Jio Platforms steuert auf milliardenschweren Börsengang zu

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der indische Technologiekonzern Jio Platforms rückt seinem geplanten Börsengang näher. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen nannten Reuters den 21. Oktober 2026 als vorgesehenen Starttermin für das Aktienangebot. Jio wolle dabei rund 3,8 Milliarden US-Dollar einsammeln. Die Aktien könnten demnach bereits am 28. Oktober erstmals an der Börse gehandelt werden. Reliance Industries äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur zunächst nicht zu diesen Angaben. Damit waren weder der konkrete Termin noch das endgültige Emissionsvolumen am Montag offiziell bestätigt.

Sollte der Jio Platforms Börsengang tatsächlich ein Volumen von rund 3,8 Milliarden Dollar erreichen, würde er den bisherigen Rekord auf dem indischen IPO-Markt übertreffen. Hyundai Motor India hatte bei seinem Börsengang 2024 rund 2,9 Milliarden Dollar eingesammelt. Erst im September 2026 war außerdem die National Stock Exchange of India nach einem rund 2,3 Milliarden Dollar schweren Aktienangebot an die Börse gegangen.

Börsengang ist seit Juni offiziell vorbereitet

Der grundsätzliche Plan für den Börsengang ist bereits seit Monaten offiziell. Der Verwaltungsrat von Jio Platforms genehmigte am 19. Juni den Entwurf des Börsenprospekts. Reliance Industries meldete damals, dass bis zu 270 Millionen neue Aktien mit einem Nennwert von jeweils zehn Rupien ausgegeben werden sollen. Der endgültige Ausgabepreis soll in einem Bookbuilding-Verfahren festgelegt werden. Noch am selben Tag wurde der Prospektentwurf bei der indischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Board of India, kurz SEBI, sowie bei den Börsen BSE und NSE eingereicht.

Am 28. August folgte ein weiterer wichtiger Schritt. Reliance teilte mit, dass Jio Platforms von der SEBI das sogenannte Observation Letter zum Prospektentwurf erhalten habe. Damit war eine zentrale regulatorische Etappe des geplanten Börsengangs erreicht. Einen konkreten Ausgabepreis oder den nun genannten Starttermin am 21. Oktober enthielt diese Mitteilung allerdings nicht.

Bei dem Angebot handelt es sich um die Ausgabe neuer Aktien. Der von der SEBI veröffentlichte Kurzprospekt nennt Reliance Industries als Mehrheitsaktionär und Promoter von Jio Platforms. Vor dem Börsengang hält der Mutterkonzern demnach 66,43 Prozent des Aktienkapitals. Zu den weiteren großen Anteilseignern gehören internationale Investoren wie Meta und Google.

Milliarden sollen vor allem zum Schuldenabbau dienen

Jio Platforms hat bereits festgelegt, wofür ein wesentlicher Teil des frischen Kapitals verwendet werden soll. Laut Prospekt sollen die Nettoerlöse unter anderem zur vollständigen oder teilweisen Rückzahlung bestimmter Verbindlichkeiten der Telekomtochter Reliance Jio Infocomm eingesetzt werden. Bis zu 275 Milliarden Rupien, umgerechnet 27.500 Crore Rupien, sind dafür vorgesehen. Daneben können Mittel für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden.

Damit würde das Geld aus dem Börsengang zunächst unmittelbar Jio Platforms zufließen. Die im Juni eingereichten Unterlagen sehen keine Platzierung bestehender Aktien durch Großaktionäre vor. Für Reliance und andere Anteilseigner steht somit nicht der Verkauf eigener Aktien im Mittelpunkt, sondern die Aufnahme neuen Kapitals durch Jio.

Die genaue Höhe des Erlöses hängt allerdings vom noch festzulegenden Ausgabepreis ab. Die aktuell genannten rund 3,8 Milliarden Dollar beruhen auf Angaben aus dem Umfeld der Transaktion. Eine endgültige Preisspanne war zunächst nicht offiziell veröffentlicht.

Jio zählt mehr als 524 Millionen Kunden

Die Größenordnung des geplanten Börsengangs spiegelt die Dimension des Unternehmens wider. Jio Platforms bündelt große Teile des Digital- und Telekommunikationsgeschäfts des Reliance-Konzerns. Die Tochter Reliance Jio Infocomm bediente Ende März 2026 nach Angaben im Börsenprospekt 524,4 Millionen Kunden in Indien. Neben Mobilfunk und Festnetz-Breitband gehören auch digitale Dienste, Cloudangebote, Unternehmenslösungen und Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz zum Geschäft.

Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte Jio Platforms einen operativen Umsatz von 146.885 Crore Rupien. Das waren 14,6 Prozent mehr als im vorherigen Geschäftsjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg auf 76.255 Crore Rupien. Der Gewinn nach Steuern erreichte 30.049 Crore Rupien und legte damit um 15,1 Prozent zu. Reliance bezifferte die gesamte Kundenzahl zum Ende des Geschäftsjahres auf mehr als 524 Millionen, darunter mehr als 268 Millionen 5G-Nutzer.

Diese Größenordnung macht den Börsengang auch über Indien hinaus relevant. Reliance hatte Jio in den vergangenen Jahren von einem Telekommunikationsanbieter zu einer breiter aufgestellten Digitalplattform ausgebaut. Internationale Konzerne und Finanzinvestoren hatten sich bereits vor dem Börsengang beteiligt.

Indien erlebt eine außergewöhnlich starke IPO-Phase

Jios Pläne treffen auf einen besonders aktiven indischen Kapitalmarkt. Indische Unternehmen nahmen allein zwischen April und September 2026 nach Daten von PRIME Database über Aktienplatzierungen umgerechnet rund 25 Milliarden Dollar ein. Bei klassischen Börsengängen auf dem Hauptmarkt wurde in diesem Zeitraum ebenfalls ein Rekordvolumen erreicht.

Nach Angaben von Reuters befanden sich Anfang Oktober fast 250 weitere Unternehmen in der indischen IPO-Pipeline. Zusammen könnten sie rund 4,65 Billionen Rupien beziehungsweise etwa 48 Milliarden Dollar einsammeln. Zu den geplanten Börsengängen gehören neben Jio Platforms unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter und Tourismus.

Jio könnte innerhalb dieser Welle den mit Abstand größten Einzeldeal liefern. Voraussetzung dafür ist, dass die derzeit genannten Eckdaten Bestand haben. Offiziell fest steht bislang, dass das Unternehmen den Börsengang vorbereitet, bis zu 270 Millionen neue Aktien anbieten will und die regulatorische Prüfung des Prospektentwurfs einen entscheidenden Schritt weiter ist. Der 21. Oktober und das Volumen von rund 3,8 Milliarden Dollar waren am Montag dagegen noch nicht von Reliance oder Jio Platforms bestätigt.

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