FIFA in Aufruhr: Infantino beruft kurzfristiges Krisentreffen ein

Infantino ruft FIFA-Spitze zusammen: Krisentreffen in Rabat
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Die Infantino-Krisensitzung in Rabat soll am Mittwoch, 5. August 2026, stattfinden. Nach übereinstimmenden Berichten britischer Medien hat FIFA-Präsident Gianni Infantino hochrangige Mitarbeiter des Fußball-Weltverbandes kurzfristig in die marokkanische Hauptstadt bestellt. Eine offizielle Bestätigung der FIFA lag am Mittwochmorgen zunächst nicht vor. Auch die Tagesordnung und die genaue Teilnehmerliste sind bislang unbekannt. Das Treffen fällt in eine schwere Führungskrise beim Weltverband. Auslöser ist der gescheiterte Plan, Teile des kommerziellen FIFA-Geschäfts in eine neue Gesellschaft zu übertragen und private Investoren daran zu beteiligen.

FIFA-Krisensitzung in Rabat bislang nicht bestätigt

Über das Treffen berichteten zunächst „The Times“, Sky UK und die BBC. Demnach sollen leitende FIFA-Mitarbeiter noch am Mittwoch in Rabat zusammenkommen. Die Nachrichtenagentur Associated Press bestätigte entsprechende Medienberichte, verwies jedoch darauf, dass der Weltverband die Sitzung zunächst nicht offiziell angekündigt habe.

Rabat ist für die FIFA von strategischer Bedeutung. In der marokkanischen Hauptstadt befindet sich der regionale Hauptsitz des Verbandes für Afrika. Zudem soll dort 2027 der nächste FIFA-Kongress mit der Wahl des Präsidenten stattfinden. Marokko gehört gemeinsam mit Spanien und Portugal zu den Gastgebern der Fußball-Weltmeisterschaft 2030.

Gescheiterter FIFA-Investorenplan löste Widerstand aus

Im Zentrum der FIFA-Krise 2026 steht das Projekt FIFA Forward Enterprise, kurz FFE. Die geplante Tochtergesellschaft sollte kommerzielle Rechte und die operative Organisation der FIFA-Turniere bündeln. Private Geldgeber sollten Minderheitsanteile erwerben, während die FIFA nach eigener Darstellung die Kontrolle über die Gesellschaft behalten wollte.

Vorgesehen war eine Kapitalaufnahme von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar bei einer angenommenen Unternehmensbewertung von 20 Milliarden Dollar. Die 211 Mitgliedsverbände sollten unter anderem zusätzliche Fördermittel erhalten können. Nach heftigem Widerstand erklärte Infantino am 31. Juli, dass das Vorhaben nicht weiterverfolgt werde. Das Projekt habe Spaltungen verursacht, die seinem ursprünglichen Ziel entgegenstünden.

Infantino unter Druck: Vertraute gehen auf Distanz

Der politische Druck auf Infantino hat sich durch Kritik aus der eigenen Führungsebene deutlich erhöht. Arsène Wenger, bei der FIFA für die globale Fußballentwicklung zuständig, erklärte, er sei nicht in die Planung eingebunden gewesen. Von dem Vorhaben habe er erst durch Medienberichte erfahren. Den Abbruch des Projekts bezeichnete er als notwendig.

Generalsekretär Mattias Grafström sprach in einer internen Nachricht an die Belegschaft von einer bedauerlichen Folge von Ereignissen und von erheblichen Turbulenzen. FIFA-Geschäftsführer Kevin Lamour hatte zuvor erklärt, Mitarbeiter seien über die Pläne nicht ausreichend informiert worden. Infantinos leitender Berater Carlos Cordeiro trat im Zusammenhang mit dem Streit zurück.

UEFA prüft rechtliche Schritte gegen die FIFA

Die UEFA hatte gemeinsam mit ihren 55 Mitgliedsverbänden besonders scharf auf den FIFA-Investorenplan reagiert. Während das Vorhaben noch verfolgt wurde, stand sogar ein Boykott von Wettbewerben und Veranstaltungen des Weltverbandes im Raum. Auch der asiatische Verband AFC und der nordamerikanische Verband Concacaf wandten sich gegen das Modell.

Inzwischen prüft die UEFA nach einem Bericht der Associated Press rechtliche Schritte, Schiedsverfahren oder Beschwerden bei Aufsichtsstellen. Anwälte des europäischen Verbandes forderten 18 führende FIFA-Mitarbeiter auf, relevante Dokumente, Nachrichten und elektronische Daten aufzubewahren. Ein gerichtliches Verfahren wurde dadurch noch nicht eröffnet. Die Forderung zeigt jedoch, wie tief das Vertrauen zwischen UEFA und FIFA beschädigt ist.

Schwere Vorwürfe aus Jordanien verschärfen die Krise

Zusätzliche Belastung entstand durch Anschuldigungen von Prinz Ali bin al-Hussein, dem Präsidenten des jordanischen Fußballverbandes. Er warf der FIFA-Führung vor, Unterstützung für Infantinos Wiederwahl mit finanzieller Hilfe für Mitgliedsverbände verknüpft zu haben. Der jordanische Funktionär bezeichnete dieses Vorgehen als Erpressung.

Die Anschuldigung ist bislang nicht unabhängig bestätigt und darf daher nicht als erwiesene Tatsache dargestellt werden. Sie trifft Infantino dennoch in einer politisch heiklen Phase. Mehrere europäische Verbände sollen ihre zuvor erklärte Unterstützung für eine weitere Amtszeit bereits zurückgezogen haben. Innerhalb der UEFA wird nach Angaben des schwedischen Verbandes zudem über einen möglichen Gegenkandidaten für die Wahl 2027 beraten.

Was beim Krisentreffen der FIFA offen ist

Welche Entscheidungen bei der Infantino-Krisensitzung in Rabat fallen könnten, ist bislang nicht bekannt. Denkbar sind Beratungen über die interne Aufarbeitung des Investorenprojekts, das Verhältnis zur UEFA und Infantinos politische Zukunft. Eine bestätigte Tagesordnung gibt es dafür jedoch nicht.

Auch Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Rücktritt liegen bislang nicht vor. Entscheidend wird sein, ob Infantino die Unterstützung wichtiger Kontinentalverbände und nationaler Mitgliedsverbände zurückgewinnen kann. Das Krisentreffen der FIFA dürfte daher vor allem zeigen, wie geschlossen oder gespalten die Führung des Weltverbandes nach dem gescheiterten Projekt tatsächlich ist.

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