Botsch sieht sinkende Hemmschwelle bei der AfD-Wahl

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Der Potsdamer Extremismusforscher Gideon Botsch sieht eine deutlich gewachsene Bereitschaft, die AfD zu wählen. Nach seiner Einschätzung ist das frühere Stigma einer AfD-Wahl in Teilen der Bevölkerung schwächer geworden. Zugleich beschreibt Botsch eine Partei, die sich politisch weiter nach rechts bewegt. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der die AfD bundesweit in mehreren Umfragen hohe Werte erreicht. Eine aktuelle Insa-Erhebung sieht sie bei 29 Prozent, andere Institute verorten sie darunter, aber ebenfalls deutlich über früheren Ergebnissen. Umfragen sind Momentaufnahmen und keine Wahlergebnisse.

Migrationspolitik bleibt zentraler Mobilisierungsfaktor

Ein wichtiger Grund für die gewachsene Zustimmung liegt nach Botschs Analyse in der Migrationspolitik. Die AfD habe mit einer besonders harten Linie in diesem Feld neue Wählergruppen erreicht. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Proteststimmung, sondern auch um eine dauerhaftere Bindung bestimmter Wählergruppen. Für Brandenburg beschreibt Botsch bereits seit längerer Zeit eine stabile AfD-Stammwählerschaft. Die Partei profitiert aus seiner Sicht zudem davon, dass andere Parteien gerade in manchen ländlichen Räumen weniger sichtbar sind und politische Konkurrenz vor Ort schwächer auftritt. Hinzu kommt eine veränderte öffentliche Debattenkultur: Positionen, die vor Jahren noch als gesellschaftlich unakzeptabel galten, werden heute breiter diskutiert. Das erleichtert nach Einschätzung von Botsch auch die Mobilisierung für die AfD, weil die Partei weniger Widerstand bei der Normalisierung ihrer Positionen erfahre als früher.

Rechtsextremismusdebatte bleibt juristisch umstritten

Die politische Bewertung der AfD ist eng mit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz verbunden. Mehrere Landesverbände werden von Landesämtern als rechtsextrem oder als Verdachtsfall geführt. Für die Bundespartei gilt jedoch eine besondere juristische Lage. Das Verwaltungsgericht Köln entschied im Februar 2026 im Eilverfahren, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorläufig nicht als gesichert extremistische Bestrebung einstufen darf. Das Hauptsacheverfahren ist damit nicht entschieden. Offiziell bestätigt war zunächst nur die vorläufige Begrenzung der Einstufung durch das Bundesamt. Botsch hat sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit wiederholt mit der Frage beschäftigt, inwieweit formale rechtliche Einstufungen das tatsächliche Wählerverhalten beeinflussen. Nach seiner Analyse sind Verfassungsschutz-Einordnungen für einen Teil der Bevölkerung kein ausschlaggebendes Kriterium bei der Wahlentscheidung.

Hohe Umfragewerte verändern die politische Ausgangslage

Die aktuelle Debatte über Botschs Einschätzung fällt in eine Phase, in der die AfD auf Bundesebene ungewöhnlich hohe Werte erzielt. In der Insa-Sonntagsfrage vom 16. Mai 2026 kam die Partei auf 29 Prozent, CDU und CSU lagen bei 22 Prozent, die Grünen bei 14 Prozent und die SPD bei 12 Prozent. Solche Werte sagen nichts über ein künftiges Wahlergebnis aus, zeigen aber eine veränderte politische Ausgangslage. Für die etablierten Parteien bedeutet das, dass die AfD nicht mehr nur als Protestphänomen beschrieben werden kann. Die Frage, ob und wie auf diese Entwicklung politisch reagiert werden soll, ist in allen Bundestagsfraktionen umstritten. Botsch betont in seinen Analysen, dass pauschale Erklärungsmodelle für AfD-Wähler der Realität nicht gerecht werden, weil die Wählerschaft soziodemografisch breit aufgestellt ist.

Der Forscher und sein Forschungsfeld

Gideon Botsch ist Politikwissenschaftler und leitet die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam. Außerdem ist er außerplanmäßiger Professor an der Universität Potsdam. Seine Einordnung hat daher besonderes Gewicht in der Debatte über Rechtsextremismus, Parteienentwicklung und politische Mobilisierung. Die aktuelle Aussage steht nicht isoliert, sondern fügt sich in eine längere wissenschaftliche Beschäftigung mit der radikalen Rechten in Deutschland ein. Die Forschungsstelle veröffentlicht regelmäßig Analysen zur Entwicklung rechtsextremer Bewegungen und Parteien im deutschsprachigen Raum. Botschs Einschätzungen fließen regelmäßig in politische Bildungsangebote und öffentliche Debatten ein. Er ist einer der wenigen deutschen Forscher, die sich kontinuierlich sowohl mit historischen als auch mit gegenwärtigen Formen des Rechtsextremismus befassen.

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