
Die republikanische US-Abgeordnete María Elvira Salazar geht wenige Wochen vor den Kongresswahlen bei einem zentralen Thema auf Distanz zu Präsident Donald Trump. In einem neuen Wahlwerbespot kritisiert die Politikerin aus Florida die verschärfte Durchsetzung des Einwanderungsrechts und warnt den Präsidenten vor einem Vertrauensverlust bei hispanischen Wählerinnen und Wählern. Maria Elvira Salazar kritisiert Trump damit ausgerechnet bei einem Politikfeld, das für dessen Wahlkampf 2024 eine zentrale Rolle spielte.
Salazar vertritt den 27. Kongresswahlkreis Floridas im Raum Miami und bewirbt sich im November um eine weitere Amtszeit. Ihr Wahlkreis ist stark hispanisch geprägt. Gleichzeitig hatte Trump dort bei der Präsidentschaftswahl 2024 deutlich gewonnen. Der neue Spot richtet sich deshalb nicht nur an die Parteiführung in Washington, sondern berührt unmittelbar eine Wählergruppe, die für Republikaner in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Die Regierung hält an ihrem Kurs fest, das Heimatschutzministerium widerspricht Salazar.
In dem rund 30 Sekunden langen Video spricht Salazar den Präsidenten direkt an. Einige seiner Maßnahmen zur Durchsetzung des Einwanderungsrechts seien zu weit gegangen, erklärt sie. Als Beispiel nennt die Abgeordnete die Festnahmen durch die Einwanderungsbehörde ICE im Juli. Rund die Hälfte der etwa 50.000 Festgenommenen habe keinen strafrechtlichen Hintergrund gehabt.
Salazar warnt Trump außerdem davor, sich bei der Einwanderungspolitik auf falsche Ratschläge zu verlassen. Die Hispanics, die ihm 2024 auf dem Weg zurück ins Weiße Haus geholfen hätten, fühlten sich heute nach ihrer Darstellung verraten. Dabei fordert sie ausdrücklich keine allgemeine Amnestie. Stattdessen spricht sie sich dafür aus, langjährig in den USA lebenden Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus eine geregelte Perspektive zu ermöglichen.
Ihre Größenordnung für die ICE-Festnahmen deckt sich im Kern mit veröffentlichten Daten, auch wenn unterschiedliche Datensätze für Juli leicht voneinander abweichende Gesamtzahlen ausweisen. Von ICE stammende Daten, die von Forschern und der Nachrichtenagentur AP ausgewertet wurden, zeigen zugleich, dass mehr als die Hälfte der im Juli Festgenommenen weder eine strafrechtliche Verurteilung noch anhängige Strafvorwürfe hatte. Das bedeutet nicht, dass sich alle Betroffenen legal in den USA aufhielten. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht und eine strafrechtliche Vorgeschichte sind unterschiedliche Kategorien.
Der Spot bedeutet keinen vollständigen Bruch mit Trump. Der Präsident hatte Salazar noch im Februar und erneut vor der republikanischen Vorwahl im August 2026 ausdrücklich zur Wiederwahl empfohlen. Dabei lobte er unter anderem ihre Positionen zu Wirtschaft, Energie, Grenzsicherung und innerer Sicherheit. Bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 hatte Salazar hispanische Wähler öffentlich dazu aufgerufen, Trump zu unterstützen.
Bei der Einwanderungspolitik vertritt sie allerdings seit Jahren einen eigenständigen Ansatz. Salazar verbindet Forderungen nach Grenzsicherung und konsequenter Kontrolle mit einem legalen Status für bestimmte Menschen, die bereits lange ohne regulären Aufenthaltsstatus in den Vereinigten Staaten leben.
Gemeinsam mit der demokratischen Abgeordneten Veronica Escobar brachte sie 2025 den sogenannten Dignity Act ein. Der Entwurf sieht unter bestimmten Voraussetzungen einen befristeten legalen Status und eine Arbeitserlaubnis für langjährig in den USA lebende Migranten vor. Eine automatische Staatsbürgerschaft ist nicht vorgesehen. Zugleich enthält der Gesetzentwurf Maßnahmen zur Grenzsicherung und Änderungen am Asylsystem.
Salazars Wahlkreis umfasst Teile von Miami-Dade County. Rund drei Viertel der Bevölkerung sind hispanischer Herkunft. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 kam Trump innerhalb des Wahlkreises auf rund 57 Prozent, die damalige demokratische Kandidatin Kamala Harris auf etwa 42 Prozent.
Salazar selbst gewann ihre Kongresswahl 2024 noch deutlicher. Ihr Stimmenanteil lag bei 60,38 Prozent, ihre demokratische Konkurrentin Lucia Báez-Geller kam auf 39,62 Prozent. In diesem Jahr tritt Salazar gegen den Demokraten Eliott Rodriguez an, einen früheren Fernsehjournalisten aus Miami.
Rodriguez weist Salazars Darstellung zurück, sie stehe für einen Gegenentwurf zur Einwanderungspolitik der Regierung. Er verweist auf ihr bisheriges Abstimmungsverhalten im Kongress und argumentiert, sie habe Teile der republikanischen Einwanderungsagenda unterstützt. Salazar wiederum unterscheidet zwischen einer strengeren Grenzpolitik und der Frage, wie mit Menschen umgegangen werden soll, die seit Jahren ohne regulären Status in den Vereinigten Staaten leben.
Aus der Trump-Regierung kam eine deutliche Reaktion. Das Heimatschutzministerium DHS erklärte, ICE werde die vom Kongress beschlossenen Gesetze weiterhin durchsetzen. Eine Amnestie werde es nicht geben. Das Ministerium hält damit an dem von Trump angekündigten Kurs umfangreicher Festnahmen und Abschiebungen fest.
Auch der konservative House Freedom Caucus, dem republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus angehören, stellte sich gegen Salazar. Die Gruppe erklärte, Trumps Maßnahmen sollten fortgesetzt werden, und lehnt einen legalen Aufenthaltsstatus für Menschen ohne reguläre Aufenthaltserlaubnis als Amnestie ab.
Eine eigene öffentliche Reaktion Trumps auf Salazars Wahlwerbespot lag bis Freitagmorgen US-Ostküstenzeit zunächst nicht vor. Auch das Weiße Haus hatte zu diesem Zeitpunkt keine separate Stellungnahme veröffentlicht. Eine Anfrage an das Weiße Haus blieb unbeantwortet. Ein Sprecher des Präsidenten war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Antwort des DHS macht jedoch deutlich, dass die Regierung keine Änderung ihrer grundsätzlichen Linie angekündigt hat.
Salazars Warnung trifft auf eine langfristige Veränderung der US-Wählerschaft. Nach Berechnungen des Pew Research Center sind bei den Midterms 2026 rund 39 Millionen Hispanics wahlberechtigt. Seit den Kongresswahlen 2022 kamen etwa 5,2 Millionen hinzu. Hispanics bilden damit nach weißen Amerikanern die zweitgrößte Gruppe der Wahlberechtigten.
Gleichzeitig handelt es sich nicht um einen einheitlichen politischen Block. Herkunft, Generation, Einkommen, Region und persönliche Erfahrungen mit Einwanderung unterscheiden sich erheblich. Gerade in Südflorida spielen etwa kubanischstämmige, venezolanischstämmige und andere lateinamerikanische Bevölkerungsgruppen eine wichtige Rolle und weisen unterschiedliche politische Traditionen auf.
Trump erzielte 2024 bei hispanischen Wählern deutliche Zugewinne. Eine spätere Untersuchung des Pew Research Center auf Grundlage bestätigter Wahlteilnahmen kam auf 48 Prozent für Trump und 51 Prozent für Harris. Vier Jahre zuvor hatte Trumps Anteil unter hispanischen Wählern bei 36 Prozent gelegen. Damit gehörten Hispanics zu den Bevölkerungsgruppen, bei denen sich das Wahlverhalten zwischen 2020 und 2024 besonders deutlich veränderte.
Bei den Midterms im November wird der Präsident selbst nicht gewählt. Zur Abstimmung stehen jedoch alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie ungefähr ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Welche Partei anschließend die Mehrheit in den beiden Kammern kontrolliert, beeinflusst Gesetzgebung, Haushaltspolitik und die parlamentarische Kontrolle der Regierung in den verbleibenden zwei Jahren von Trumps Amtszeit.
Salazars Spot macht zugleich einen innerparteilichen Konflikt sichtbar. Während das Heimatschutzministerium und konservative Republikaner eine konsequente Fortsetzung des bisherigen Abschiebekurses fordern, verbindet Salazar Grenzsicherung mit der Forderung nach einer rechtlichen Lösung für bestimmte langjährig im Land lebende Migranten. Welche Position hispanische Wählerinnen und Wähler bei den Midterms unterstützen, lässt sich aus einzelnen Umfragen oder aus dem Ergebnis von 2024 nicht einheitlich ableiten.






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