
Beim Karlsruher SC ist die Trainerfrage für die Saison 2026/27 geklärt. Nicht Marcel Rapp übernimmt die Mannschaft im Wildpark, sondern Maximilian Senft. Der 36 Jahre alte Österreicher kommt von der SV Ried und tritt die Nachfolge von Christian Eichner an, dessen Zeit beim KSC nach sechseinhalb Jahren als Cheftrainer endet.
Damit ist auch die zwischenzeitlich viel diskutierte Spur zu Rapp überholt. Der frühere Kieler Trainer galt Anfang Mai nach Kicker-Informationen als Favorit im internen Auswahlprozess. Inzwischen ist Rapp jedoch beim FC St. Pauli unter Vertrag. Für den KSC beginnt nach der langen Eichner-Ära ein neuer Abschnitt mit einem Trainer, der bislang vor allem in Österreich gearbeitet hat.
Der KSC hatte die Trennung von Christian Eichner am 8. April 2026 offiziell bekannt gegeben. Der Verein sprach von intensiven und offenen Gesprächen zwischen Eichner und den sportlich Verantwortlichen. Formell stimmte der Beirat dem Vorschlag der Geschäftsführung zu, im Sommer einen Trainerwechsel vorzunehmen.
Als Grund nannte der Club den Wunsch nach neuen Impulsen. Eichner hatte den KSC seit Februar 2020 geprägt und die Mannschaft über Jahre in der 2. Bundesliga stabilisiert. Sein Vertrag lief ursprünglich noch über den Sommer hinaus. Der Abschied wurde dennoch frühzeitig öffentlich gemacht, damit Verein, Mannschaft und Trainer die letzten Saisonwochen mit Klarheit bestreiten konnten.
Marcel Rapp passte auf den ersten Blick in das Profil, das beim KSC gesucht wurde. Der 47-Jährige führte Holstein Kiel 2024 erstmals in die Bundesliga und steht für intensive Arbeit mit Mannschaften sowie die Entwicklung junger Spieler. Beim Kicker wurde er Anfang Mai als Top-Favorit auf die Eichner-Nachfolge eingeordnet.
Diese Einschätzung wurde jedoch durch die weitere Entwicklung überholt. Der KSC entschied sich offiziell für Senft. Marcel Rapp wiederum wurde Anfang Juni beim FC St. Pauli als neuer Cheftrainer vorgestellt. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass Rapp nach der Senft-Entscheidung weiter eine konkrete Option in Karlsruhe war, lag zunächst nicht vor. Rapps Trainerlaufbahn führte ihn nach seiner Arbeit im Nachwuchs der TSG Hoffenheim zu Holstein Kiel. Dort übernahm er 2021 die Profis, führte den Verein 2024 in die Bundesliga und wurde im Februar 2026 nach einer sportlichen Negativserie freigestellt.
Vor der offiziellen Entscheidung wurden mehrere Namen mit dem KSC in Verbindung gebracht. Neben Rapp tauchten in Medienberichten auch Lukas Kwasniok, Tobias Strobl und Alexander Ende auf. Offiziell bestätigte der KSC diese Namen nicht als finale Kandidaten.
Mit Senft entschied sich der Verein am Ende für einen Trainer, der weniger Bundesliga-Erfahrung mitbringt als Rapp, aber offenbar stärker zum entwickelten Anforderungsprofil passte. Geschäftsführer Sport Mario Eggimann stellte bei der Vorstellung vor allem moderne Trainingsarbeit, aktive Spielweise, klare Entwicklung und strukturiertes Arbeiten heraus. Direktor Profifußball Timon Pauls hob den Eindruck aus den Gesprächen hervor.
Der KSC verbindet mit dem Trainerwechsel eine sportliche Neuausrichtung. Schon während der Trainersuche wurde deutlich, dass die Verantwortlichen mehr Intensität, aktiveres Verteidigen und eine stärkere Entwicklung junger Spieler erwarten. Diese Linie soll Senft nun umsetzen.
Der neue Trainer arbeitete seit 2022 bei der SV Ried. Zunächst betreute er die zweite Mannschaft, im März 2023 übernahm er die Profis. In der Saison 2024/25 führte er den Club in die österreichische Bundesliga. Beim KSC soll er nun eine Mannschaft übernehmen, die nach der Eichner-Zeit neu strukturiert wird. Die Aufgabe ist anspruchsvoll. Der Verein muss den Abschied eines prägenden Trainers auffangen, die Spielidee weiterentwickeln und gleichzeitig wirtschaftlich kontrolliert planen.
Sportlich kommt der KSC aus einer Saison im Mittelfeld der 2. Bundesliga. Die Mannschaft beendete die Spielzeit 2025/26 auf Rang zehn. Nach 34 Spielen standen 44 Punkte, 53 erzielte Tore und 64 Gegentreffer in der Tabelle.
Diese Bilanz zeigt die Ausgangslage für Senft. Der KSC war weit genug von akuter Abstiegsnot entfernt, aber auch nicht in der Spitzengruppe der Liga etabliert. Überregional passt die Personalie in ein bekanntes Muster der 2. Bundesliga. Traditionsvereine suchen häufiger nach Trainern, die nicht nur kurzfristige Ergebnisse liefern, sondern Kaderwerte entwickeln und eine erkennbare Spielidee prägen sollen. Für die KSC Eichner Nachfolge ist deshalb mehr als ein normaler Trainerwechsel. Nach einer außergewöhnlich langen Amtszeit beginnt ein struktureller Neustart. Dass zunächst Rapp als naheliegender Kandidat galt, ist nachvollziehbar. Die endgültige Entscheidung zeigt jedoch, dass Karlsruhe einen anderen Weg gewählt hat.
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