Playmobil tief in der Krise: 115 Millionen Euro Verlust und Produktion in Deutschland beendet

Playmobil in der Krise: Konzern verliert rund 115 Millionen Euro
Symbolfoto: Caroline Muffert

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Zirndorf. Der Spielwarenhersteller hinter Playmobil schreibt weiter tiefrote Zahlen. Die Horst Brandstätter Group hat im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Fehlbetrag von rund 115 Millionen Euro verbucht. Damit fällt der Verlust nur geringfügig niedriger aus als im vorherigen Geschäftsjahr, als das Minus knapp 119 Millionen Euro betragen hatte. Gleichzeitig sind die Umsätze erneut gesunken. Besonders die Kernmarke Playmobil kämpft weiter mit rückläufigen Erlösen. Nach der Schließung des letzten deutschen Produktionsstandorts setzt der Konzern nun vor allem auf neue Produkte, Fußball-Lizenzen und bekannte internationale Marken.

Umsatz der Horst Brandstätter Group sinkt auf 409 Millionen Euro

Die Horst Brandstätter Group erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 409 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es auf vergleichbarer Basis 449 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von knapp neun Prozent. Das Unternehmen betont allerdings, dass sich das Tempo des Umsatzrückgangs gegenüber früheren Jahren abgeschwächt habe. Der Konzern verweist zugleich auf hohe Investitionen in die strategische Neuausrichtung, Produktinnovationen und strukturelle Veränderungen. Hohe Energie- und Infrastrukturkosten in Deutschland und Teilen Europas würden den Kostendruck zusätzlich erhöhen.

Die veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen dennoch, wie angespannt die Lage bleibt. Nach Medienberichten auf Grundlage des Konzernabschlusses beträgt der Fehlbetrag mehr als 115 Millionen Euro. Im vorherigen Geschäftsjahr lag der Verlust demnach bei knapp 119 Millionen Euro. Die Marke Playmobil steht dabei besonders im Fokus: Sie steuerte zuletzt etwa 82 Prozent des Konzernumsatzes bei, ihre Erlöse gingen jedoch um mehr als elf Prozent zurück.

Playmobil-Produktion in Deutschland ist beendet

Die finanziellen Probleme haben inzwischen deutliche Folgen für die Beschäftigten. Ende Juni wurde das Playmobil-Werk im mittelfränkischen Dietenhofen geschlossen. Rund 350 Beschäftigte waren von dem Schritt betroffen. Bereits kurz vor dem offiziellen Schließungstermin am 30. Juni war die Produktion vollständig eingestellt worden. Für die Mitarbeiter wurden unter anderem eine Transfergesellschaft und Abfindungen vereinbart.

Damit werden die bekannten Playmobil-Figuren nicht mehr in Deutschland produziert. Die Fertigung wurde in den Werken auf Malta und in Tschechien gebündelt. Als Gründe nennt der Konzern unter anderem die hohen Produktions-, Lohn- und Energiekosten in Deutschland. Entwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik sollen dagegen weiterhin in Deutschland angesiedelt bleiben.

Streit mit Betriebsratschef endet mit Einigung

Parallel zur wirtschaftlichen Krise sorgten zuletzt auch Konflikte zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretung für Schlagzeilen. Der langjährige Betriebsratsvorsitzende Michael Ulbrich hatte sich nach Kündigungen juristisch gegen das Unternehmen gewehrt. Anfang August kam es schließlich zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen Ulbrich und der Horst Brandstätter Group. Der Betriebsratsvorsitzende verlässt das Unternehmen.

Der Konflikt hatte sich rund um die Schließung des Standorts Dietenhofen zugespitzt. Die Gewerkschaft IGBCE hatte die Entscheidung zur Aufgabe der deutschen Produktion zuvor deutlich kritisiert. Für den Konzern ist die Werksschließung dagegen Teil einer umfassenderen Restrukturierung, mit der die Kosten sinken und die wirtschaftliche Stabilität wiederhergestellt werden sollen.

Mit Bundesliga, Barbie und neuer Technik aus der Krise

Gleichzeitig versucht Playmobil, mit neuen Zielgruppen und Produkten die Trendwende zu erreichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Fußball. Nach einer Kooperation mit dem DFB zur Weltmeisterschaft 2026 soll im September erstmals eine Figurenserie mit allen Bundesliga-Clubs erscheinen. Ein limitiertes Bundesliga-Starter-Set war nach Unternehmensangaben bereits wenige Tage nach Verkaufsbeginn ausverkauft.

Zudem arbeitet Playmobil mit Mattel-Marken wie Barbie und Monster High sowie der Wrestlingorganisation WWE zusammen. Im Herbst soll außerdem „Playmobil hi!“ auf den Markt kommen. Dabei wird das klassische Spielsystem um einen interaktiven Rucksack für Figuren ergänzt. Dieser soll Geschichten, Geräusche, Rätsel und weitere Spielimpulse bieten. Das System kommt laut Unternehmen ohne Bildschirm und WLAN aus und umfasst mehr als 500 Audioelemente. Ob die neuen Produkte ausreichen, um Umsatz und Ergebnis nachhaltig zu drehen, muss sich allerdings erst zeigen.

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