
Die geplante Übernahme des MediaMarkt- und Saturn-Mutterkonzerns Ceconomy durch den chinesischen Handelsriesen JD.com hat eine wichtige Hürde noch nicht genommen. Die EU-Kommission prüft die Transaktion weiterhin nach den Regeln für drittstaatliche Subventionen. JD.com hat seine Zugeständnisse inzwischen nachgebessert. Reuters zufolge könnte das den Weg zu einer Genehmigung ebnen. Offiziell entschieden ist darüber jedoch noch nicht. Im Register der EU-Kommission ist der 4. November 2026 als vorläufige Entscheidungsfrist vermerkt.
Im Zentrum des Verfahrens steht nicht mehr die klassische kartellrechtliche Frage, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb durch eine zu starke Marktposition beschränkt. Die erforderlichen kartellrechtlichen Freigaben sind nach Angaben von Ceconomy bereits erteilt worden. In Deutschland hatte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss bereits im September 2025 genehmigt.
Die EU-Kommission untersucht stattdessen nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen, ob JD.com finanzielle Vorteile aus China erhalten haben könnte. Genannt wurden in der vorläufigen Prüfung unter anderem Finanzierungen zu Vorzugsbedingungen, Steueranreize und Zuschüsse. Die Behörde prüft, ob solche Vorteile JD.com ermöglicht haben könnten, besonders günstige Bedingungen für den Kauf von Ceconomy anzubieten oder die Wettbewerbsposition nach der Übernahme zu stärken.
Im August reichte JD.com Verpflichtungszusagen bei der EU-Kommission ein. Das geht auch aus dem offiziellen Fallregister hervor. Dadurch verlängerte sich die Prüfungsfrist zunächst um 15 Arbeitstage. Ende September kam eine weitere Verlängerung um sieben Arbeitstage hinzu. Als neue vorläufige Frist nennt die Kommission deshalb den 4. November.
Zu dem ursprünglichen Paket gehörte laut Reuters das Angebot, Ceconomy Zugang zu den europäischen Logistik- und Technologiekapazitäten von JD.com zu marktüblichen Bedingungen zu ermöglichen. Kleineren Wettbewerbern sollten entsprechende Leistungen zu fairen und diskriminierungsfreien Konditionen offenstehen. Nach Rückmeldungen von Kunden und Wettbewerbern habe JD.com dieses Angebot verbessert, berichtete Reuters am 2. Oktober unter Berufung auf eine mit dem Verfahren vertraute Person. Welche zusätzlichen Zusagen konkret aufgenommen wurden, wurde nicht öffentlich genannt.
Reuters berichtete unter Berufung auf die informierte Quelle, JD.com stehe inzwischen vor einer Zustimmung der EU. Die EU-Kommission, Ceconomy und JD.com äußerten sich dazu gegenüber Reuters nicht. Damit ist eine Freigabe bislang nicht offiziell bestätigt. Das Verfahren kann grundsätzlich mit der Annahme von Verpflichtungszusagen, einer Freigabe ohne Einwände oder einer Untersagung enden.
Die Ceconomy-Übernahme gehört zu den größeren Fällen unter der noch vergleichsweise jungen EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen. Sie gilt seit 2023 und soll verhindern, dass Unternehmen durch staatliche Unterstützung aus Ländern außerhalb der EU einen unfairen Vorteil bei Übernahmen oder im europäischen Binnenmarkt erhalten. Die Prüfung richtet sich deshalb nicht gegen chinesische Investitionen als solche, sondern gegen mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Finanzierung.
Der eigentliche Übernahmeprozess begann bereits 2025. JD.com bot den Ceconomy-Aktionären 4,60 Euro je Aktie in bar. Nach Ablauf der Annahmefristen waren rund 290,2 Millionen Aktien angedient worden. Das entspricht etwa 59,8 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte. Gemeinsam mit dem Anteil des Großaktionärs Convergenta ergibt sich nach Vollzug der vereinbarten Struktur eine Beteiligung von 85,2 Prozent.
Der Angebotspreis bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. Die Annahmefrist ist bereits beendet. Für Aktionäre, die ihre Papiere nicht angedient haben, bleibt deshalb vor allem die weitere Entwicklung der Börsennotierung relevant. JD.com hatte bereits im Zuge des Angebots darauf hingewiesen, dass nach Abschluss der Transaktion ein Delisting umgesetzt werden könnte. Ein konkreter Termin dafür steht derzeit nicht fest.
Ceconomy gehört mit MediaMarkt und Saturn zu den größten europäischen Elektronikhändlern. Im Geschäftsjahr 2024/25 beschäftigte der Konzern durchschnittlich gut 41.000 Menschen auf Vollzeitbasis. Insgesamt spricht das Unternehmen von rund 50.000 Beschäftigten. MediaMarkt und Saturn verfügen europaweit über ein Netz von mehr als 1.000 Märkten.
Für die Beschäftigten enthält die Investorenvereinbarung konkrete Schutzbestimmungen. JD.com hat sich für einen Zeitraum von drei Jahren nach Abschluss der Transaktion unter anderem verpflichtet, Ceconomy grundsätzlich nicht zu betriebsbedingten Kündigungen, zum Abbau der bestehenden Belegschaft oder zur Schließung wesentlicher Standorte und Märkte zu veranlassen. Auch bestehende Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und Mitbestimmungsstrukturen sollen respektiert werden.
Diese Verpflichtungen gelten allerdings nicht uneingeschränkt. Ausnahmen sind beispielsweise vorgesehen, wenn entsprechende Maßnahmen vom Ceconomy-Vorstand empfohlen und gegebenenfalls vom Aufsichtsrat genehmigt werden oder sich die Geschäfts- und Finanzlage wesentlich verschlechtert. Eine absolute Beschäftigungs- oder Standortgarantie ergibt sich daraus deshalb nicht.
Für Kunden von MediaMarkt und Saturn sind kurzfristig keine unmittelbar belegten Änderungen angekündigt. Die Marken und das stationäre Filialnetz sollen nach den bisherigen Vereinbarungen grundsätzlich fortgeführt werden. JD.com bringt vor allem umfangreiche Technologie-, Logistik- und E-Commerce-Kapazitäten in die geplante Partnerschaft ein. Ceconomy erwartet davon Unterstützung bei der weiteren Entwicklung seines Omnichannel-Geschäfts.
Nicht zugesagt sind dagegen bestimmte Preisvorteile, niedrigere Verbraucherpreise oder konkrete Änderungen bei Lieferzeiten und Sortimenten. Solche möglichen Effekte hängen von der späteren operativen Umsetzung ab. Ceconomy erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro, der Online-Anteil lag bei 26 Prozent. Für JD.com wäre die Übernahme damit ein bedeutender Schritt beim Ausbau seines Geschäfts außerhalb Chinas.
Unabhängig vom Verfahren der EU-Kommission spielt auch die nationale Investitionskontrolle eine Rolle. Ceconomy hatte bereits im März mitgeteilt, dass die Genehmigung in Österreich noch ausstand und die dortige Behörde Bedenken geäußert hatte. Anfang Oktober berichtete auch das Handelsblatt, dass die Transaktion dort weiterhin geprüft werde.
Damit hängt der endgültige Vollzug nicht allein von Brüssel ab. Bei der EU ist inzwischen aber ein klarer Zeitrahmen gesetzt: Spätestens bis zum derzeit vorgesehenen 4. November soll über das Verfahren nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen entschieden werden. Bis dahin bleibt die Ceconomy-Übernahme durch JD.com regulatorisch noch nicht abgeschlossen.
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