
Der FIFA-Investorenplan in Zürich sorgt für einen neuen Konflikt im internationalen Fußball. Der Weltverband hat Pläne für eine kommerzielle Tochtergesellschaft vorgestellt, an der sich private Geldgeber mit Minderheitsanteilen beteiligen könnten. Die FIFA will damit bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einwerben und ihre Förderprogramme für die 211 Mitgliedsverbände ausbauen. Die UEFA übt scharfe Kritik und warnt davor, zentrale wirtschaftliche Bereiche des Fußballs für Investoren zu öffnen. Beschlossen ist das Vorhaben noch nicht.
Die geplante Tochtergesellschaft soll FIFA Forward Enterprise, kurz FFE, heißen. Nach Angaben des Weltverbands sollen darin kommerzielle Rechte und organisatorische Aufgaben zusammengeführt werden. Dazu gehören die Vermarktung von Übertragungsrechten, Sponsoring, Ticketing und Lizenzen sowie die operative Durchführung der FIFA-Turniere im Männer-, Frauen- und Jugendfußball.
Die FIFA bezeichnet FFE als eine von ihr kontrollierte Tochtergesellschaft. Der Weltverband soll nach eigenen Angaben weiterhin allein über sportliche und regulatorische Fragen entscheiden. Dazu zählen die Wettbewerbe, der internationale Spielkalender und alle sportrechtlichen Entscheidungen. Private Geldgeber sollen lediglich Minderheitsanteile ohne Kontrollrechte erwerben.
Die FIFA legt für die geplante Gesellschaft zunächst einen Unternehmenswert von 20 Milliarden US-Dollar zugrunde. Durch den Verkauf von Minderheitsanteilen sollen noch im Jahr 2026 bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar eingeworben werden. Die Investoren sollen nach Darstellung des Weltverbands langfristig ausgerichtet sein und neben Kapital auch wirtschaftliche Erfahrung einbringen.
Wie Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Quelle berichtet, könnten bis zu 20 Prozent der Anteile an externe Geldgeber gehen. Diese konkrete Grenze nennt die FIFA in ihrer offiziellen Mitteilung nicht. Sie spricht lediglich von nicht kontrollierenden Minderheitsbeteiligungen.
Der FIFA-Investorenplan in Zürich befindet sich noch in einem Beratungsprozess. Die neue Struktur soll nur umgesetzt werden, wenn eine Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände sie unterstützt. Zusätzlich sind die notwendigen Beschlüsse des FIFA-Rats erforderlich. Einen konkreten Termin für die endgültige Entscheidung hat der Weltverband bislang nicht genannt.
Mit dem Kapital aus FIFA Forward Enterprise will der Weltverband seine Entwicklungsprogramme ausweiten. Geplant ist ein freiwilliges Programm, über das jeder Mitgliedsverband einmalig bis zu 20 Millionen US-Dollar für besondere Projekte erhalten könnte. Das Geld soll unter anderem für Stadien, Trainingszentren und andere langfristige Infrastrukturvorhaben eingesetzt werden können.
Darüber hinaus möchte die FIFA die regulären Mittel für jeden Mitgliedsverband erhöhen. Für die Förderperiode von 2027 bis 2030 sollen statt der bisher vorgesehenen acht Millionen künftig 20 Millionen US-Dollar zur Verfügung stehen. Für die Jahre 2031 bis 2034 sind 22 Millionen und für 2035 bis 2038 insgesamt 24 Millionen US-Dollar je Verband vorgesehen. Die Beträge gelten jeweils für den gesamten mehrjährigen Förderzeitraum.
Gemeinsam mit bereits bestehenden Programmen könnten die geplanten Maßnahmen die Entwicklungsausgaben der FIFA nach Angaben des Verbands in den kommenden vier Jahren auf mehr als zehn Milliarden US-Dollar erhöhen. Alle genannten Steigerungen stehen jedoch noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen Zustimmungen.
Die UEFA reagierte mit deutlichen Vorwürfen auf das Vorhaben. Der europäische Fußballverband erklärte, die Pläne überschritten eine Grenze, die Fußballorganisationen nicht überschreiten sollten. Besonders kritisch sieht die UEFA, dass bislang nicht ausreichend transparent sei, wer wirtschaftlich von der neuen Struktur profitieren könnte.
Die UEFA stellte zudem klar, dass niemand Eigentümer des Fußballs sei und dessen Führung nicht wie ein gewöhnliches Wirtschaftsgut behandelt werden dürfe. Sie forderte nationale Verbände, Ligen, Vereine, Spieler, Fans und politische Verantwortliche dazu auf, sich mit den möglichen Folgen des Vorhabens zu beschäftigen. Dabei handelt es sich um die ausdrücklich wiedergegebene Position der UEFA und nicht um eine Feststellung über die tatsächlichen Folgen des Modells.
Die FIFA weist die Befürchtung zurück, sie könne die Kontrolle über ihre Wettbewerbe abgeben. Nach Darstellung des Weltverbands sollen Investoren keine operative Rolle übernehmen und weder über Wettbewerbsformate noch über Spielpläne oder sportrechtliche Fragen entscheiden können. Die Geldgeber würden sich zudem nicht an der FIFA selbst beteiligen, sondern ausschließlich an deren geplanter Tochtergesellschaft.
Als möglicher führender Geldgeber wird Thrive Eternal genannt. Nach Angaben der FIFA soll das langfristig ausgerichtete Investmentunternehmen die geplante Investorengruppe anführen, sofern die notwendigen Vereinbarungen und Genehmigungen zustande kommen. Thrive Eternal wurde von Joshua Kushner gegründet.
Der frühere Liberty-Media-Chef Greg Maffei berät die FIFA nach Angaben des Verbands bei dem Vorhaben und soll auch an der weiteren Entwicklung von FFE beteiligt bleiben. Reuters berichtet außerdem, dass die US-Großbank JPMorgan die FIFA bei der Suche nach Investoren unterstützt. Eine endgültige Investorenliste oder abgeschlossene Beteiligungsverträge wurden bislang nicht veröffentlicht.
Ob FIFA Forward Enterprise tatsächlich gegründet wird, ist noch offen. Zunächst müssen die Mitgliedsverbände über das Modell beraten. Auch der FIFA-Rat muss den erforderlichen Änderungen zustimmen. Die geplante Kapitalaufnahme und die höheren Förderbeträge sind daher noch keine beschlossenen Zahlungen.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen zwei unterschiedliche Bewertungen. Die FIFA sieht in der neuen Gesellschaft eine Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu erzielen und weltweit mehr Geld in die Entwicklung des Fußballs zu investieren. Die UEFA befürchtet dagegen, dass der Einstieg privater Geldgeber die wirtschaftliche Ausrichtung und die Führungsstrukturen des internationalen Fußballs langfristig verändern könnte.
Nicht belegt ist, dass Gianni Infantino später eine persönliche Führungsposition in FIFA Forward Enterprise übernehmen wird. Solche Spekulationen sind deshalb nicht Bestandteil der bestätigten Darstellung des FIFA-Investorenplans in Zürich.
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