
Kolumbien wählt an diesem Sonntag einen neuen Präsidenten. Rund 41 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die Nachfolge von Gustavo Petro zu entscheiden. Der amtierende Präsident darf nach der Verfassung nicht erneut kandidieren. Damit endet nach vier Jahren die Amtszeit des ersten linken Staatschefs in der Geschichte des Landes.
Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung für eines der wichtigsten Länder Lateinamerikas. Kolumbien ist enger Partner der USA, zentraler Akteur in der Andenregion und seit Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten, Drogenhandel und sozialer Ungleichheit geprägt.
Insgesamt stehen 14 Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Im Zentrum stehen drei Namen. Der linke Senator Iván Cepeda tritt für das Bündnis Pacto Histórico an und gilt als politischer Verbündeter Petros. Er steht für eine Fortsetzung der bisherigen Friedenspolitik und eine stärkere soziale Ausrichtung des Staates.
Auf der rechten Seite konkurrieren Abelardo de la Espriella und Paloma Valencia um Stimmen. De la Espriella ist Anwalt und tritt mit einem harten Sicherheitskurs auf. Valencia ist Senatorin des Centro Democrático und gehört zum konservativen Lager um den früheren Präsidenten Álvaro Uribe. Beide setzen deutlich stärker auf militärischen Druck gegen bewaffnete Gruppen als Cepeda.
Der Wahlkampf wurde von einer verschärften Sicherheitslage überschattet. In mehreren Regionen des Landes sind bewaffnete Gruppen aktiv, darunter dissidente FARC-Gruppen, die Nationale Befreiungsarmee ELN sowie kriminelle Organisationen. Sie finanzieren sich über Drogenhandel, Erpressung und illegale Rohstoffgeschäfte. Unklar blieb zunächst, ob die Sicherheitslage in einzelnen Regionen die Wahlbeteiligung beeinflussen würde.
Gustavo Petro war 2022 mit dem Versprechen angetreten, Kolumbien sozial gerechter zu machen und den bewaffneten Konflikt über Verhandlungen einzudämmen. Seine Strategie wurde unter dem Begriff des totalen Friedens bekannt. Cepeda steht für Kontinuität. De la Espriella und Valencia werben dagegen für einen deutlich härteren Sicherheitskurs.
Der Hintergrund reicht weit zurück. 2016 schloss die kolumbianische Regierung ein historisches Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla. Einige Gruppen schlossen sich dem Abkommen nicht an oder griffen später wieder zu den Waffen. Andere bewaffnete Akteure füllten Machtvakuums in Regionen, in denen der Staat nur schwach präsent ist.
Ein Sieg im ersten Wahlgang ist nur möglich, wenn ein Kandidat die erforderliche Mehrheit erreicht. Sollte das nicht gelingen, treten die beiden stärksten Bewerber in einer Stichwahl gegeneinander an. Diese wäre im Juni vorgesehen. Unklar blieb zunächst, ob einer der Kandidaten bereits im ersten Wahlgang eine klare Entscheidung erzwingen kann. Angesichts der starken Polarisierung würde eine Stichwahl den politischen Druck weiter erhöhen.
Die Wahl wird über Kolumbien hinaus aufmerksam verfolgt. Das Land ist einer der wichtigsten US-Partner in Südamerika und spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen den internationalen Kokainhandel. Auch für Europa ist Kolumbien relevant: als Handelspartner, Herkunftsland wichtiger Rohstoffe und Schlüsselstaat bei Fragen von Migration, Klimaschutz und Drogenbekämpfung.
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