
Der norwegische Wasserstoffspezialist Nel ASA hat im dritten Quartal 2026 deutlich weniger umgesetzt und einen höheren Verlust verbucht. Während das Geschäft mit großen alkalischen Elektrolyseuren stark zurückging, entwickelte sich die Nachfrage nach kleineren, modularen Wasserstoffanlagen wesentlich besser. Der Auftragseingang vervielfachte sich, dennoch reagierte die Nel ASA Aktie auf die Quartalszahlen zunächst mit deutlichen Kursverlusten.
Der Umsatz aus Kundenverträgen sank von 303 Millionen norwegischen Kronen im Vorjahresquartal auf 112 Millionen Kronen. Das entspricht einem Rückgang von 63 Prozent. Einschließlich weiterer Erträge erzielte Nel im dritten Quartal 138 Millionen Kronen, nach 349 Millionen Kronen im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Auch die Ertragslage verschlechterte sich. Der Nettoverlust stieg von 85 Millionen auf 141 Millionen Kronen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei minus 93 Millionen Kronen, nachdem im Vorjahr ein Minus von 37 Millionen Kronen ausgewiesen worden war.
Die Zahlen verdeutlichen die weiterhin schwierige wirtschaftliche Situation des Elektrolyseurherstellers. Obwohl einzelne Geschäftsbereiche wachsen, erwirtschaftet das Unternehmen insgesamt noch keine Gewinne.
Bei den neuen Bestellungen zeigt sich ein anderes Bild. Der Auftragseingang erreichte 253 Millionen norwegische Kronen und lag damit 339 Prozent über dem Vorjahreswert von 57 Millionen Kronen. Der Auftragsbestand stieg innerhalb eines Jahres um 34 Prozent auf 1,314 Milliarden Kronen.
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit PEM Elektrolyseuren. Der Umsatz dieses Segments wuchs um 65 Prozent auf 89 Millionen Kronen. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragseingang um 473 Prozent auf 245 Millionen Kronen. Damit entfielen rund 97 Prozent aller neuen Bestellungen auf diese Technologie.
Im Geschäft mit alkalischen Elektrolyseuren brach der Umsatz dagegen um 91 Prozent auf lediglich 23 Millionen Kronen ein. Die unterschiedliche Entwicklung der beiden Geschäftsbereiche erklärt einen wesentlichen Teil des starken Umsatzrückgangs auf Konzernebene.
An der Börse wurden die Quartalszahlen von Nel ASA zunächst mit Kursverlusten aufgenommen. Die Aktie schloss am Donnerstag, 15. Oktober 2026, an der Osloer Börse bei 2,02 norwegischen Kronen. Das entsprach einem Tagesminus von 6,7 Prozent.
Am Freitag erholte sich der Kurs um 2,23 Prozent auf 2,07 Kronen. Damit lag die Aktie weiterhin unter dem Niveau vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen. Die Kursangaben beziehen sich auf die Schlussnotierungen vom 15. und 16. Oktober 2026 an der Börse Oslo, veröffentlicht von finanzen.net.
Auch nach dem Ende des dritten Quartals meldete Nel neue Geschäftsabschlüsse. Am 13. Oktober gab das Unternehmen einen Auftrag eines nicht namentlich genannten US-amerikanischen Technologiekonzerns bekannt. Der Vertragswert für mehrere containerbasierte Elektrolyseure und zugehörige Dienstleistungen liegt nach Unternehmensangaben bei rund zwölf Millionen US-Dollar. Die Auslieferung ist für 2027 vorgesehen.
Ebenfalls am 13. Oktober vereinbarte Nel mit Rheinmetall eine Zusammenarbeit zur Prüfung dezentraler Produktionsanlagen für synthetische Kraftstoffe. Dabei handelt es sich zunächst um eine Absichtserklärung und nicht um einen verbindlichen Großauftrag.
Finanziell verfügt Nel weiterhin über liquide Mittel. Ende September belief sich der Zahlungsmittelbestand auf 1,078 Milliarden norwegische Kronen. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,757 Milliarden Kronen gewesen.
Parallel arbeitet der Konzern an einer neuen Generation alkalischer Elektrolyseure und an der geplanten Produktionslinie mit einer Kapazität von einem Gigawatt am Standort Herøya in Norwegen.
Die Entwicklung von Nel steht beispielhaft für eine Herausforderung der internationalen Wasserstoffwirtschaft. Elektrolyseure ermöglichen die Herstellung von Wasserstoff mithilfe elektrischer Energie und sind damit ein wichtiger Bestandteil vieler industrieller Dekarbonisierungsprojekte. Für Hersteller entscheidet jedoch nicht allein die technische Nachfrage über den wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend sind auch verbindliche Investitionsentscheidungen der Kunden, die Auslastung der Produktion und die wirtschaftliche Abwicklung großer Aufträge.
Nel kann inzwischen auf einen deutlich höheren Auftragsbestand verweisen. Die anhaltenden Verluste und der starke Rückgang im Geschäft mit alkalischen Anlagen zeigen zugleich, dass die steigende Nachfrage noch nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Konzernergebnisse geführt hat.
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