
Mit 93 Ja-Stimmen, 26 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen hat der Landtag in Stuttgart heute, am 13. Mai 2026, Cem Özdemir zum neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt. Der Grünen-Politiker wurde bereits im ersten Wahlgang bestätigt und folgt damit auf Winfried Kretschmann, der nach 15 Jahren als Regierungschef nicht mehr antrat. Mit Özdemir steht erstmals ein Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln an der Spitze eines deutschen Bundeslandes — ein historischer Moment für die Bundesrepublik.
Die Wahl im Stuttgarter Landtag verlief nach Plan. Özdemir, der vor seiner Rückkehr in die Landespolitik als Bundesminister für Bildung und Forschung in der Bundesregierung tätig war, erhielt eine klare Mehrheit. 93 Abgeordnete stimmten für ihn, 26 lehnten ihn ab. Bei einer Koalition aus Grünen und CDU, die zusammen über eine deutliche Mehrheit im Landtag verfügt, war das Ergebnis erwartet worden — doch die Symbolik des Moments war unübersehbar.
In seiner Antrittsrede betonte Özdemir den Anspruch, Ministerpräsident aller Menschen in Baden-Württemberg zu sein — unabhängig von Herkunft, Überzeugung oder politischer Einstellung. Er sprach von einem modernen, weltoffenen Südwesten, der wirtschaftliche Stärke mit sozialer Verantwortung verbinde. Baden-Württemberg solle Vorbild bleiben — für Deutschland und Europa.
Für die Grünen ist es ein bedeutender Moment: Özdemir wird nach Peter Hauk von der CDU zu einem der seltenen Fälle, in denen ein grüner Politiker nicht nur mitregiert, sondern tatsächlich das höchste Landesamt innehat. In Baden-Württemberg hatten die Grünen bei der Landtagswahl am 8. März 2026 mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU (29,7 Prozent) gewonnen — und damit das Recht zur Regierungsbildung für sich beansprucht.
Die neue Landesregierung aus Grünen und CDU hat sich in ihrem Koalitionsvertrag auf das Motto „Verantwortung fürs Land – Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten“ verständigt. Der Vertrag setzt auf mehrere Schwerpunkte, die sowohl grüne als auch konservative Handschriften tragen.
Zu den zentralen Vorhaben gehören: ein kostenloses und verpflichtendes letztes Kita-Jahr für alle Kinder in Baden-Württemberg, ein umfangreiches Bürokratieabbauprogramm für Unternehmen und Behörden sowie eine Senkung der Grunderwerbsteuer. Beim Thema Sicherheit setzt die Koalition auf erweiterte Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen — ein Punkt, der innerhalb der Grünen nicht unumstritten ist, aber auf CDU-Druck in den Vertrag aufgenommen wurde.
Wirtschaftspolitisch will die neue Landesregierung die Automobilindustrie in Baden-Württemberg beim Wandel zur Elektromobilität begleiten — ohne dabei die Zulieferketten zu vernachlässigen, die Hunderttausende Arbeitsplätze im Land sichern. Der Südwesten gilt als eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer Deutschlands, mit Großkonzernen wie Mercedes-Benz, Bosch und SAP.
Winfried Kretschmann hatte Baden-Württemberg seit 2011 regiert — länger als jeder andere grüne Politiker je ein Bundesland geführt hat. Sein Abschied im Frühjahr 2026 markierte das Ende einer Ära. Kretschmann hatte das Land geprägt: mit seinem eigenwilligen konservativen Grünen-Kurs, seiner Verbundenheit mit dem ländlichen Raum und seiner Fähigkeit, auch traditionell CDU-nahe Wähler für die Grünen zu gewinnen.
Özdemir ist ein anderer Typus. Aufgewachsen in Bad Urach, ist er als Politiker seit Jahrzehnten bekannt — zunächst als langjähriger Bundestagsabgeordneter, dann als Bundesminister. Er bringt bundespolitische Erfahrung mit ins Amt. Und er bringt eine persönliche Geschichte mit, die viele Menschen in Deutschland bewegt: als Sohn türkischer Gastarbeiter, der es bis in das höchste Amt eines Bundeslandes gebracht hat.
Die Regierungsmannschaft von Özdemir war bereits vor der heutigen Wahl bekannt gegeben worden. Die Kabinettsbesetzung spiegelt die Machtbalance zwischen Grünen und CDU wider — mit einer Mischung aus erfahrenen Politikern und einigen Neugesichtern.
Die Wahl Özdemirs sendet auch ein Signal über Baden-Württemberg hinaus. In einer Zeit, in der Debatten über Integration, Herkunft und nationale Identität besonders intensiv geführt werden, steht mit Cem Özdemir ein Politiker an der Spitze eines Bundeslandes, dessen Eltern aus der Türkei eingewandert sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit — und es ist bewusst keine.
Özdemir hat immer wieder betont, dass er nicht als „türkischer Politiker“ verstanden werden will, sondern als deutscher Politiker mit einer bestimmten Biografie. Dass beides kein Widerspruch ist, zeigt seine Karriere. Und dass Deutschland in der Lage ist, solche Karrieren zu ermöglichen, zeigt die heutige Wahl — mehr als 60 Jahre nach dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen von 1961.
Quellen: ZDFheute, t-online.de, Rhein-Neckar-Zeitung, Staatsanzeiger BW, Handelsblatt, Badische Zeitung
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