Hitzetod in Deutschland: RKI schätzt bereits 9.800 Fälle

RKI Hitzetote, hitzebedingte Sterbefälle
Foto: Gerd Altmann

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Deutschland erlebt 2026 bereits vor August einen außergewöhnlich starken Anstieg hitzebedingter Sterbefälle. Ein Hitzetod wird zwar nur selten direkt auf einem Totenschein vermerkt, dennoch schätzt das Robert Koch-Institut die Zahl der Fälle bis zum 19. Juli auf rund 9.800. Damit liegt die vorläufige Bilanz bereits über dem Wert jedes vollständigen Jahres seit 2016. Die Schätzung ist noch nicht endgültig, da der Sommer weiter andauert und das RKI seine Berechnungen wöchentlich aktualisiert.

Zahl der Hitzetoten übertrifft bereits den Sommer 2018

Der bisher höchste Wert der vergangenen zehn Jahre wurde 2018 mit rund 8.900 hitzebedingten Sterbefällen erreicht. 2026 ist diese Marke schon bis zum 19. Juli überschritten. Mehr als 5.000 der geschätzten Todesfälle entfallen auf die außergewöhnlich heiße zweite Junihälfte, als die Temperaturen in zahlreichen Regionen Deutschlands an die Marke von 40 Grad heranreichten oder sie überschritten. Bis zum 12. Juli ging das RKI von etwa 7.900 Fällen aus. Allein in der folgenden Woche vom 13. bis 19. Juli kamen nach dem Berechnungsmodell weitere 1.900 hinzu.

Warum ein Hitzetod meist nur statistisch erfasst wird

Nur in vergleichsweise wenigen Fällen führt ein unmittelbarer Hitzschlag zum Tod. Häufiger belastet die hohe Temperatur den Körper so stark, dass sich vorhandene Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen verschlimmern. Hitze erscheint deshalb normalerweise nicht als zugrunde liegende Todesursache auf dem Totenschein. Das RKI verbindet für seine Schätzung die Sterbefallzahlen mit Temperaturdaten von 52 Wetterstationen. Ab einer bundesweiten Wochenmitteltemperatur von etwa 20 Grad zeigt sich üblicherweise ein deutlicher Anstieg der Sterblichkeit. In der Woche vom 13. bis 19. Juli lag dieser Mittelwert bei 20,9 Grad. Das Institut gibt für die bisher geschätzten 9.800 Fälle ein Intervall zwischen 8.700 und 10.900 an.

Rund vier von fünf Betroffenen waren mindestens 75 Jahre alt

Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Von den für 2026 geschätzten Hitzetoten waren 7.880 mindestens 75 Jahre alt. Allein auf die Altersgruppe ab 85 Jahren entfallen rund 5.420 Fälle, weitere 2.460 auf die Gruppe der 75- bis 84-Jährigen. Für Menschen zwischen 65 und 74 Jahren weist der Bericht 1.260 Todesfälle aus, für Personen unter 65 Jahren etwa 630. Absolut betrachtet sterben mehr Frauen als Männer im Zusammenhang mit Hitze. Das RKI erklärt dies vor allem mit dem höheren Frauenanteil in den besonders stark betroffenen älteren Altersgruppen.

Mediziner und Sozialverbände fordern verbindliche Regeln

Die neuen Zahlen verschärfen die Diskussion über den Hitzeschutz in Deutschland. Mehr als 150 Organisationen aus Medizin, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft verlangen, extreme Hitze verbindlich in die Krisenvorsorge und den Katastrophenschutz aufzunehmen. Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen müssten auch während längerer Hitzeperioden arbeitsfähig bleiben. Die Grünen fordern unter anderem verpflichtende kommunale Hitzepläne, finanzielle Unterstützung für Kliniken und Pflegeheime sowie mehr Schatten an Kitas und Schulen. Die Linke verlangt Investitionen in Kühlung, Verschattung und hitzeresiliente Pflegeeinrichtungen, ohne die Kosten auf Bewohnerinnen und Bewohner umzulegen. Auch der Sozialverband Deutschland sieht den Bund stärker in der Verantwortung.

Bundesregierung verweist auf Länder und Kommunen

Die Bundesregierung betont, dass regional angepasste Hitzeaktionspläne grundsätzlich in der Verantwortung der Länder und Kommunen liegen. Zugleich verweist sie auf Musterpläne für verschiedene Bereiche des Gesundheitswesens und auf Förderprogramme des Bundes. Nach Angaben des Umweltministeriums werden derzeit rund 580 Vorhaben in sozialen Einrichtungen mit insgesamt 85 Millionen Euro unterstützt. Gefördert werden außerdem 324 kommunale Klimaanpassungsmanager. Sieben der 16 Bundesländer verfügten Ende Juni über einen landesweiten Hitzeaktionsplan. Geprüft wird zudem, wie ein nationaler Plan in die föderalen Strukturen eingebunden werden könnte. Umstritten bleibt damit vor allem, ob Empfehlungen ausreichen oder bundesweit verbindliche Standards und eine dauerhafte Finanzierung notwendig sind

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