
Gianni Infantino ist nicht als Präsident des Weltfußballverbandes FIFA zurückgetreten. Eine entsprechende Ankündigung liegt mit Stand Samstag, 1. August 2026, nicht vor. Der 56-Jährige steht allerdings nach dem Scheitern eines umstrittenen Investorenplans erheblich unter Druck. Die UEFA erklärte, das Vertrauen in die derzeitige FIFA-Führung verloren zu haben, und kündigte eine grundlegende Aufarbeitung der Vorgänge an.
Für Verwirrung sorgt vor allem die Nachricht über einen „Rückzug“ Infantinos. Gemeint ist damit nicht sein Amt als FIFA-Präsident, sondern das Ende der Pläne, private Investoren an den kommerziellen Einnahmen wichtiger FIFA-Wettbewerbe zu beteiligen. Nach dem massiven Widerstand mehrerer Fußballverbände gab Infantino am Freitagabend bekannt, dass das Vorhaben nicht weiterverfolgt werde.
Die FIFA hatte die Gründung einer neuen Gesellschaft mit dem Namen FIFA Forward Enterprise erwogen. In dieser sollten die Weltmeisterschaft und weitere Veranstaltungen des Weltverbandes wirtschaftlich gebündelt werden. Das neue Unternehmen sollte Berichten zufolge mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Bis zu 20 Prozent der Anteile sollten an externe Investoren verkauft werden. Dadurch wollte die FIFA rund 4,2 Milliarden Dollar einnehmen.
Infantino erklärte nach dem Aus des Projekts, die unterschiedlichen Reaktionen hätten gezeigt, dass das Vorhaben zu erheblichen Spaltungen geführt habe. Diese seien nicht mehr mit dem ursprünglich verfolgten Ziel vereinbar. Der FIFA-Präsident zog den Vorschlag deshalb zurück, bevor die Mitgliedsverbände abschließend darüber entscheiden konnten.
Besonders deutlich fiel die Reaktion der UEFA aus. Nach Angaben des europäischen Dachverbandes hatten dessen nationale Mitgliedsverbände den Vorschlag geschlossen abgelehnt. Auch Verbände und Konföderationen aus anderen Teilen der Welt stellten sich gegen das Vorhaben. Die UEFA begrüßte zwar den Rückzug des Investorenplans, verband dies jedoch mit scharfer Kritik an den Entscheidungsprozessen innerhalb der FIFA.
In ihrer offiziellen Stellungnahme erklärte die UEFA, die derzeitige FIFA-Führung habe das Vertrauen des europäischen Verbandes und zahlreicher weiterer Vertreter des Fußballs verloren. Gemeinsam mit anderen Organisationen wolle sie untersuchen, wie das Projekt entstehen und auf einem beschleunigten Weg vorangetrieben werden konnte. Bei dieser Prüfung solle keine Möglichkeit von vornherein ausgeschlossen werden. Eine ausdrückliche Aufforderung an Infantino, sofort zurückzutreten, enthält die Erklärung allerdings nicht.
Tatsächlich zurückgetreten ist Infantinos leitender Berater Carlos Cordeiro. Der frühere Funktionär des US-Fußballverbandes legte sein Amt am Freitag mit sofortiger Wirkung nieder. Er erklärte, er sei nicht an der Ausarbeitung des Investorenplans beteiligt gewesen und lehne diesen entschieden ab. Den vorgesehenen Verkauf bezeichnete er als nachteilig für die FIFA-Mitgliedsverbände und die langfristige Entwicklung des Fußballs.
Cordeiro stellte zudem infrage, warum die FIFA dauerhaft Anteile an ihren wichtigsten Wettbewerben abgeben sollte, obwohl der Weltverband über hohe finanzielle Rücklagen verfüge. Sein Rücktritt dürfte dazu beigetragen haben, dass in einzelnen Meldungen allgemein von einem Rücktritt im Umfeld Infantinos die Rede war. Der FIFA-Präsident selbst bleibt jedoch im Amt.
Infantino führt die FIFA seit Februar 2016. Ende April 2026 kündigte er beim FIFA-Kongress in Vancouver an, bei der nächsten Präsidentenwahl erneut anzutreten. Die Wahl für die Amtsperiode von 2027 bis 2031 soll am 18. März 2027 in Marokko stattfinden. Infantino war 2019 und 2023 jeweils ohne Gegenkandidaten wiedergewählt worden.
Welche Folgen der Streit um den gescheiterten Investorenplan für seine erneute Kandidatur hat, ist derzeit offen. Die deutliche Kritik der UEFA und der Widerstand weiterer Verbände könnten seine politische Position innerhalb des Weltfußballs schwächen. Gleichzeitig verfügt Infantino weiterhin über Unterstützung aus Teilen der FIFA-Mitgliedschaft. Ob sich aus der aktuellen Krise eine Mehrheit für personelle Konsequenzen entwickelt, lässt sich gegenwärtig nicht verlässlich beurteilen.
Ein Rücktritt Gianni Infantinos als FIFA-Präsident ist somit nicht bestätigt. Gesichert ist lediglich, dass er den umstrittenen Investorenplan nach dem internationalen Widerstand aufgegeben hat. Die Auseinandersetzung hat sich dadurch zu einer schweren Führungskrise für den FIFA-Präsidenten entwickelt.
In den kommenden Tagen und Wochen dürfte entscheidend sein, welche Ergebnisse die angekündigte Aufarbeitung bringt und ob weitere Verbände konkrete personelle Konsequenzen fordern. Bis dahin bleibt Infantino Präsident des Weltfußballverbandes und Kandidat für die für März 2027 geplante Wiederwahl.
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