
Das Bundeskriminalamt hat eine bundesweite Kampagne zu sechs ungeklärten Vermisstenfällen von Kindern und Jugendlichen gestartet. Unter dem Titel Spurlos Verschwunden sollen Fälle erneut in die Öffentlichkeit gerückt werden, bei denen seit Jahren entscheidende Hinweise fehlen. Der Start fällt auf den internationalen Tag der vermissten Kinder am 25. Mai. Im Mittelpunkt stehen nicht aktuelle Tatvorwürfe gegen einzelne Personen, sondern offene Vermisstenfälle, bei denen die Polizei weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung setzt.
Die Kampagne des BKA richtet den Blick auf sechs Kinder und Jugendliche, die zwischen 1985 und 2021 in Deutschland verschwanden und bis heute vermisst werden. Genannt werden Sven Hollstein, Sandra Wißmann, Katrin Konert, Inga Gehricke sowie die Geschwister Frieda und Alfons Schulz. Gemeinsam ist den Fällen, dass die Kinder oder Jugendlichen aus alltäglichen Situationen heraus verschwanden, etwa auf dem Heimweg, beim Einkaufen oder während eines Ausflugs.
Das BKA verweist darauf, dass jedes Jahr sehr viele Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet werden. Für 2025 nennt die Behörde rund 108.900 Vermisstenfälle. Die große Mehrheit der Betroffenen kehrt nach kurzer Zeit zurück oder wird gefunden. Einige Fälle bleiben jedoch über lange Zeit ungeklärt. Genau auf solche lang andauernden Fälle zielt die neue Kampagne. Die bundesweite BKA Fahndung in diesen sechs Fällen bleibt damit aktiv.
Zu den Fällen der Kampagne gehört Inga Gehricke aus Sachsen-Anhalt. Das Mädchen verschwand am 2. Mai 2015 im Bereich Wilhelmshof bei Stendal. Sie war damals fünf Jahre alt. Die Familie war dort bei einem Treffen befreundeter Familien zu Gast. Während der Vorbereitungen für das Abendessen verschwand das Kind nach Angaben der Polizei innerhalb weniger Minuten. Unmittelbare Suchmaßnahmen führten damals nicht zum Auffinden des Mädchens.
Seit Frühjahr 2023 ist bei der Polizeiinspektion Halle eine Ermittlungsgruppe mit dem Fall befasst. Was damals zum Verschwinden führte, blieb weiterhin ungewiss. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus. Durch die Aufnahme in die BKA-Kampagne soll der Fall nun bundesweit noch einmal sichtbarer werden. Für Hinweise, die zum Auffinden des Mädchens oder zur Bekanntgabe seines Aufenthaltsortes führen, ist durch die Polizei eine Belohnung von 25.000 Euro ausgelobt. Den gleichen Betrag hat ein Smoothie-Hersteller ausgesetzt, der Ende 2024 ein Alterungsbild auf Flaschen abdrucken ließ.
In Berlin weisen Polizei und Staatsanwaltschaft erneut auf den Fall Sandra Wißmann hin. Die damals Zwölfjährige verschwand am 28. November 2000 in Berlin-Kreuzberg. Sie wurde nach Angaben der Behörden zuletzt am Nachmittag im Bereich Hermannplatz und Kottbusser Damm gesehen. Ihr Verbleib ist ungeklärt. Die zuständige Mordkommission geht aufgrund der bisherigen Ermittlungen davon aus, dass sie Opfer eines Kapitalverbrechens wurde.
In Brandenburg steht zudem der Fall zweier Geschwister aus Cottbus im Fokus. Frieda und Alfons Schulz waren im August 2021 sieben und acht Jahre alt, als sie verschwanden. Nach einer gemeinsamen Mitteilung von Staatsanwaltschaft Cottbus und Polizeidirektion Süd wurden die Kinder damals von ihrer Mutter widerrechtlich dem familiären Umfeld entzogen. Aktuell wird ein Aufenthalt im Raum Frankfurt an der Oder für möglich gehalten.
Die Kampagne zeigt, dass Öffentlichkeitsfahndungen auch Jahre nach dem Verschwinden eines Kindes noch eine Rolle spielen können. Entscheidend können Beobachtungen sein, die zunächst unbedeutend wirkten, später aber neue Ermittlungsansätze ermöglichen. Das BKA verweist deshalb auf Hinweiswege zu den einzelnen Fällen und bittet darum, Informationen an die zuständigen Polizeistellen weiterzugeben.
Für Vermisstenfälle gilt grundsätzlich: Bei Kindern und Jugendlichen wird eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen, solange keine gegenteiligen Erkenntnisse vorliegen. Die Polizei Sachsen-Anhalt weist zudem darauf hin, dass für eine Vermisstenanzeige keine 24 oder 48 Stunden abgewartet werden müssen. Gerade bei Kindern, älteren Menschen, Erkrankungen oder Hinweisen auf eine Gefahrensituation ist schnelles Handeln wichtig.
Der internationale Tag der vermissten Kinder macht jedes Jahr auf Fälle aufmerksam, in denen Familien oft über Jahre ohne Gewissheit bleiben. Die neue BKA-Kampagne bündelt mehrere dieser Vermisstenfälle und soll die Chancen erhöhen, dass bislang nicht gemeldete Beobachtungen doch noch bei den Ermittlungsbehörden eingehen. Offiziell bestätigt ist damit vor allem der erneute bundesweite Fahndungsaufruf zu sechs offenen Fällen. Zu den genauen Umständen einzelner Fälle blieben je nach Fall weiterhin zentrale Fragen offen.
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