
Das Gaskraftwerk Lubmin soll kostenlos an die Ukraine gehen: Ein 84-Megawatt-Heizkraftwerk im Industriehafen des mecklenburgischen Lubmin. Laut Betreiber, die Industriekraftwerk Greifswald GmbH, an der die staatliche SEFE Securing Energy for Europe GmbH beteiligt ist, plant die Anlage einem ukrainischen Betreiber als humanitäre Hilfe bereitzustellen. Der Vorgang sorgt für erhebliche Diskussionen in der Region und der deutschen Politik.
Das Heizkraftwerk im Industriehafen Lubmin spielte einst eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung. Es diente dazu, das über die Nord-Stream-Pipelines angelieferte russische Erdgas auf die notwendige Prozesstemperatur vorzuwärmen, bevor es in das deutsche Gasnetz eingespeist wurde. Zusätzlich erzeugte es Strom für das regionale Netz. Mit einer Gesamtleistung von 84 Megawatt – davon 38 MW Strom und 46 MW Wärme – war die Anlage ein bedeutendes Infrastrukturelement für die Region Vorpommern.
Als Russland im September 2022 die Gaslieferungen durch die Ostsee einstellte, verlor das Heizkraftwerk seinen Hauptzweck. Laut Betreiber wurde der Betrieb zunächst aufrechterhalten, 2023 jedoch offiziell eingestellt. Seitdem steht die Anlage still. Alle Versuche, das Kraftwerk zu verkaufen, seien gescheitert, heißt es seitens des Betreibers. Nun soll es als humanitäre Hilfe an die Ukraine gehen und dort zur Stabilisierung der ukrainischen Energieinfrastruktur beitragen.
Die Industriekraftwerk Greifswald GmbH, Eigentümerin der Lubminer Anlage, ist teilweise im Besitz der SEFE Securing Energy for Europe GmbH. Diese Gesellschaft befindet sich im Eigentum des deutschen Staates – ein Umstand, der den Vorgang politisch besonders brisant macht. Damit ist die Entscheidung, ein funktionsfähiges Kraftwerk an einen ausländischen Betreiber zu verschenken, mittelbar staatlich mitverantwortet.
Die konkrete Übergabe ist als sogenannte Selbstabholung geplant: Der ukrainische Betreiber soll die Anlage eigenständig demontieren und abtransportieren. Die Demontage ist laut aktuellen Planungen für den Sommer 2026 vorgesehen. Ähnliche Diskussionen um die Sicherheit europäischer Energieinfrastruktur prägen aktuell auch andere Bereiche – so hat die EU zuletzt ein Förderverbot für chinesische Wechselrichter in EU-Solarprojekten verhängt, um kritische Infrastruktur zu schützen.
Politischer Widerstand kommt vor allem aus den Reihen der AfD. Laut Medienberichten soll ein Landtagsabgeordneter den Vorgang als absurd bezeichnet haben: Statt ein voll funktionsfähiges Heizkraftwerk in Lubmin zu nutzen oder zu erhalten, werde es demontiert und an die Ukraine weitergegeben. Die Partei hatte zuvor gefordert, den Standort Lubmin durch den Bau eines neuen Gaskraftwerks zu stärken.
Auch der Bürgermeister von Lubmin äußerte Bedenken. Er warnte davor, dass das Thema politisch instrumentalisiert werden könnte, und betonte, der Standort sei aus seiner Sicht sehr gut geeignet, die Anlage weiterhin zu betreiben. Die Gemeinde rechnet zudem mit erhöhten Sicherheitskosten im Hafen während des Abtransports, die sich laut Berichten im fünfstelligen Bereich bewegen könnten.
Um öffentliche Aufmerksamkeit zu minimieren, wollen Gemeinde und Industriehafen Lubmin den Abtransport so unauffällig wie möglich gestalten. Gleichzeitig engagiert sich Deutschland militärisch weiterhin für die Ukraine – zuletzt mit der Entsendung des Minenjagdboots Fulda ins Mittelmeer.
Der Industriehafen Lubmin steht symbolisch für den tiefgreifenden Wandel in der deutschen Energiepolitik. Jahrzehntelang war die Region ein zentraler Knotenpunkt für russische Gasimporte. Mit dem Ende der Nord-Stream-Lieferungen und dem Anschlag auf die Pipelines im Jahr 2022 verlor der Standort seine ursprüngliche Funktion. Seitdem sucht die Region nach neuen wirtschaftlichen Perspektiven.
Dass ausgerechnet ein Kraftwerk, das seine Existenz der russischen Gasinfrastruktur verdankte, nun an die Ukraine weitergegeben werden soll, verleiht dem Vorgang eine besondere Dimension. Ob die Schenkung langfristig zur ukrainischen Energiesicherheit beitragen kann, hängt davon ab, ob und wie die Anlage in der Ukraine erfolgreich wieder in Betrieb genommen werden kann.
Die geplante Abgabe des Gaskraftwerks Lubmin an die Ukraine wirft Fragen über den Umgang mit stillgelegter Energieinfrastruktur in Deutschland auf. Einerseits kann die Schenkung als Beitrag zur ukrainischen Energieversorgung gewertet werden – angesichts der anhaltenden Angriffe auf ukrainische Kraftwerke. Andererseits bleibt die Frage, ob nicht auch in Deutschland Bedarf an zusätzlichen Reservekapazitäten besteht.
Pläne für die Nachnutzung des Areals nach der Demontage sind bislang nicht öffentlich bekannt. Fest steht: Das Gaskraftwerk Lubmin Ukraine wird die politische Debatte über Energiepolitik, humanitäre Hilfe und staatliche Verantwortung noch geraume Zeit begleiten.
Quellen: nordkurier.de, t-online.de, epochtimes.de, welt.de
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