Feuerwehrnachwuchs in Münster übt den Ernstfall über den Dächern der Stadt

Feuerwehr Münster
Symbolbild: Dominik Schlatt Feuerwehr Münster

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Komplexe Einsatzlagen, enge Rettungswege und körperliche Belastung haben den aktuellen Grundausbildungslehrgang der Berufsfeuerwehr bei einer Feuerwehrübung in Münster gefordert. Die Nachwuchskräfte trainierten am Wochenende unter anderem im LVM-Hochhaus, im Turm von St. Lamberti und auf dem Gelände des Instituts der Feuerwehr NRW.

Warum Münster dringend neue Einsatzkräfte ausbildet

Die Übung steht für eine Entwicklung, die viele Feuerwehren betrifft: Nachwuchs wird gebraucht, weil Aufgaben komplexer werden und erfahrene Kräfte in den kommenden Jahren aus dem Dienst ausscheiden. Bei der Feuerwehr Münster umfasst der aktuelle Grundausbildungslehrgang 24 Frauen und Männer im Alter zwischen 22 und 30 Jahren. Nach den vorliegenden Angaben ist es der bislang größte Lehrgang dieser Art bei der Berufsfeuerwehr Münster.

Die Feuerwehr Münster ist deutlich größer aufgestellt, als im Alltag oft sichtbar wird. Zur Berufsfeuerwehr gehören nach Angaben der Stadt rund 400 feuerwehrtechnische Beamtinnen und Beamte. Hinzu kommt die Freiwillige Feuerwehr mit etwa 780 aktiven Mitgliedern im Einsatzdienst, organisiert in 20 Löschzügen. Die Berufsfeuerwehr arbeitet auf drei Feuer- und Rettungswachen sowie auf zwei Rettungswachen im Schichtdienst.

Hochhaus, Kirchturm, Bahnwagen: Die Übung setzte auf Kontraste

Der erste Schwerpunkt lag auf einer angenommenen Brandlage im LVM-Hochhaus am Kolde-Ring. Das Szenario war auf einen Einsatzbereich in 72 Metern Höhe ausgelegt. Für die Nachwuchskräfte bedeutete das: keine schnelle Lösung über die Drehleiter, sondern Materialtransport, Orientierung im Gebäude, Atemschutz, Teamarbeit und systematische Suche unter erschwerten Sichtbedingungen.

Kurz darauf folgte eine völlig andere Lage. Im Turm von St. Lamberti musste eine verletzte Person gefunden und gerettet werden. Die Besonderheit lag nicht allein in der Höhe, sondern in den engen Wegen des historischen Bauwerks. Die Türmerstube von St. Lamberti liegt nach Angaben der Stadt in 75 Metern Höhe über dem Prinzipalmarkt. Für Rettungskräfte sind solche Orte anspruchsvoll, weil klassische Transportmittel nur eingeschränkt nutzbar sind und jeder Handgriff auf engem Raum sitzen muss.

Auf dem Gelände des Instituts der Feuerwehr NRW wurde die Nacht mit weiteren Einsatzbildern fortgesetzt. Dort ging es unter anderem um eine regungslose Person auf einem Bahn-Kesselwagen, einen angenommenen Brand in einem ICE-Wagen und ein verunglücktes Auto an einem Hang. Die Übung bildete damit nicht nur Brandbekämpfung ab, sondern auch technische Hilfeleistung, Menschenrettung und medizinische Erstversorgung.

Die Ausbildung reicht weit über das Löschen von Bränden hinaus

Die Ausbildung zur Brandmeisterin oder zum Brandmeister dauert bei der Stadt Münster 18 Monate. Sie erfolgt im Beamtenverhältnis auf Widerruf und endet mit der Laufbahnprüfung. Zu den Inhalten gehören Fahrzeug- und Gerätekunde, Einsatzlehre, vorbeugende Gefahrenabwehr, Technische Hilfeleistung, Atemschutz, körperliche Leistungsfähigkeit und die Ausbildung zur Rettungssanitäterin oder zum Rettungssanitäter.

Genau diese Bandbreite spiegelte die Übungsnacht wider. Ein Brand in großer Höhe verlangt anderes Vorgehen als eine Rettung in einem historischen Kirchturm. Ein Einsatz an einem Bahnwagen stellt andere Anforderungen als ein medizinischer Notfall. Für die Nachwuchskräfte geht es deshalb nicht nur um Kondition, sondern auch um Lageeinschätzung, Kommunikation und die Fähigkeit, unter Druck sichere Entscheidungen zu treffen.

Münster ist ein wichtiger Feuerwehrstandort in NRW

Dass ein Teil der Übung am Institut der Feuerwehr NRW stattfand, gibt dem Einsatztraining zusätzliches Gewicht. Das Institut mit Sitz an der Wolbecker Straße ist nach eigenen Angaben die größte Feuerwehraus- und Fortbildungseinrichtung Deutschlands. Dort arbeiten mehr als 220 Beschäftigte, außerdem stehen 370 Internatsplätze für Veranstaltungen und Lehrgänge bereit.

Das Institut ist zentrale Ausbildungs- und Fortbildungsstelle für Führungskräfte der Feuerwehren und Organisationen der Gefahrenabwehr in Nordrhein-Westfalen. Für Münster bedeutet das: Die Stadt ist nicht nur Einsatzgebiet der eigenen Feuerwehr, sondern auch ein bedeutender Ausbildungsstandort für den Brand- und Katastrophenschutz im Land.

Was die Nachtübung für den späteren Dienst zeigt

Für die angehenden Feuerwehrleute war die lange Übungsnacht ein Belastungstest unter kontrollierten Bedingungen. Entscheidend war nicht ein einzelnes Szenario, sondern der schnelle Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Lagen. Genau das prägt den Feuerwehrdienst: Nach einem Brand kann ein medizinischer Notfall folgen, nach einer Rettung aus großer Höhe ein technischer Hilfeleistungseinsatz.

Die Feuerwehrübung Münster machte damit sichtbar, worauf die Ausbildung vorbereitet. Wer später im Einsatzdienst arbeitet, muss Geräte beherrschen, Menschen retten, Gefahren erkennen und im Team funktionieren. Die Übung in Hochhaus, Kirchturm und auf dem Trainingsgelände zeigte, wie nah Ausbildung und späterer Alltag bei der Berufsfeuerwehr beieinanderliegen.

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