Oelpreis steigt kraeftig: Airlines und TUI unter Druck

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran hat die Ölpreise am Montag kräftig nach oben getrieben und die europäischen Aktienmärkte gespalten. Während Energieunternehmen von höheren Rohstoffpreisen profitierten, gerieten Fluggesellschaften und Reisekonzerne unter Verkaufsdruck. Für Verbraucher wächst damit erneut das Risiko steigender Spritpreise, teurerer Flugtickets und zusätzlicher Inflationsimpulse.

Brent steigt zeitweise auf rund 79,40 Dollar

Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich im Tagesverlauf um rund 4,7 Prozent auf etwa 79,40 Dollar. Auch US-Leichtöl der Sorte WTI legte deutlich zu. Auslöser waren neue Raketen- und Drohnenangriffe zwischen den USA und Iran sowie die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, eine Blockade iranischer Schiffe wieder einzusetzen. Zugleich stellte Trump eine Abgabe von 20 Prozent auf den Wert von Ladungen in Aussicht, die unter amerikanischem Schutz durch die Straße von Hormus transportiert werden sollen.

Die neuen Spannungen gefährden die im Juni vereinbarte vorläufige Verständigung, mit der der Schiffsverkehr durch die Meerenge wiederbelebt worden war. Händler preisen deshalb erneut ein höheres Risiko für Lieferausfälle, längere Transportwege und steigende Versicherungskosten ein.

Straße von Hormus bleibt entscheidender Engpass

Die Straße von Hormus ist die wichtigste maritime Engstelle des globalen Ölhandels. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden 2025 täglich 19,87 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte durch die Meerenge exportiert. Davon entfielen 14,95 Millionen Barrel auf Rohöl und Kondensate sowie 4,93 Millionen Barrel auf verarbeitete Ölprodukte.

Alternative Routen können einen Ausfall nur teilweise auffangen. Die IEA schätzt die zusätzlich verfügbare Kapazität von Pipelines in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf 3,5 bis 5,5 Millionen Barrel pro Tag. Eine länger anhaltende Einschränkung des Schiffsverkehrs würde daher rasch neue Knappheitssorgen auslösen.

Energiewerte gewinnen, Reiseaktien verlieren

An Europas Börsen stieg der Branchenindex der Energiewerte um 2,2 Prozent. Der Reise- und Freizeitsektor verlor dagegen 1,2 Prozent. Lufthansa, Ryanair und TUI gaben je nach Handelsplatz und Zeitpunkt zwischen 1,1 und 4,1 Prozent nach. Der breite Stoxx Europe 600 bewegte sich mit 641,01 Punkten dagegen kaum.

Die Reaktion folgt einem bekannten Muster: Höhere Ölpreise verbessern kurzfristig die Ertragsperspektiven großer Produzenten wie Shell, BP oder TotalEnergies. Für Airlines steigen dagegen die Kosten. Zusätzlich belasten Umwege um gesperrte Lufträume, höhere Versicherungsprämien und mögliche Flugplananpassungen.

Kerosin wird zum zentralen Kostenrisiko

Kerosin macht nach Angaben des Luftfahrtverbands IATA bis zu 25 bis 30 Prozent der operativen Kosten einer Fluggesellschaft aus. Für 2026 erwartet der Verband weltweite Treibstoffkosten von 350 Milliarden Dollar, nach 252 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Der durchschnittliche Kerosinpreis soll bei 152 Dollar je Barrel liegen und damit fast 70 Prozent über dem Vorjahresniveau von 90 Dollar.

Europa ist besonders anfällig. Die regionalen Kerosinbestände deckten Anfang Juni weniger als 30 Tage Nachfrage ab. Zugleich erwartet das Analysehaus Energy Aspects für das dritte Quartal ein europäisches Defizit von knapp 600.000 Barrel pro Tag. Airlines haben zwar Teile ihres Bedarfs über Termingeschäfte abgesichert. Lufthansa rechnet auf Basis der Terminpreise dennoch mit einer um 1,7 Milliarden Euro höheren Treibstoffrechnung im Jahr 2026.

Folgen für Spritpreise, Tickets und Inflation

Für Autofahrer bedeutet der Ölpreissprung nicht automatisch sofort höhere Kraftstoffpreise, doch mittelfristig geben die Tankstellen die Verteuerung meist weiter. Ähnlich müssen Fluggesellschaften Aufpreise zunächst über Absicherung und Kapazitätssteuerung auffangen. Bei anhaltend teurem Kerosin dürften jedoch Zuschläge, höhere Durchschnittspreise oder ein knapperes Flugangebot wahrscheinlicher werden. Bereits jetzt verfügt Europa nur über begrenzte Kerosinreserven, während die Nachfrage in der Sommerreisesaison hoch bleibt.

Auch für die Europäische Zentralbank ist der Ölpreis ein Risiko. Die EZB erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent, für 2027 von 2,3 Prozent und für 2028 von 2,0 Prozent. Die Energieinflation soll im dritten Quartal 2026 mit 12,5 Prozent ihren Höhepunkt erreichen. Eine dauerhafte neue Ölpreiswelle könnte den anschließenden Rückgang verzögern und den geldpolitischen Spielraum der EZB zusätzlich begrenzen.

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