
Drei Wochen nach dem schweren Lawinenunglück am Broad Peak in Pakistan ist die Suche nach den zehn Mitgliedern einer internationalen Bergsteigergruppe abgeschlossen. Am Freitag wurden die sterblichen Überreste der zuletzt noch nicht vollständig geborgenen US-amerikanischen Bergsteigerin gefunden. Damit konnten nach Angaben des Alpine Club of Pakistan alle zehn Toten der Ende Juli verunglückten Expedition geborgen werden. An der wochenlangen Suchaktion waren pakistanische Einsatzkräfte, erfahrene Höhenbergsteiger und freiwillige Helfer aus der Region beteiligt.
Das Unglück ereignete sich am Morgen des 30. Juli am Broad Peak im Karakorum. Nach den ersten offiziellen Angaben der Regionalregierung von Gilgit-Baltistan wurde die zehnköpfige internationale Expedition auf der Route zwischen Camp II und Camp III von einer Lawine erfasst. Der Kontakt zu der Gruppe brach ab. Die Expedition war bereits Ende Juni in die Region aufgebrochen und bestand aus Bergsteigern und Höhenpersonal aus mehreren Ländern.
Unmittelbar nach dem Verschwinden wurden Suchmaßnahmen eingeleitet. Beteiligt waren unter anderem die pakistanische Armee, die Polizei von Shigar, der Rettungsdienst Rescue 1122 sowie die Tourismusbehörden von Gilgit-Baltistan. Auch zivile Bergsteiger wurden in die Operation eingebunden. Hubschrauber der pakistanischen Armee unterstützten die Suche, konnten wegen des Wetters und der schwierigen Bedingungen in großer Höhe jedoch nicht durchgehend eingesetzt werden.
Zu der Gruppe gehörten ein britisch-nepalesischer Expeditionsleiter und weitere Höhenbergsteiger aus Nepal sowie Teilnehmer aus Pakistan, China, Oman und den Vereinigten Staaten. Insgesamt starben zehn Menschen. Unter ihnen befanden sich mehrere international erfahrene Alpinisten.
Der Expeditionsleiter hatte internationale Bekanntheit erlangt, nachdem er 2019 alle 14 Berge der Erde mit mehr als 8000 Metern Höhe innerhalb von 189 Tagen bestiegen hatte. Auch mehrere nepalesische Mitglieder der Gruppe verfügten über umfangreiche Erfahrung an Achttausendern. Die omanische Bergsteigerin der Expedition war 2019 als erste Frau ihres Landes auf dem Mount Everest gewesen. Für die 39 Jahre alte US-Amerikanerin war der Broad Peak dagegen der erste Versuch an einem Achttausender.
Zur Gruppe gehörte außerdem ein erfahrener pakistanischer Bergsteiger aus dem Norden des Landes. Ein chinesischer Teilnehmer vervollständigte die internationale Expedition. Über persönliche Hintergründe der Verstorbenen hinaus wurden von den zuständigen pakistanischen Stellen nur begrenzte Angaben veröffentlicht.
Schon in den ersten Tagen nach dem Unglück konnten mehrere Tote lokalisiert werden. Die Angaben über die Zahl der tatsächlich geborgenen Menschen änderten sich während der ersten Suchphase mehrfach, weil einige Körper zunächst nur aus der Luft oder durch Suchmannschaften entdeckt worden waren. Bis Anfang August waren sieben Tote vom Berg gebracht worden.
Die Bergung erwies sich im steilen Hochgebirgsgelände als schwierig. Schlechte Wetterbedingungen verhinderten zeitweise Hubschrauberflüge. Anfang August musste die Suche nach drei noch nicht vollständig geborgenen Mitgliedern der Gruppe vorübergehend eingestellt werden, weil weitere Lawinen drohten. Einer der Toten war zu diesem Zeitpunkt bereits lokalisiert worden, konnte wegen der Gefahrenlage aber zunächst nicht erreicht werden.
Am 13. August fanden freiwillige Helfer aus der Region schließlich die sterblichen Überreste des pakistanischen Bergsteigers in rund 5600 Metern Höhe und brachten sie zum Basislager. Bei den späteren Suchaktionen spielten lokale Freiwillige erneut eine entscheidende Rolle. Am 21. August wurden schließlich auch die sterblichen Überreste der zuletzt noch fehlenden US-Amerikanerin gefunden. Damit endete die rund dreiwöchige Bergungsaktion.
Der Broad Peak liegt im Karakorum im Norden Pakistans nahe der Grenze zu China und nur wenige Kilometer vom K2 entfernt. Mit einer Höhe von rund 8050 Metern ist er der zwölfthöchste Berg der Erde und zählt zu den 14 Achttausendern. Die genaue Höhenangabe variiert je nach verwendeter Vermessung geringfügig.
Der Berg wird regelmäßig von internationalen Expeditionen bestiegen. Die Bedingungen im Karakorum können sich jedoch schnell verändern. Lawinen, Eis und Steinschlag, große Höhe und schwer vorhersehbare Wetterwechsel erschweren sowohl Besteigungen als auch Rettungsmaßnahmen. Beim Lawinenunglück am Broad Peak Ende Juli kam hinzu, dass die Suchmannschaften über Tage hinweg in einem Gebiet arbeiten mussten, in dem weiterhin Lawinengefahr bestand.
Mit der Bergung der letzten sterblichen Überreste ist die Suche nach den Mitgliedern der Expedition nun abgeschlossen. Zu den genauen Umständen, unter denen sich die Lawine löste, und zu einer abschließenden Rekonstruktion des Unglücks lagen zunächst keine weitergehenden behördlichen Angaben vor.
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