Neue Daten aus England zeigen starken Schutz durch HPV-Impfung

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Eine neue Studie aus England liefert deutliche Hinweise darauf, dass die HPV-Impfung nicht nur Vorstufen und Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs verringert, sondern auch Todesfälle verhindern kann. Die im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Auswertung nationaler Sterbedaten kommt zu dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs bei jungen Frauen nach Einführung des Impfprogramms stark gesunken ist. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren: Zwischen 2020 und 2024 wurden in England in dieser Altersgruppe keine Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs registriert.

Die Ergebnisse gelten als wichtig, weil frühere Studien vor allem gezeigt hatten, dass HPV-Impfungen Infektionen, Zellveränderungen und Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs reduzieren können. Die neue Analyse setzt nun bei der Sterblichkeit an. Nach Angaben der Studienautoren war die HPV-Impfung in England bis Ende 2024 mit rund 199,6 verhinderten Todesfällen durch Gebärmutterhalskrebs verbunden. Die statistische Unsicherheit wird in der Studie mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 125,0 bis 274,2 angegeben.

Warum die Studie aus England so aufmerksam verfolgt wird

England führte das nationale HPV-Impfprogramm 2008 ein. Zunächst richtete es sich an Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren, ergänzt durch Nachholangebote für ältere Jugendliche. Seit 2019 werden auch Jungen in das Programm einbezogen. Damit liegen inzwischen Daten aus den ersten Jahrgängen vor, die früh im Jugendalter geimpft wurden und nun in Altersgruppen angekommen sind, in denen erste Auswirkungen auf Gebärmutterhalskrebs sichtbar werden können.

Die Studie wertete Sterbedaten aus den Jahren 2001 bis 2024 aus. Dabei verglichen die Forschenden die Entwicklung in Altersgruppen, die noch nicht von der HPV-Impfung erreicht wurden, mit Jahrgängen, denen die Impfung angeboten worden war. Der stärkste Effekt zeigte sich bei den früh geimpften Jahrgängen. Für Frauen, die im Alter von 12 oder 13 Jahren geimpft wurden, schätzt die Analyse das Risiko, vor dem 30. Geburtstag an Gebärmutterhalskrebs zu sterben, als nahe null ein.

```html ```

Keine Todesfälle bei 20- bis 24-Jährigen in England

Der am stärksten beachtete Befund betrifft Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren. Zwischen 2020 und 2024 wurden in England in dieser Gruppe keine Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs registriert. Nach der Modellrechnung der Studie wären ohne HPV-Impfprogramm in diesem Zeitraum etwa 23 Todesfälle zu erwarten gewesen. Schon im Zeitraum 2015 bis 2019 war die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe deutlich niedriger als in früheren Vergleichszeiträumen.

Wichtig ist dabei die vorsichtige Einordnung: Null registrierte Todesfälle bedeuten nicht, dass Gebärmutterhalskrebs in dieser Altersgruppe biologisch ausgeschlossen ist. Die Aussage der Studie lautet vielmehr, dass das Risiko in den untersuchten Jahrgängen so stark gesunken ist, dass es sich in den nationalen Sterbedaten zuletzt nicht mehr als Todesfall abbildete. Auch andere Faktoren wie Screening, bessere Früherkennung und mögliche Gemeinschaftseffekte können zur Entwicklung beigetragen haben. Ein begleitender Lancet-Kommentar weist ausdrücklich darauf hin, dass weitere Daten nötig sind, um den direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang langfristig noch genauer zu belegen.

Warum eine frühe Impfung besonders wichtig ist

Die HPV-Impfung wirkt vorbeugend gegen bestimmte Hochrisiko-Typen humaner Papillomviren. Diese Viren können nach einer anhaltenden Infektion Zellveränderungen auslösen, aus denen sich über Jahre Gebärmutterhalskrebs entwickeln kann. Der Nutzen der Impfung ist deshalb besonders groß, wenn sie vor einer möglichen Ansteckung erfolgt. Genau deshalb richtet sich das englische Programm an Kinder im frühen Jugendalter. Auch in Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Versäumte Impfungen sollen möglichst bald und vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die deutschen Informationsstellen betonen ebenfalls, dass der beste Schutz durch eine frühe Impfung erreicht wird. Laut infektionsschutz.de sind im Alter von 9 bis 14 Jahren in der Regel zwei Impfungen notwendig, bei Beginn ab 15 Jahren drei Impfungen. Die Impfung ersetzt die spätere Krebsfrüherkennung nicht, sondern ergänzt sie. Das ist medizinisch entscheidend, weil die Impfung nicht alle bereits bestehenden Infektionen oder alle denkbaren Krebsrisiken beseitigt.

Sinkende Impfquoten gefährden den Fortschritt

Die englischen Daten zeigen auch die Schwachstelle des Erfolgs: Der starke Rückgang betrifft vor allem Jahrgänge mit hoher Impfquote. In England lagen die Quoten in den frühen geimpften Mädchenjahrgängen nahe 90 Prozent. Die aktuellen Zahlen liegen deutlich darunter. Für das Schuljahr 2024/2025 meldete die britische Gesundheitsbehörde bei Schülerinnen in Year 8 eine HPV-Impfquote von 71,7 Prozent, bei Schülern 67,0 Prozent. Bis Year 10 lag die Quote bei 75,5 Prozent für Mädchen und 70,5 Prozent für Jungen.

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. In London lag die Quote bei Schülerinnen in Year 8 bei 63,8 Prozent, bei Schülern bei 59,7 Prozent. Damit bleibt England unter dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO nennt für die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs als öffentliches Gesundheitsproblem drei Zielmarken: 90 Prozent der Mädchen sollen bis zum Alter von 15 Jahren vollständig gegen HPV geimpft sein, 70 Prozent der Frauen sollen mit leistungsfähigen Tests untersucht werden und 90 Prozent der behandlungsbedürftigen Vorstufen oder Krebsfälle sollen angemessen versorgt werden.

Was die Ergebnisse für Deutschland bedeuten

Die englische Studie lässt sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, weil Impfprogramme, Impfquoten, Screeningstrukturen und Bevölkerungsdaten unterschiedlich sind. Trotzdem ist die Kernaussage überregional relevant: Hohe HPV-Impfquoten im frühen Jugendalter können nach den englischen Daten mit einem sehr deutlichen Rückgang von Gebärmutterhalskrebs-Todesfällen verbunden sein. Für Deutschland ist die Frage besonders wichtig, weil die Impfquoten weiterhin deutlich unter den internationalen Zielwerten liegen.

Nach Angaben der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen lag die vollständige HPV-Impfquote bei 15-jährigen Mädchen in Deutschland im Jahr 2024 bundesweit bei 55 Prozent, bei 15-jährigen Jungen bei 36 Prozent. Eine begonnene Impfserie wurde bei 68 Prozent der Mädchen und 49 Prozent der Jungen registriert. Die Zahlen zeigen, dass viele Jugendliche grundsätzlich erreicht werden, die Impfserie aber nicht immer abgeschlossen wird.

Gebärmutterhalskrebs bleibt vermeidbar, aber nicht verschwunden

Gebärmutterhalskrebs ist weiterhin eine relevante Krebserkrankung. In Deutschland entfällt unter den HPV-bedingten Krebserkrankungen bei Frauen der größte Anteil auf Zervixkarzinome. Nach Angaben der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen erkrankten 2019 etwa 7.000 Frauen und 2.000 Männer an Krebserkrankungen, für die eine HPV-Infektion als Ursache angenommen werden kann. Bei Frauen machten Zervixkarzinome mit etwa 4.500 gemeldeten Fällen den größten Anteil aus.

Die neue Studie aus England ist deshalb kein Anlass für Entwarnung, sondern ein starkes Argument für Prävention. HPV-Impfung, Früherkennung und Behandlung von Vorstufen greifen ineinander. Je höher die Impfquoten sind und je besser Vorsorgeangebote genutzt werden, desto realistischer wird das Ziel, Gebärmutterhalskrebs langfristig stark zurückzudrängen. Die englischen Sterbedaten zeigen einer Studie zufolge, wie groß dieser Effekt sein kann, wenn ein Impfprogramm viele Jugendliche früh erreicht.

Sachliche Einordnung der Studienlage

Die Ergebnisse gelten als besonders bedeutsam, weil sie erstmals auf nationaler Ebene einen starken Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und sinkender Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs zeigen. Zugleich bleiben methodische Grenzen: Die Studie arbeitet mit Bevölkerungsdaten und statistischen Modellierungen. Sie kann Trends in geimpften und nicht geimpften Jahrgängen vergleichen, aber nicht für jede einzelne Person alle Einflussfaktoren vollständig erfassen. Deshalb ist die Formulierung wichtig: Die Auswertung deutet darauf hin, dass die HPV-Impfung Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs drastisch reduziert.

Für Eltern, Jugendliche und Gesundheitssysteme ist die praktische Botschaft dennoch klar. Die HPV-Impfung ist eine präventive Maßnahme, die am besten früh erfolgt. Sie schützt nicht vor jeder Form von Krebs und ersetzt keine Früherkennung, kann aber nach der bisherigen Studienlage das Risiko HPV-bedingter Erkrankungen erheblich verringern. Die englischen Daten zeigen nun, dass dieser Schutz offenbar auch bei der Sterblichkeit sichtbar wird.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu