
Der Dokumentarfilm Riefenstahl läuft heute, am Mittwoch, 20. Mai 2026, um 22:45 Uhr auf arte. Im Mittelpunkt steht eine der umstrittensten Filmfiguren des 20. Jahrhunderts: Leni Riefenstahl, geboren 1902 in Berlin, gestorben 2003 am Starnberger See. Sie wurde als Regisseurin gefeiert, zugleich aber wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus und ihrer Rolle bei der ästhetischen Inszenierung des NS-Regimes bis heute scharf kritisiert.
Die Dokumentation von Andres Veiel nähert sich Riefenstahl nicht als einfacher Künstlerinnenbiografie, sondern als Untersuchung eines Mythos. Der Film fragt, wie eine Regisseurin, deren Bilder bis heute als technisch brillant gelten, ihre eigene Verantwortung über Jahrzehnte abwehrte. Riefenstahl stellte sich nach 1945 immer wieder als unpolitische Künstlerin dar. Genau diese Selbstdarstellung wird im Film kritisch geprüft. Grundlage sind unter anderem Archivmaterial, private Aufnahmen, Fotos, Briefe und Tonaufzeichnungen aus ihrem Nachlass. Der Film wurde 2024 veröffentlicht und von Sandra Maischberger produziert.
Leni Riefenstahl wurde vor allem durch zwei Werke weltbekannt: Triumph des Willens und Olympia. Triumph des Willens dokumentierte den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg und gilt als eines der zentralen Propagandawerke des Nationalsozialismus. Olympia, Riefenstahls Film über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, prägte mit aufwendiger Kameraführung, Körperästhetik und monumentaler Inszenierung die Wahrnehmung des Sports im Film.
Gerade darin liegt die historische Brisanz. Riefenstahl schuf keine bloßen Dokumentationen, sondern Bilder, die Macht, Disziplin, Schönheit und Überlegenheit in einer Form verdichteten, die hervorragend zur Ideologie des NS-Regimes passte. Die Frage, ob sie nur im Auftrag arbeitete oder selbst aktiv an der Verherrlichung dieses Weltbildes mitwirkte, begleitet ihre Biografie bis heute. Die Doku Riefenstahl macht deutlich, dass Kunst und Propaganda in ihrem Fall kaum voneinander zu trennen sind.
Nach dem Krieg bestritt Riefenstahl, überzeugte Nationalsozialistin gewesen zu sein. Sie erklärte ihre Filme als ästhetische Arbeiten, nicht als politische Botschaften. Diese Verteidigung wurde über Jahrzehnte zum Kern ihrer öffentlichen Selbstinszenierung. Der Dokumentarfilm stellt dieser Version jedoch Archivmaterial gegenüber, das ein anderes Bild nahelegt. Er zeigt, wie konsequent Riefenstahl an der Kontrolle ihrer eigenen Legende arbeitete und wie schwer es der Öffentlichkeit lange fiel, künstlerische Innovation und politische Verantwortung zusammenzudenken.
Besonders problematisch ist, dass Riefenstahl ihre Nähe zu Adolf Hitler und führenden NS-Funktionären nicht nur durch Aufträge, sondern auch durch ihre Bildsprache absicherte. Ihre Filme halfen, das Regime modern, geschlossen, kraftvoll und überwältigend erscheinen zu lassen. Damit hatten sie eine propagandistische Wirkung, unabhängig davon, wie Riefenstahl ihre eigene Motivation später beschrieb.
Dass arte Riefenstahl heute Nacht zeigt, macht den Film auch zu einem Beitrag über Gegenwart und Medienmacht. Die Dokumentation erinnert daran, dass Bilder nie unschuldig sind, wenn sie politische Macht ästhetisieren. Sie zeigt, wie Inszenierung Wirklichkeit formen kann und wie lange Mythen über Personen fortbestehen, wenn sie geschickt erzählt werden.
Riefenstahl ist deshalb mehr als ein Film über eine historische Figur. Die Doku ist eine Auseinandersetzung mit Verdrängung, Schuldabwehr und der Frage, wie Gesellschaften mit Künstlerinnen und Künstlern umgehen, deren Werke formal bedeutend, politisch aber tief belastet sind. Für Zuschauerinnen und Zuschauer auf arte bietet der Film einen konzentrierten, unbequemen und historisch wichtigen Blick auf Leni Riefenstahl und die Nachwirkung ihrer Bilder.
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