Lars Eidinger rückt in Cannes 2026 mit zwei Filmen in den Fokus

Helen Dorn Verdammte Familie – ZDF Krimi heute Abend
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Lars Eidinger gehört bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 zu den auffällig präsenten deutschen Schauspielern. Der Berliner Darsteller ist in László Nemes Historien-Drama Moulin zu sehen, das im Wettbewerb des Festivals läuft. Darin spielt Eidinger Klaus Barbie, den früheren Gestapo-Chef von Lyon. Zusätzlich gehört er zum Ensemble von Volker Schlöndorffs Heimsuchung, einer Verfilmung nach dem Roman von Jenny Erpenbeck. Damit ist Eidinger in Cannes gleich in zwei Produktionen vertreten, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit europäischer Geschichte, Erinnerung und politischer Gewalt beschäftigen.

Moulin läuft im Wettbewerb von Cannes

Im Zentrum von Moulin steht Jean Moulin, eine der bekanntesten Figuren der französischen Résistance. Nach Festivalangaben spielt Gilles Lellouche die Titelrolle, Lars Eidinger ist als Klaus Barbie besetzt. Der Film stammt von László Nemes, der international vor allem durch Son of Saul bekannt wurde. Cannes führt Moulin als französische Produktion des Jahres 2026 mit einer Laufzeit von 130 Minuten. Die Handlung setzt im Juni 1943 an, als Moulin nach seiner Festnahme mit dem Gestapo-Apparat in Lyon konfrontiert wird.

Die Rolle ist historisch sensibel, weil Klaus Barbie als Gestapo-Chef von Lyon für Verfolgung, Folter und Deportationen im besetzten Frankreich steht. Der Film greift damit nicht nur eine französische Widerstandsgeschichte auf, sondern auch ein Kapitel deutscher Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg. Nemes beschreibt den Film nicht als klassisches Biopic, sondern als Annäherung an eine extreme Situation aus der Perspektive von Jean Moulin und dessen Umfeld.

Volker Schlöndorff kehrt mit Heimsuchung zurück

Neben Moulin ist Eidinger auch in Volker Schlöndorffs Heimsuchung vertreten. Der Film basiert auf Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman und wurde in Cannes außerhalb des Wettbewerbs gezeigt. Die Produktion gilt als impressionistische Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Zum Ensemble gehören neben Lars Eidinger unter anderem Martina Gedeck und Susanne Wolff.

Für Schlöndorff ist Cannes ein besonderer Ort. Der Regisseur gewann 1979 mit Die Blechtrommel die Goldene Palme und zählt seit Jahrzehnten zu den international bekanntesten deutschen Filmemachern. Heimsuchung erzählt nicht entlang einer klassischen historischen Chronik, sondern über Erinnerungen, Orte und familiäre Erfahrungen. Eidingers Mitwirkung fügt sich damit in eine zweite Cannes-Produktion ein, die deutsche Geschichte über persönliche und politische Brüche verhandelt.

Internationale Karriere zwischen Bühne und Kino

Eidinger ist seit 1999 Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Neben seiner Theaterarbeit stehen zahlreiche internationale Film- und Fernsehproduktionen, darunter Alle Anderen, Die Wolken von Sils Maria und Weißes Rauschen. Damit bewegt sich Eidinger seit Jahren zwischen deutschsprachigem Theater, deutschem Autorenkino und internationalen Produktionen.

Auch 2026 bleibt die Bühne ein wichtiger Teil seiner Arbeit. An der Schaubühne spielt Eidinger in Thomas Ostermeiers Molière-Inszenierung Der Geizige die Titelrolle. Die Produktion markiert die erste Zusammenarbeit von Ostermeier und Eidinger seit Richard III. Damit steht Eidingers aktuelle Cannes-Präsenz nicht isoliert, sondern fällt in eine Phase, in der er parallel im Theater und im internationalen Film sichtbar ist.

Cannes setzt 2026 stark auf europäische Stoffe

Die Filmfestspiele von Cannes zeigen 2026 mehrere Beiträge, die europäische Geschichte und Identität verhandeln. Neben Moulin und Heimsuchung stehen auch andere Produktionen mit deutscher Beteiligung im Programm. Die Deutsche Filmakademie nennt etwa Pawel Pawlikowskis Fatherland im Wettbewerb und Schlöndorffs Heimsuchung in der Reihe Cannes Première.

Eidingers doppelte Präsenz passt in dieses Festivalbild. In Moulin ist er Teil eines französischen Widerstandsdramas, in Heimsuchung gehört er zu einer deutschen Literaturverfilmung über Erinnerung und politische Umbrüche. Für das internationale Publikum wird der Schauspieler damit erneut in Rollen sichtbar, die stark an historische Stoffe und europäische Erzähltraditionen gebunden sind.

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