
Die Polizei Münster warnt vor einer besonders perfiden Variante von Schockanrufen. Dabei geben sich Täter am Telefon als Ärztinnen, Ärzte oder Krankenhausmitarbeiter aus und behaupten, ein Familienmitglied des Angerufenen sei schwer erkrankt. Um dessen Leben zu retten, müsse angeblich dringend ein teures Medikament beschafft werden. Anschließend sollen die Betroffenen Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände bereithalten.
Die aktuelle Warnung veröffentlichte die Polizei Münster am 16. September 2026. Wie viele entsprechende Schockanrufe in Münster bislang registriert wurden, wann sie stattfanden und ob bereits Menschen Geld oder Wertgegenstände verloren haben, teilte die Polizei nicht mit.
Die Anrufer versuchen offenbar, ihre Geschichte möglichst glaubwürdig wirken zu lassen. Im Hintergrund sollen teilweise typische Krankenhausgeräusche zu hören sein. Gleichzeitig setzen die Täter ihre Opfer unter erheblichen emotionalen und zeitlichen Druck.
Die Geschichte folgt dabei einem festen Muster: Ein naher Angehöriger sei schwer krank oder befinde sich in einer akuten medizinischen Notlage. Für die Behandlung werde dringend ein kostspieliges Medikament aus Deutschland oder dem Ausland benötigt. Das Geld müsse sofort bereitgestellt werden. Wenig später soll ein angeblicher Mitarbeiter, Bote oder Kurier Bargeld und Wertgegenstände persönlich abholen.
Gerade die Kombination aus Sorge um einen Angehörigen, angeblicher medizinischer Dringlichkeit und einer kurzfristigen Geldforderung soll verhindern, dass die Angerufenen die Geschichte hinterfragen oder zunächst mit ihrer Familie sprechen.
Die Polizei empfiehlt, solche Telefonate konsequent zu beenden. Betroffene sollten anschließend den angeblich erkrankten Angehörigen selbst über eine bereits bekannte Telefonnummer kontaktieren. Wichtig sei zudem, keine Bank- oder Kontodaten herauszugeben und niemandem Zugriff auf das eigene Konto zu ermöglichen.
Auch Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände sollten niemals an unbekannte Personen übergeben werden. Persönliche Angaben wie Anschrift oder weitere Telefonnummern gehören ebenfalls nicht in die Hände der Anrufer.
Angaben zu möglichen Tatverdächtigen oder Personen, die in Münster als Abholer aufgetreten sein könnten, liegen nach der veröffentlichten Warnung bislang nicht vor.
Für Münster ist die konkrete Variante aktuell auffällig geworden, bundesweit ist sie jedoch bereits seit mehreren Jahren bekannt. Die Polizeiliche Kriminalprävention führt entsprechende Anrufe ausdrücklich als Form des Schockanrufs auf. Dabei geben sich Täter als medizinisches Personal aus und behaupten, für einen schwer verletzten oder erkrankten Angehörigen müsse dringend ein teures Medikament bezahlt werden.
Bereits im März 2021 warnte beispielsweise die Polizei in Eschwege vor einem vergleichbaren Fall. Ein angeblicher Arzt erklärte einer 74-Jährigen, ihr Sohn schwebe in Lebensgefahr. Ein Medikament, das angeblich aus Berlin eingeflogen werden müsse, sollte 31.000 Euro kosten. Die Frau wurde misstrauisch und zahlte nicht.
Auch in diesem Jahr wurden ähnliche Fälle aus anderen Städten bekannt. In Trier schilderte die Polizei im März 2026 einen Anruf, bei dem ein angeblicher Arzt erklärte, ein Kind liege auf der Intensivstation und könne nur mit einer teuren Spritze oder einem Medikament gerettet werden. Gefordert wurden mehrere Zehntausend Euro in bar, die ein Kurier abholen sollte.
Im Juni traf die Masche eine Seniorin im Raum Hildesheim. Ihr wurde erzählt, ihr Sohn leide an Darmkrebs und benötige ein teures Medikament in einer Schweizer Klinik. Die Frau hob Bargeld ab und übergab Geld und Schmuck an eine Abholerin.
Besonders aktuell ist ein Fall aus Aachen: Dort verlor eine 72-Jährige Anfang September einen mittleren fünfstelligen Betrag. Ein falscher Krankenhausmitarbeiter hatte behauptet, ein Angehöriger müsse weiterbehandelt werden und die Krankenversicherung übernehme die Kosten nicht. Das Geld wurde anschließend an der Haustür abgeholt.
Die Stadtverwaltung und die Polizei werden die Entwicklung am Servatiiplatz eng begleiten und, wenn nötig, im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten eingreifen. Die Stadt wird immer dann als Ordnungsbehörde tätig, wenn geltende Regeln verletzt und die öffentliche Sicherheit durch konkrete Verhaltensweisen von Personen gefährdet wird.
Am Servatiiplatz kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Erst kürzlich gerieten dort zwei Männer in einen Streit, der in einer körperlichen Auseinandersetzung endete. Die Polizei konnte die Kontrahenten trennen und hat ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 17-jährigen Tatverdächtigen eingeleitet.
Eine spezielle Ermittlungskommission der Polizei kümmert sich um den Servatiiplatz. In den vergangenen acht Wochen hat diese bereits 25 Strafverfahren eingeleitet. Zudem wurde ein 22-jähriger Tatverdächtiger festgenommen, der im Verdacht steht, über einen längeren Zeitraum am Servatiiplatz mit Marihuana und Kokain gehandelt zu haben
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