
Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank zeichnet sich ein neuer Kurs ab. Vorstandschefin Bettina Orlopp schließt einen Zusammenschluss mit UniCredit nicht mehr grundsätzlich aus und hat mehrere mögliche Wege für eine Integration genannt. Dazu gehört auch eine Übernahme der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank durch die Commerzbank. Parallel hält das Frankfurter Institut an seinen Finanzzielen für 2026 fest. Berichte über Forderungen nach einem Austausch der Commerzbank-Führung sind dagegen bislang nicht offiziell bestätigt.
Orlopp stellte die verschiedenen Möglichkeiten am Donnerstag, 24. September, auf einer Bankenkonferenz von Bank of America vor. Nach ihren Angaben könnte die Commerzbank die Münchener HypoVereinsbank von UniCredit übernehmen. Denkbar wäre dabei ein Aktientausch, durch den UniCredit im Gegenzug seinen Anteil an der Commerzbank weiter erhöhen würde.
Als weitere Varianten nannte Orlopp einen direkten Zusammenschluss der Institute oder ein neues Angebot von UniCredit an die übrigen Commerzbank-Aktionäre. Die konkrete Struktur sei offen. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Schweizer „Finanz und Wirtschaft“, das die Commerzbank selbst auf ihrer Konzernseite dokumentiert, bezeichnete Orlopp eine spätere Integration der HypoVereinsbank in die Commerzbank ausdrücklich als möglichen zweiten Schritt.
Dafür wäre allerdings eine weitergehende Kontrolle von UniCredit erforderlich. Orlopp verwies auf eine Mehrheit von 75 Prozent in der Hauptversammlung, die für bestimmte strukturelle Maßnahmen benötigt werde. Wann und in welcher Form eine Integration erfolgen könnte, sei derzeit offen.
UniCredit hatte sein öffentliches Übernahmeangebot im Sommer abgeschlossen. Nach Angaben der italienischen Großbank wurden 17,60 Prozent des Commerzbank-Aktienkapitals angedient. Gemeinsam mit direkt gehaltenen 26,77 Prozent und weiteren Finanzinstrumenten über 3,22 Prozent ergibt sich eine wirtschaftliche Position von 47,59 Prozent des Aktienkapitals. Bezogen auf die stimmberechtigten Aktien entspricht dies bis zu 49,65 Prozent der Stimmrechte. Der Vollzug einzelner Schritte steht weiterhin unter regulatorischen Voraussetzungen.
Damit ist UniCredit mit großem Abstand größter Aktionär. Die Bundesregierung hält weiterhin eine Beteiligung an der Commerzbank. Im März bezifferte das Bundesfinanzministerium den Bundesanteil auf zwölf Prozent.
Orlopp spricht inzwischen selbst von einem Kontrollaktionär, sobald die ausstehenden Genehmigungen für die angedienten Aktien vorliegen. Ihr bisheriger Widerstand gegen einen Zusammenschluss ist damit einer Strategie gewichen, bei der die konkrete Ausgestaltung und der wirtschaftliche Nutzen einer möglichen Verbindung im Mittelpunkt stehen.
Trotz der offenen Eigentümerfrage hält die Commerzbank an ihren operativen Zielen fest. Für 2026 erwartet das Institut weiterhin ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Die Erträge sollen rund 13,2 Milliarden Euro erreichen, der Zinsüberschuss etwa 8,6 Milliarden Euro. Die Cost-Income-Ratio einschließlich Pflichtbeiträgen soll bei rund 53 Prozent liegen.
Für das laufende Geschäftsjahr plant die Bank außerdem eine Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre. Anfang September startete dazu ein weiterer Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro.
Im ersten Halbjahr 2026 hatte die Commerzbank ein Nettoergebnis von 1,8 Milliarden Euro erzielt. Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.
Deutlich unsicherer ist die Lage bei der Führung der Bank. Nach Angaben von drei mit dem Vorgang vertrauten Personen gegenüber Reuters soll UniCredit-Chef Andrea Orcel eine Fortsetzung der Amtszeit von Bettina Orlopp als Vorstandsvorsitzende ablehnen. Zwei dieser Quellen erklärten zudem, UniCredit wolle auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann nicht im Amt halten.
UniCredit äußerte sich zu diesen Angaben zunächst nicht öffentlich. Auch die Commerzbank kommentierte den Bericht nicht. Eine offizielle Bestätigung für eine bereits beschlossene Ablösung von Orlopp oder Weidmann lag damit zunächst nicht vor.
Orlopp selbst hat einen vorzeitigen Rückzug zurückgewiesen. Im am 25. September veröffentlichten Interview erklärte sie, sie wolle ihre Aufgabe weiter erfüllen und Wert für die Commerzbank schaffen.
Schon im Juli hatte Orcel öffentlich erklärt, UniCredit erwarte von der Commerzbank ab Anfang 2027 eine stärkere Orientierung an den eigenen Vorstellungen. Er stellte damals auch Veränderungen in den Führungsgremien in Aussicht, falls keine Einigung erreicht werde.
Auch die Bundesregierung hat ihre Position im Laufe des Jahres verändert. Im Frühjahr hatte sie noch ausdrücklich die Eigenständigkeit der Commerzbank unterstützt und eine feindliche Übernahme als nicht akzeptabel bezeichnet.
Inzwischen begleitet Berlin direkte Gespräche zwischen den Banken. Finanzminister Lars Klingbeil traf Orcel am 14. September in Berlin. Die Bundesregierung erklärte dazu, ihr gehe es vor allem um drei Punkte: die Finanzierung des deutschen Mittelstands, den Finanzstandort Frankfurt und die Interessen der Beschäftigten. Die Verhandlungen selbst würden jedoch von den beiden Banken geführt.
Nach dem Treffen verlangte Klingbeil nach Reuters-Angaben unter anderem, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und ihre Rolle bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands fortsetzt. Orcel und Klingbeil bezeichneten ihr Gespräch als konstruktiv.
Die Bundesregierung betont zugleich weiterhin, dass sie eine feindliche Übernahme ablehnt. Dass Commerzbank und UniCredit inzwischen direkt miteinander verhandeln, hat den Konflikt jedoch von einer grundsätzlichen Abwehrschlacht hin zu Verhandlungen über die Bedingungen eines möglichen Zusammenschlusses verschoben.
Für den europäischen Bankensektor wäre eine Verbindung von UniCredit und Commerzbank von erheblicher Größenordnung. Reuters bezifferte die Bilanzsumme eines kombinierten Instituts zuletzt auf mehr als 1,3 Billionen Euro. Der Fall gilt zugleich als wichtiger Test dafür, ob große grenzüberschreitende Bankenzusammenschlüsse innerhalb der Europäischen Union politisch und regulatorisch durchsetzbar sind.
Die entscheidende Veränderung liegt deshalb weniger in einer bereits feststehenden Übernahmeform als in der Gesprächslage. Die Commerzbank lehnt nicht mehr jede Verbindung grundsätzlich ab. Orlopp versucht vielmehr, die Struktur eines möglichen Zusammenschlusses mitzugestalten. Der Erwerb der HypoVereinsbank ist dabei eine konkrete Option, aber noch keine vereinbarte Transaktion.






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