Matthias Riedl ordnet den Streit um Zuckerersatz neu ein

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Matthias Riedl hat mit einer neuen Folge seines Ernährungspodcasts eine Debatte aufgegriffen, die viele Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar betrifft: Wie sinnvoll sind Süßstoffe, wenn sie Zucker ersetzen sollen? Die aktuelle Folge trägt den Titel, dass Riedl echten Zucker statt alternativer Süßstoffe empfiehlt. In der Beschreibung wird der hohe Süßkonsum in Deutschland angesprochen, ebenso die Frage, welche Produkte der Gesundheit schaden können. Die Folge ist als neueste Ausgabe seines Podcasts mit Elisabeth Jessen gelistet und dauert 49 Minuten.

Der Anlass ist damit kein privater Vorfall und keine neue medizinische Studie von Riedl selbst, sondern eine aktuelle öffentliche Einordnung eines bekannten Ernährungsmediziners. Riedl ist Diabetologe, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg. Bekannt ist er zudem als einer der Ärzte aus dem Umfeld der NDR-Sendung „Die Ernährungs-Docs“.

Weniger Süße statt einfacher Ersatzlogik

Im Kern geht es um eine einfache, aber für den Alltag relevante Unterscheidung. Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen, löst nicht automatisch das Grundproblem einer stark auf süßen Geschmack geprägten Ernährung. Die bessere Frage lautet deshalb nicht nur, welcher Stoff weniger Kalorien liefert. Entscheidend ist auch, ob Menschen ihren Süßgeschmack insgesamt reduzieren oder nur auf kalorienarme Ersatzprodukte umsteigen.

Diese Linie passt zu internationalen Ernährungsempfehlungen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2023, zuckerfreie Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle oder zur Verringerung des Risikos nicht übertragbarer Krankheiten einzusetzen. Die WHO begründet dies damit, dass der langfristige Nutzen für die Reduktion von Körperfett nicht belegt sei und dass in den ausgewerteten Daten mögliche unerwünschte Effekte bei langfristigem Gebrauch diskutiert werden. Die Empfehlung gilt nicht für Menschen mit bereits bestehendem Diabetes.

BfR bewertet Süßstoffe differenziert

Die Bewertung von Süßstoffen ist nicht eindimensional. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt in seiner Auswertung zu süßungsmittelhaltigen Erfrischungsgetränken zu dem Ergebnis, dass die betrachteten Expositionsschätzungen nicht auf ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für Kinder und Jugendliche durch den Verzehr solcher Getränke hindeuten. Gleichzeitig verweist das BfR darauf, dass bei hohem Konsum und weiteren Aufnahmequellen bestimmte akzeptable tägliche Aufnahmemengen überschritten werden könnten.

Damit bleibt die praktische Botschaft nüchtern: Süßstoffe sind nicht automatisch gefährlich, aber auch nicht automatisch eine gesunde Lösung. Wer dauerhaft sehr süß isst oder trinkt, verändert sein Ernährungsverhalten nicht allein dadurch, dass Zucker durch einen kalorienarmen Ersatzstoff ersetzt wird. Gerade bei Getränken, Süßwaren, Milchprodukten und industriell hergestellten Lebensmitteln kann Süße weiterhin eine zentrale Gewohnheit bleiben.

Warum Riedls Einordnung auf Resonanz stößt

Riedl erreicht mit seinen Aussagen ein Publikum, das zwischen Diätversprechen, Supermarktprodukten und Ernährungstrends Orientierung sucht. Viele Produkte werben mit weniger Zucker, ohne dadurch automatisch zu einer insgesamt ausgewogeneren Ernährung beizutragen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist deshalb nicht nur der Blick auf Kalorien entscheidend, sondern auch auf Zutatenliste, Portionsgröße und die eigene Häufigkeit des Konsums.

Die Debatte zeigt zugleich, wie stark Ernährungsfragen inzwischen zwischen Medizin, Alltag und Produktmarketing stehen. Zucker bleibt bei übermäßigem Konsum problematisch. Süßstoffe können in einzelnen Fällen helfen, Zucker zu reduzieren. Als dauerhafte Strategie für eine gesündere Ernährung reichen sie aber nicht aus, wenn sich am Gesamtmuster des Essens und Trinkens nichts ändert.

Bewusster Umgang statt strenger Verbote

Riedls aktuelle Einordnung führt nicht zu einem pauschalen Verbot von Süßstoffen und auch nicht zu einer Freigabe für mehr Zucker. Sie setzt an einem anderen Punkt an: Süße sollte bewusster eingesetzt werden. Kleine Mengen klassischer Zucker können in einer insgesamt ausgewogenen Ernährung weniger problematisch sein als der Versuch, süße Gewohnheiten dauerhaft mit Ersatzstoffen zu erhalten.

Für den Alltag bedeutet das vor allem Maßhalten. Wer Wasser, ungesüßten Tee oder Kaffee ohne süße Zusätze bevorzugt, reduziert den Süßreiz stärker als durch den Wechsel zu Light-Getränken. Die aktuelle Debatte um Matthias Riedl ist deshalb weniger eine Warnung vor einem einzelnen Inhaltsstoff als eine Erinnerung an ein grundsätzliches Ernährungsproblem: Viele Menschen nehmen zu viel Süße zu selbstverständlich in den Alltag auf.

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