstieg stand unter anderem im Zusammenhang mit einer beigelegten Lizenzfrage im Sojasaatgutgeschäft. Dadurch konnte Bayer Belastungen in anderen Bereichen teilweise ausgleichen.
In der Pharmasparte blieb der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt etwa auf Vorjahresniveau. Belastend wirkten weiter auslaufende Patentschutzfristen bei wichtigen Medikamenten. Bayer steht damit vor der Aufgabe, neue Medikamente und Therapieprogramme schneller in wirtschaftlich relevante Größenordnungen zu bringen. Genau in diesen Zusammenhang passt die angekündigte Übernahme des US-Unternehmens Perfuse Therapeutics. Das auf Netzhauttherapien spezialisierte Unternehmen entwickelt einen Wirkstoff, der bei diabetischer Retinopathie eingesetzt werden soll.
Der Schritt zeigt, dass Bayer trotz hoher Schulden und rechtlicher Altlasten weiter in neue Wachstumsfelder investiert. Strategisch ist das wichtig, weil der Konzern im Pharmageschäft Einnahmeverluste durch auslaufende Exklusivrechte ausgleichen muss. Ob Perfuse langfristig einen wesentlichen Ergebnisbeitrag leisten kann, blieb zunächst offen, da der zentrale Wirkstoffkandidat noch klinisch entwickelt wird.
Trotz der besseren operativen Entwicklung bleibt die Finanzlage angespannt. Der freie Cashflow lag im ersten Quartal bei minus 2,320 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Bayer einen negativen freien Cashflow von 1,528 Milliarden Euro ausgewiesen. Hauptgrund waren nach Unternehmensangaben Zahlungen zur Beilegung rechtlicher Verfahren, vor allem im Zusammenhang mit PCB und Glyphosat. Der Nettoabfluss aus solchen Zahlungen lag bei 2,002 Milliarden Euro.
Die Nettofinanzverschuldung stieg zum 31. März 2026 auf 32,518 Milliarden Euro. Ende 2025 hatte sie niedriger gelegen. Damit bleibt der Schuldenabbau eine zentrale Aufgabe für den Konzern. Bayer bestätigte dennoch die währungsbereinigte Jahresprognose für 2026.
Der größte Unsicherheitsfaktor bleibt die juristische Aufarbeitung der Roundup-Verfahren in den USA. Bayer hatte Monsanto 2018 übernommen und damit auch die Glyphosat-Rechtsrisiken geerbt. Der Konzern bestreitet eine Haftung und hält Glyphosat für sicher, sieht sich aber weiterhin mit zehntausenden Klagen konfrontiert.
Im Februar hatte Bayer einen Vergleichsrahmen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar vorgestellt, der aktuelle und künftige Roundup-Ansprüche erfassen soll. In Missouri erhielt der Vorschlag im März zunächst eine vorläufige Zustimmung. Eine endgültige Entscheidung wird im Juli 2026 erwartet. Zugleich gibt es Widerstand gegen Teile der Einigung. Ein Bundesrichter hatte Ende April Bedenken zum Umfang des Vergleichs geäußert.
Aktuell steht auch die Höhe möglicher Anwaltshonorare im Mittelpunkt. Anwälte, die an dem Vergleich beteiligt waren, beantragten 675 Millionen US-Dollar. Das wären weniger als zehn Prozent des vorgeschlagenen Vergleichsvolumens. Die Summe müsste noch gerichtlich gebilligt werden. Eine unabhängige Bestätigung, dass der Vergleich am Ende in der vorgesehenen Form umgesetzt wird, lag zunächst nicht vor.
Für Bayer ist die Einigung deshalb entscheidend, weil sie die Kostenrisiken planbarer machen könnte. Gleichzeitig ist der Vergleich noch nicht endgültig abgeschlossen. Kläger können bis Anfang Juni aus dem Vergleich aussteigen. Bayer hatte signalisiert, dass eine sehr breite Beteiligung für das Zustandekommen wichtig ist.
An der Börse reagierten Anleger zuletzt auf die Mischung aus solider operativer Entwicklung und weiter hohen Rechtsrisiken. Die Bayer-Aktie zeigte am 19. Mai 2026 eine Erholung und notierte nach mehreren schwächeren Handelstagen höher. Gleichzeitig lag der Kurs weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch.
Damit bleibt Bayer ein Konzern im Übergang. Operativ liefert das Agrargeschäft derzeit wichtige Unterstützung, während das Pharmageschäft neue Wachstumsimpulse braucht. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird aber sein, ob Bayer die milliardenschweren Rechtsrisiken tatsächlich verlässlich begrenzen kann.
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