Galeria bekommt Insolvenzverwalter: Was jetzt mit den 83 Warenhäusern passiert

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Warenhauskette Galeria ist bei ihrem vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren einen entscheidenden Schritt weiter. Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet. Damit ist allerdings noch nicht das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet. Die derzeit 83 Warenhäuser sollen zunächst weiterbetrieben werden. Ob Filialen geschlossen werden müssen und wie viele der rund 12.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben können, war am Montag zunächst offen.

Gericht bestellt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht Düsseldorf bestellte Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Beschluss wird unter dem Aktenzeichen 502 IN 258/26 geführt. Nach den veröffentlichten Gerichtsangaben darf Kebekus unter anderem Bankguthaben und andere Forderungen des Unternehmens einziehen und eingehende Zahlungen entgegennehmen. Kebekus kennt Galeria bereits aus früheren Sanierungen. Bei den Insolvenzverfahren 2020 und 2022 war er als Sachwalter beteiligt. Das Insolvenzverfahren bei Galeria befindet sich damit zunächst in einer vorläufigen Phase, in der die wirtschaftliche Situation geprüft und über das weitere Vorgehen entschieden wird.

Galeria hatte den neuen Insolvenzantrag am Freitag, 2. Oktober, beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Das Unternehmen erklärte damals, der Antrag solle einen rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Lage zu ordnen und Galeria zu stabilisieren. Genauere Angaben zu den Ursachen der erneuten finanziellen Schwierigkeiten machte die Warenhauskette zunächst nicht.

Alle 83 Galeria-Filialen bleiben zunächst geöffnet

Für Kundinnen und Kunden ändert sich unmittelbar zunächst wenig. Galeria hatte bereits bei der Antragstellung angekündigt, den Geschäftsbetrieb in allen 83 verbliebenen Warenhäusern fortzuführen. Eine aktuelle Liste beschlossener Schließungen wurde mit der gerichtlichen Entscheidung vom Montag nicht bekannt gegeben. Damit ist auch nicht entschieden, dass einzelne Häuser automatisch aufgegeben werden.

Schon vor der neuen Insolvenz standen allerdings zahlreiche Standorte unter wirtschaftlichem Druck. Galeria hatte im Juli 33 Warenhäuser benannt, deren Rentabilität besonders geprüft werden sollte. Zu den maßgeblichen Kriterien gehörten nach damaligen Unternehmensangaben die Mietbelastung und die Ertragskraft. Galeria wollte mit Vermietern über Mietkonditionen und teilweise auch über eine Anpassung der genutzten Flächen verhandeln. Ohne wirtschaftlich tragfähige Vereinbarungen könne die Fortführung einzelner Häuser gefährdet sein.

Ob diese Liste mit 33 Standorten im neuen Verfahren unverändert Grundlage weiterer Entscheidungen bleibt, war zunächst nicht geklärt. Auch zu einem Zeitplan für mögliche Filialentscheidungen gab es am Montag noch keine gesicherten Angaben.

Rund 12.000 Beschäftigte weiter in Unsicherheit

Besonders offen ist die Situation für die rund 12.000 Beschäftigten. Neben möglichen Stellenstreichungen ist derzeit auch die Frage des Insolvenzgeldes nicht abschließend geklärt. Hintergrund ist das vorherige Insolvenzverfahren von 2024. Das Amtsgericht Essen hat die damalige Planüberwachung bislang nicht aufgehoben.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte bereits im Juni erklärt, dass bei einer weiterhin bestehenden Planüberwachung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden könne. Entscheidend sei jedoch der konkrete Einzelfall. Eine abschließende Entscheidung für die Beschäftigten von Galeria liegt damit bislang nicht vor. Der Gesamtbetriebsrat hatte nach dem neuen Insolvenzantrag angekündigt, sich für den Fortbestand des Unternehmens und den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen.

Millionenfinanzierung brachte keine dauerhafte Stabilität

Die erneute Insolvenz kommt nur wenige Monate nach einer neuen Finanzierung. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro vom US-Finanzierer Gordon Brothers. Die Finanzierung wurde durch Warenbestände abgesichert und war mit einem mehrjährigen Sanierungsplan verbunden. Galeria wollte damit unter anderem seine Finanzierungsstruktur neu ordnen und die Wirtschaftlichkeit des Filialnetzes verbessern.

Bereits zuvor hatten mehrere Vermieter ausstehende oder nur teilweise gezahlte Mieten beklagt. Galeria hatte auf Liquiditätsschwankungen verwiesen und bestätigt, Vermieter um Zahlungsaufschübe gebeten zu haben. Im Sommer wurden schließlich 33 Standorte besonders intensiv auf ihre Rentabilität geprüft. Die neuerliche Antragstellung Anfang Oktober zeigt, dass die finanzielle Stabilisierung nicht ausgereicht hat, um ein weiteres Insolvenzverfahren zu verhindern.

Vierte Insolvenz seit 2020

Für Galeria ist es bereits der vierte Insolvenzantrag seit 2020. Das Unternehmen durchlief Verfahren in den Jahren 2020, 2022 und 2024. Beim vorherigen Verfahren mussten neun der damals 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria einem Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und der Beteiligungsgesellschaft BB Kapital des Unternehmers Bernd Beetz. Anschließend wurde der Unternehmenssitz nach Düsseldorf verlegt und der Auftritt auf die Marke Galeria konzentriert.

Die wiederholten Sanierungen fallen in eine Zeit, in der klassische Warenhäuser erheblich an Bedeutung verloren haben. Nach Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI sank der Marktanteil des Kauf- und Warenhaussegments in Deutschland von 4,2 Prozent im Jahr 2020 auf zuletzt 1,2 Prozent. In dieser Statistik werden neben Galeria allerdings auch andere Anbieter wie Müller und Woolworth berücksichtigt. Galeria bleibt zugleich Deutschlands letzte große Warenhauskette mit einem bundesweiten Netz klassischer Innenstadt-Warenhäuser.

Für die 83 Galeria-Standorte beginnt mit der Entscheidung des Amtsgerichts nun die nächste Sanierungsphase. Fest steht bislang der Weiterbetrieb. Welche Häuser dauerhaft erhalten werden können und wie das Filialnetz künftig aussehen wird, soll sich erst im weiteren Insolvenzverfahren klären.

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